Donnerstag, 10. April 2014
DieZEIT raschelt leise, als ich umblättere. Ein leichtes Kribbeln huscht über meine Kopfhaut. Dieses Zeitungsrascheln liebe ich, seit ich meine erste Zeitung las – nein, schon seit ich meinen Zeitung lesenden Vater beobachten konnte. Zeitung lesen war seit dieser Zeit immer mit einem angenehmen Gänsehautgefühl verbunden.
Nachdem ich die Zeitung glatt gestrichen hatte, fing mich die SchlagzeileSchwesig will Erlaubnispflicht für Bordelle ein.Für jede Pommesbude gelten strengere Regelungen als für Bordelle, klagte sie. Sie plane härtere Regelungen, etwa bei Bordellneueröffnungen.
Ein Grinsen macht sich bei mir breit.Härter ist in diesem Zusammenhang gut formuliert, finde ich. »Ohne Härte kein Leben«, hörte ich meinen Onkel vor mehr als fünfzig Jahren sagen. Warum fällt mir das jetzt ein? Weiß nicht, ohnehin ist heute ein Weiß-nicht-Tag. Bordellbetreiber müssen nach den Plänen dieser gut aussehenden blonden Ministerin in Zukunft eine Erlaubnis beantragen, wenn sie eine Prostitutionsstätte eröffnen wollen. Prostitutionsstätte? Ein Wort, das mich berührt.Tolle Formulierung ohne Zweifel. Alle Achtung, junge Frau, denke ich. »Mit Verlaub«, verehrte Frau Ministerin, »mir fällt dazu spontan ein«, spreche ich in Richtung Zeitung, »Familienbildungsstätte, Frau Familienministerin, oder Produktionsstätte.« BesserGewerbestätte für das älteste Gewerbe der Welt. Ob sie auch Vorschriften erlassen wird über den Härtegrad der Matratzen, oder ob dafür Brüssel zuständig ist?Puff. Puff ist kurz und klar, das versteht jeder, aberProstitutionsstätte? Ich schüttele leicht den Kopf. Ein altes und stets aktuelles Thema ohne Zweifel.
Ich lasse die Ze