: Barbara Büchner
: Der verschleierte Orden
: Ashera Verlag
: 9783948592240
: Edition Barbara Büchner
: 1
: CHF 4.50
:
: Fantasy
: German
: 130
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Kult um einen blutgierigen 'Engel' verbreitet seit Jahrzehnten Angst und Schrecken. Nach außen hin ein unscheinbares Fräulein, hat Miriam Hannay einen unheimlichen Job: Sie spürt für die 'Agentur' Dämonenanbeter und Nekromanten auf. Und gerät, als sie ihren Onkel im Bruchtal besucht, an ein Nest finsterer Gestalten, die einen blutgierigen Ghoul verehren. Alle drei Jahre fordert der 'Rote Engel' ein Menschenopfer, und niemand kann ihn bannen als allein der Henker vom Bruchtal. Doch einen solchen gibt es schon längst nicht mehr. Und Miriam erfährt, dass in diesem Jahr sie selbst das auserwählte Opfer sein soll! Ein weiteres düster-phantastisches Juwel der Bestsellerautorin Barbara Büchner.

Barbara Büchner wurde 1950 in Wien geboren und wollte nie etwas Anderes werden als Schriftstellerin. Ihre Romane beziehen sich meist auf authentische Fälle, sei es Spuk oder Verbrechen. 1985 erschien, unbeachtet von der Öffentlichkeit, ihr erstes Buch, ein Schauerroman. Literarisch beeinflusst wurde sie von E.A. Poe, H.P. Lovecraft, Conan Doyle und vor allem Dino Buzzatti. Inzwischen hat sie sich auf diesem, ihrem eigentlichen Gebiet im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht.

 

Ein solch aufmerksamer Beobachter war der Polizeioberkommissar Jasper Willebrands. Er hatte ein gutes Gedächtnis und sich den Namen Anatol Mehring von früheren Amtshandlungen her gemerkt. Er wusste: Das war kein boshafter, verwahrloster Sonderling. Das war kein heruntergekommener Perverser, der betrunkenen Schlampen das Blut ableckte. Anatol Mehring war hochintelligent, hatte studiert – wenn auch nicht bis zum Abschluss – und stammte aus einer Familie, die an Reichtum, Ansehen und Einfluss kaum zu überbieten war. Einer seiner Onkel war ein Bischof, ein anderer Universitätsprofessor, in der Familie gab es viele hohe Geistliche, Künstler und Gelehrte. Stützen der Gesellschaft, wie man so sagte. Fragte sich nur, welcher Gesellschaft.

Es gab so viele merkwürdige Gerüchte über die Mehrings. Gerüchte, die aufflackerten und wie Irrlichter auch schon wieder verschwunden waren, wenn man sie zu ergreifen versuchte. Auf jeden, der sich an sie hängte wie eine Wespe an den Honigtopf, kamen zwei, die nicht an sie anstreifen wollten. Aber fragte man diese Leute, warum, so wollten oder konnten sie keine Antwort geben.

Willebrands blickte hoch, als sachte an die Tür gepocht wurde und der Bürodiener den Kopf hereinsteckte. „Detektivinspektor Volkert ist da und möchte Bericht erstatten, Herr Oberkommissar.“

„Schicken Sie ihn herein.“

Ludwig Volkert trat ein, wobei er eine Wasserspur hinter sich ließ, als habe man ihn soeben aus der Regentonne gezogen. „Es regnet“, äußerte er zur Erklärung. „Vormittags war es noch klar und sonnig, und jetzt schüttet es wie aus Eimern.“

„Dann ziehen Sie Ihren nassen Mantel draußen im Vorzimmer aus und nicht hier! Verschwinden Sie – nein, jetzt bleiben Sie schon da! Hängen Sie das Ding neben dem Ofen auf.“

Volkert nahm seinen nass glänzenden, steifen Hut ab, schälte sich bedächtig aus seinem mit Regenwasser vollgesogenen, braunen Mantel und hängte ihn an den Garderobenhaken, wo er sofort anfing, zu triefen und eine Pfütze auf dem Parkettboden zu bilden.

Der Detektivinspektor war ein Mann von der Art, die man zehnmal sehen konnte, ohne sich ein einziges Mal an sie zu erinnern. Ein mittelgroßer und recht kräftiger Mittvierziger, mit einem langen Pferdegesicht, und sandfarbenem Haar, das so glatt gekämmt und penibel gescheitelt war, dass es häufig für ein Toupet gehalten wurde. Nichts an ihm war bemerkenswert. Wo er auch ging und stand, schien er mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Für seinen Beruf war das natürlich sehr vorteilhaft, denn ein so unscheinbarer Mann galt zwangsläufig auch als ungefährlich, und die Leute nahmen sich nicht in Acht, was sie in seiner Hörweite redeten. Zu ihrem eigenen Schaden, denn Ludwig Volkert hatte eine geradezu unheimliche Fähigkeit, sich Gespräche und Gesichter zu merken. Unter den schweren, häufig halb geschlossenen Lidern verbargen sich