Tanya Carpenter
Zoé, meine Liebste!
Wenn Du ahnen würdest, wie sehr mein Herz noch immer für Dich schlägt, obwohl Deines nun für immer schweigt. Es gibt so vieles, was ich Dir noch sagen wollte, noch immer sagen will. Dinge, die Du hättest wissen sollen, und nie mehr erfahren wirst. Zum Bei-spiel wie sehr ich Deine Nachrichten geliebt habe. Die Tausende von Post-it-Zetteln, mit denen Du mein Le-ben zugepflastert hast. Ich glaube, ich hab Dir das nicht oft genug gesagt. Manchmal war ich sogar richtig genervt. Aber jetzt vermisse ich sie. Ich vermisse Dich.
Ich hab Angst, Zoé. Angst vor dem, was ich Dir nie gesagt habe und was mich jetzt eingeholt hat. Angst vor allem, was ich gemacht habe – für ihn. Wissend, dass es nicht richtig ist. Aber ich wollte doch ein Leben für uns. Und er hat mich schließlich aus dem Dreck ge-zogen, war immer gut zu mir. Das macht es nicht bes-ser, nicht richtiger. Das weiß ich mittlerweile. Darum bin ich auch ausgestiegen, Zoé. Endlich hab ich den Mut dazu gefunden – viel zu spät.
Ich weiß, wenn ich mit Dir offen darüber geredet hätte, dann wäre das schon früher passiert. Rechtzeitig viel-leicht. Weil Du mir den Weg gezeigt hättest.
Du wusstest immer, was richtig und was falsch ist, mit Deinem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn und Deinem Glauben an das Gute. Daran denke ich nun, und so hast du es am Ende doch geschafft, mir den Schubs in die richtige Richtung zu geben. Durch Deinen Tod. Ich tu das für Dich, Zoé, weil ich weiß, dass Du es so gewollt hättest. Du hast schon lange gespürt, dass ich nachts Dinge mache, die nicht richtig sind. Trotz-dem bist Du bei mir geblieben, hast mich nie bedrängt und mir nie Vorwürfe gemacht. Nur hin und wieder waren da diese kleinen Worte zwischen den Zeilen in Deinen Nachrichten. Ich hab sie nicht sehen wollen. Ich hätte sie sehen müssen. Es ist eine makabre Ironie, dass ich mich erst durch Deinen Tod von ihm gelöst habe, wo Du doch nur deshalb sterben musstest, weil er dachte, dass ich ihn längst verraten hab. Dabei hab ich vor dieser Nacht nicht ein einziges Mal darüber nachge-dacht. Wie das Leben so spielt, nicht wahr? Oder in dem Fall eben der Tod. Dich zu verlieren, ist meine ge-rechte Strafe. Nur ist es nicht fair, dass Du die Rech-nung begleichen musstest. Ich hätte an Deiner Stelle sterben sollen. So war es geplant. So wäre es richtig gewesen. Warum nur musstest Du ausgerechnet in die-ser Nacht mit dem Boot rausfahren? Sonst hast Du es nie angerührt. Jetzt bist Du nicht mehr da. Nichts ist mir geblieben von Dir. Nur die Erinnerungen und blas-se Bilder, die Deine Schönheit und Deinen Liebreiz niemals werden widerspiegeln können. Ich vermisse Dich, mein Engel. Mit jedem Tag, ja mit jeder Stunde. Mein Leben ist bedeutungslos ohne