Wege entstehen dadurch,
dass man sie geht
Ein Abenteuer habe ich nicht erwartet, als ich am 08.Oktober 1996 von meinem Suchtberater zur Fachklinik in Salzgitter-Ringelheim gefahren wurde. Dennoch war ich sehr aufgeregt, wusste ich doch nicht, was mich dort erwartet. Niemand konnte mir im Vorfeld schlüssig und klar erklären, was dort stattfindet. Weder die Bekannten, die schon mal eine Therapie gemacht haben, noch der Suchtberater selbst. Irgendwie bekam ich von niemandem die Antworten, die ich haben wollte. Vielleicht fragte ich aber auch nur die falschen Fragen.
Meine Erwartungen gingen dahin, dass dort, irgendwo in einer Schublade, die 10 Gebote für ein Leben ohne Alkohol lagen und ich diese nur auswendig lernen und befolgen musste. Mein Leben irgendwie so weiterführen, nur ohne Alkohol. Irgendwie so müsse es doch gehen, dachte ich.
Klarheit war das was mir fehlte und die ich fast bis Ende der Therapie auch nicht bekam. Erst im letzten Drittel der 19-wöchigen »Entwöhnungsbehandlung« wurde klarer, was »Ich« wollte. Dort, in geschütztem Rahmen, erarbeitete ich mir bestimmte Grundsätze für mein Leben nach dem Alkohol. Dieser Veränderungsprozess war spannend und ich entdeckte mich neu. Ein Ich, welches vergraben, verschüttet und unentdeckt war bis dahin. Eine Seite, oder mehrere Seiten meiner Persönlichkeit, welche ich bis dahin so nicht gelebt habe, weil nicht wahrgenommen in mir schlummerte.
Meine Grundhaltung am Ende der Therapie war klar: Mein Leben wird nur ohne Alkohol nach meinen Vorstellungen gelingen. Ich bin nicht mehr bereit die Konsequenzen des Trinkens zu tragen. Ich verliere nichts, indem ich nicht mehr trinke. Denn: Ich kann nicht verlieren, was ich nicht mehr besitze. Nämlich die Fähigkeit vernünftig mit Alkohol umgehen zu können. Diese habe ich nie besessen oder ich habe mir diese Fähigkeit versoffen. Ich möchte auf meine Gefühle und Bedürfnisse achten und auch danach leben. Als Sicherheit für die Zeit nach der Therapie, habe ich noch eine »Nachsorge« durch die Suchtberatung vor Ort beantragt, um das erste halbe Jahr im neuen Leben nicht ohne professionelle Begleitung zu starten. Mir war bewusst, dass ich am Anfang von etwas stehe und nicht mit Beendigung meiner Therapie schon fertig war und etwas erreicht hatte. Bis dahin war alles nur in meinem Kopf, auch ein wenig