: Rainer Gross
: Der Globetrotter Roman
: Books on Demand
: 9783753413907
: 1
: CHF 9.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 540
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Globetrotter Peter Stuyvesant erzählt von seinen Reisen um die Welt - das ist natürlich ein gefundenes Fressen für den Lektor Hans Maibaum und seinen Verlag! Hans fliegt nach Rangiroa in der Südsee, um die Geschichten aufzunehmen, die Peter nur mündlich erzählen kann. Doch die Geschichten irritieren Hans zusehends und wecken seinen Argwohn. Irgendetwas stimmt mit den Geschichten nicht! Immer mehr verlässt Hans seine Rolle als neutraler Zuhörer, während Peter sich nicht in die Karten schauen lassen will. Ein Psychoduell beginnt, bei dem einer der beiden sogar in Lebensgefahr gerät.

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Bisher u.a. erschienen: Grafeneck (2007, Glauser-Debüt-Preis 2008); Weiße Nächte (2008); Kettenacker (2011); Kelterblut (2012); Die Welt meiner Schwestern (2014); Yûomo (2014); Haus der Stille (2014); Schrödingers Kätzchen (2015); Haut (2015); My sweet Lord (2016); Die sechzigste Ansicht des Berges Fuji (2017); In der fernen Stadt (2017); Räucherstäbchenjahre (2018); Der Teehändler (2019); Lebkuchenstadt (2020); Ein Nachmittag am Bondi Beach (2020); Flieg zum Regenbogen (2020); Im Herz aller Dinge (2020).

»Abgedreht am Alsterfleet


Meine erste Reise unternahm ich mit zehn. Ich durfte meinen Onkel in Hamburg besuchen, nach vielem Bitten, weil er in der Familie nicht gut angesehen war und meine Mutter Zweifel hatte, ob er, Onkel Fritjof, ein guter Umgang für einen Zehnjährigen sei. Es war ein Onkel ohne Tante, ein Junggesellenonkel, der das heimische Wanne-Eickel mit sechzehn verlassen hatte und in den Norden gezogen war, ans Meer sozusagen.

Ich war ziemlich aufgeregt, weil ich zum ersten Mal aus dem Dunstkreis des Ruhrgebiets herauskam, allein, ohne elterliche Beaufsichtigung.

Ich wurde in den Zug gesetzt, der Schaffner gebeten, auf mich aufzupassen, und ein paar Stunden später stand ich in der riesigen eisernen Halle des Hamburger Bahnhofs und staunte. Onkel Fritjof verspätete sich, sodass ich die Zeit nutzen konnte, mich umzusehen. Von der Decke hingen Werbeplakate von einer Größe, wie ich sie noch nie gesehen hatte, und Züge und SBahnen fuhren ein und aus. Ich sah Menschen schwarzer und gelber Hautfarbe, Vietnamesen, Afrikaner, Inder mit Turbanen, es gab chinesisches Essen und arabische Imbisse, und aus der ganzen Vielfalt der Menschen und Kulturen tauchte mein Onkel Fritjof auf wie ein Wüstenwanderer, hager, mit rotem Bart und langen Haaren, in Fischerhemd und Prinz-Heinrich-Mütze.

Er begrüßte mich wortkarg, ich legte meine Hand in seine und ließ mich führen. Wir fuhren eine Station mit der U-Bahn, und ich hatte noch nie so viele Gleise und Tunnelebenen unter der Erde gesehen. Dann gingen wir den Neuen Wall entlang bis zu einem prachtvollen, aber etwas heruntergekommenen Haus mit klassizistis