Kapitel 2 – Dschungelmission
Endlich wieder im Dschungel!
Onyx setzte sich die Sonnenbrille auf und atmete tief ein, als er am frühen Nachmittag aus dem Shuttle stieg. Der kastenförmige Transporter hatte ihn und ihre elfköpfige Truppe – den Wolf mitgerechnet – in diese grüne Oase gebracht, die irgendwo im ehemaligen Staat Michigan lag. Die schwülwarme Luft setzte sich aus Tausenden Gerüchen zusammen und legte sich wie Honig auf sein Gesicht; die feuchte Hitze kroch sofort durch den Stoff unter sein T-Shirt.
Herrlich! Er liebte dieses Klima – das weckte Erinnerungen an seine Einsätze vor den Toren von New World City, aber auch an die Wochen voller Einsamkeit, als er sich im Dschungel versteckt hatte, nachdem das Chaos unter der Kuppel unerträglich geworden war.
Onyx war nun über viertausend Meilen von zu Hause entfernt, trotzdem vermisste er nichts und freute sich riesig auf die bevorstehende Mission. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ihm endlich wieder eine richtige Aufgabe zugeteilt, und er war schon sehr gespannt darauf, sein neues Expeditionsteam besser kennenzulernen. Bisher hatte er sich nur auf dem Flug kurz mit ein paar von ihnen ausgetauscht. Jetzt, während sie alle das Shuttle entluden und er das Team dabei unterstützte, beobachtete er die Mitglieder genauer.
»Hey, Onyx, hilfst du mir, die Rampe aufzubauen?«, fragte ihn Verox, der die Mission leitete.
»Klar.« Er ging zu dem Warrior mit den kurzen rotblonden Haaren und dem nackten Oberkörper. Neben ihm wartete Onyx beim Shuttle, während sich die Ladeklappe ausfuhr.
Skye, die Freundin von Verox, riss ihre großen Augen auf und lächelte unentwegt. »Ist das schön hier!« Sie betrachtete eine Schar bunter Schmetterlinge und erfreute sich an den Vögeln, die kuriose Lieder trällerten.
Shadow, der junge schwarze Wolf, schnüffelte überall herum und wedelte aufgeregt mit dem Schwanz. Er schien das Haustier von Verox und Skye zu sein und durfte sie auf die Missionen begleiten. Onyx fand, eine zusätzliche Wache sowie ein Fährtenschnüffler waren nie schlecht.
Skye warf Onyx einen kurzen, neugierigen Blick zu. Bestimmt wirkte er auf sie wie ein Wilder. An den Schläfen hatte er sich jeweils drei Streifen in sein kurzes schwarzes Haar rasiert und im linken Ohrläppchen steckte ein großer Tunnel. Ein kleiner Silberring funkelte an seinem Nasenflügel und um seinen Hals hing eine dicke Kette. Ansonsten trug er ein dunkelgrünes T-Shirt und dünne lange Hosen sowie Stiefel in derselben Farbe wie die meisten anderen im Team.
Onyx tat so, als würde er ihre Musterung nicht bemerken, und checkte selbst weiterhin seine Kollegen. Es begleiteten sie noch der Krieger Nuka und drei Wachleute aus der Siedlung Oasis: der Warrior Chaz sowie die groß gewachsene Siedlerin Anka und ein dunkelhaariger Mann namens Tyr. Die vier hielten aufmerksam die Umgebung im Auge. Sonst waren noch der alte Koch Lasi und die beiden Frauen Marisa – das war die zierliche Blonde – und Dannika – die junge Schwarzhaarige – mit dabei, die ebenfalls aus Oasis – einer Siedlung mitten im ehemaligen New York – stammten. Wie Onyx auf dem Herflug erfahren hatte, kannte sich die zierliche Marisa hervorragend mit Pflanzen aus und war auf der Suche nach neuen Heilkräutern; ihre Freundin beherrschte den Bogen wie kaum eine andere. Zusammen mit Tyr würden sie während der Einsätze auf die Jagd gehen, sollten die Vorräte einmal knapp werden.
Onyx war wirklich verdammt glücklich, dass er für diese Sondermission angeheuert wurde und sein altes Leben zurücklassen durfte. Hier und jetzt konnte er völlig neu anfangen. Als Einziger im Team kam er aus New World City, einer Kuppelstadt mitten im Dschungel, die auf einer weit entfernten Insel im Pazifischen Ozean lag. Dort hatte sich in den letzten Jahren alles verändert. New World war endlich von Sabres Schreckensherrschaft befreit, und nach all dem Chaos bildete sich langsam eine stabile Übergangsregierung. Allem Anschein nach wählte das Volk demnächst eine Präsidentin, eine junge Frau namens Yana, die mit dem Warrior Tarek liiert war. Das Volk mochte sie, und Yana hatte noch mehr Sympathiepunkte gewonnen, als es erfahren hatte, dass ihr eigener Patenonkel – der ehemalige Senator Murano – sie töten lassen wollte.
Onyx seufzte. In den letzten Jahren war auch sein Leben ein einziges Chaos gewesen. Viele seiner Freunde lebten nun in einer festen Beziehung, die meisten hatten in New World City eine Partnerin gefunden – bloß für ihn war keine aufzutreiben gewesen. Seine Kumpel hatten alles unternommen, um ihn zu verkuppeln, Treffen organisiert und Partys geschmissen – aber ehrlich gesagt hatte er nicht wirklich nach einer Frau gesucht, eher nach Arbeit. Die war für Männer wie ihn nach dem Sturz des Regimes Mangelware geworden, und als danach der irre Warrior Sabre die Macht an sich riss, hatte sich Onyx eine Weile in den Dschungel zurückgezogen. Nach Sabres Vernichtung waren ordentliche Jobs, bei denen er seine vollen Fähigkeiten einsetzen konnte, für einen Warrior noch rarer geworden, deshalb kam ihm dieser Auftrag gerade recht. Er brachte wieder Struktur in sein Leben. Der Urwald war ihm bestens vertraut, denn alle Krieger aus New World hatten ihre Ausbildung im Dschungel absolviert und sogar Erfahrung mit wilden Eingeborenen – falls es die hier geben sollte. Das Aufklärungsradar hatte zumindest Lebenszeichen angezeigt.
Seine neue Aufgabe bestand nun darin, mit diesem Team entlegenere Gebiete zu erschließen, bisher isoliert lebende Menschengruppen zu finden, ihnen Hilfe anzubieten, sofern sie welche nötig hatten, oder mit ihnen Handel zu treiben. Außerdem sollte ihr Team dringend benötigte Ressourcen aufspüren. Die Vorräte in den befreiten Kuppelstädten waren knapp, weil bei den Unruhen viele Fabriken und Plantagen zerstört worden waren, die erst wieder aufgebaut werden mussten. Außerdem war Sklavenarbeit auf den Plantagen nun verboten, Verbre