: Hage Becker
: Die Socke im Brunnen Wie Dorfkinder den Klapperstorch beerdigten
: TWENTYSIX
: 9783740722432
: 1
: CHF 8.80
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: Literatur: Allgemeines, Nachschlagewerke
: German
: 420
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Beim Anblick einer roten Socke fällt dem in einem Hunsrückdorf geborenen Autor ein aufregender Tag aus seiner Kindheit ein. Im Buch läßt er auch delikate Erinnerungen aus den 50er- und 60er Jahren aufleben, erinnert sich an sein erwachendes Interesse am weiblichen Geschlecht, an die aus heutiger Sicht derben Ausdrücke und Sitten und dass er und seine Kumpels selbst herausfinden mussten, dass der Klapperstorch auch nur ein Weihnachtsmann ist. Irgendwo zwischen Günter Grass´"Blechtrommel" und Rosemarie Nitribitt, werden erste Erfahrungen gemacht, die in die reale Welt einsortiert werden müssen. Alles zwischen dem traditionellen Umfeld der Adenauer-Epoche - mit Oma, einer Kriegerwitwe, dem jüngeren Bruder, dem Onkel (der andere Dingen erzählt als der Pfarrer), Konfirmation, Politik und Schule. Auf dem Weg in eine Zukunft, die weit hinter dem Mond zu liegen schien. Es geht um den Freund, Arschlöcher, kluge Mädchen, Omas Leidenschaft für J.F.K., Klaus (dem fast der Finger abgebissen wurde), Ilse mit Fusseln zwischen den Zehen, Frauen mit Hinterbacken wie Kutschenpferde und Haarbüschel wie Handfeger unter den Achselhöhlen, die Frage, ob Wichsen dumm macht oder die Anzahl an"Schüssen" limitiert ist, und die"uralten Menschen", die damals jünger waren als der Autor heute.

Hage Becker wurde 1951 in einen Hunsrückdorf geboren. Der Bauernhof seines Großvaters und die kunsthandwerkliche Goldschmiedewerkstatt seines Vaters, haben seine Kindheit und Jugend begleitet. Das Arbeit der Bauern für das tägliche Brot zu sorgen auf der einen Seite und das, was das Leben schön macht - die Kunst und edler Schmuck auf der anderen Seite, prägten seine Lebenswahrnehmung. Der Hunrück - rau im Winter, aber übers Jahr eine sanfte Heimat. Bauernland und Künstlerland. Die Sprache - Dialekt. Gramatik nicht nach den Regeln des Dudens, aber es ist seine Sprache in Kindheit und Jugend. Der Autor ist verheirat, Vater von drei Kindern. Beruflich war er Leiter einer Verwaltungsdienststelle und Jahrzehnte parallel dazu Geschäftsführer einer Krankenhaus gGmbH

Prolog


Donnerstag, 10. April 2014

DieZEIT raschelt leise, als ich umblättere. Ein leichtes Kribbeln huscht über meine Kopfhaut. Dieses Zeitungsrascheln liebe ich, seit ich meine erste Zeitung las – nein, schon seit ich meinen Zeitung lesenden Vater beobachten konnte. Zeitung lesen war seit dieser Zeit immer mit einem angenehmen Gänsehautgefühl verbunden.

Nachdem ich die Zeitung glatt gestrichen hatte, fing mich die SchlagzeileSchwesig will Erlaubnispflicht für Bordelle ein.Für jede Pommesbude gelten strengere Regelungen als für Bordelle, klagte sie. Sie plane härtere Regelungen, etwa bei Bordellneueröffnungen.

Ein Grinsen macht sich bei mir breit.Härter ist in diesem Zusammenhang gut formuliert, finde ich. »Ohne Härte kein Leben«, hörte ich meinen Onkel vor mehr als fünfzig Jahren sagen. Warum fällt mir das jetzt ein? Weiß nicht, ohnehin ist heute ein Weiß-nicht-Tag. Bordellbetreiber müssen nach den Plänen dieser gut aussehenden blonden Ministerin in Zukunft eine Erlaubnis beantragen, wenn sie eine Prostitutionsstätte eröffnen wollen. Prostitutionsstätte? Ein Wort, das mich berührt.Tolle Formulierung ohne Zweifel. Alle Achtung, junge Frau, denke ich. »Mit Verlaub«, verehrte Frau Ministerin, »mir fällt dazu spontan ein«, spreche ich in Richtung Zeitung, »Familienbildungsstätte, Frau Familienministerin, oder Produktionsstätte.« BesserGewerbestätte für das älteste Gewerbe der Welt. Ob sie auch Vorschriften erlassen wird über den Härtegrad der Matratzen, oder ob dafür Brüssel zuständig ist?Puff. Puff ist kurz und klar, das versteht jeder, aberProstitutionsstätte? Ich schüttele leicht den Kopf. Ein altes und stets aktuelles Thema ohne Zweifel.

Ich lasse die Ze