: H. Dieter Neumann
: Haie unter dem Eis - Kira Lunds erste Reportage Ein Nord-Ostsee Krimi | Küstenkrimi zwischen Nordsee und Ostsee mit starker Ermittlerin
: Piper Verlag
: 9783492988308
: Kira Lund
: 1
: CHF 5.40
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 350
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Klirrend kalt ? erster Band der Küstenkrimis mit der jungen TV-Journalistin Kira Lund »Dies war das Land der Stürme, in dem es wenig Liebliches gab. Überall hatte der scharfe Wind seine Spuren hinterlassen, war über die Äcker gefegt, hatte die weiße Pracht bis auf die braune Krume hinunter eingesammelt und an anderen Stellen zu Schneewehen aufgeworfen, die sich wie Dünen bis zu einem Meter hoch auf den Wegen und vor den Knicks türmten.« Eiswinter im deutsch-dänischen Grenzland. Eine Beamtin der Flensburger Stadtverwaltung kehrt vom Tauchgang unter die zugefrorene Ostsee nicht zurück. Erst als Tauwetter einsetzt, wird ihre Leiche auf dem Meeresgrund gefunden. Die forensischen Untersuchungen zeigen, dass die erfahrene Sporttaucherin unter Wasser ermordet wurde. Die junge Reporterin Kira Lund soll über den rätselhaften Fall berichten. Schnell stößt sie dabei auf undurchsichtige Machenschaften rund um einen millionenschweren Immobiliendeal, gerät deshalb plötzlich selbst ins Visier skrupelloser Gegner und wird zum Ziel eines heimtückischen Mordanschlags. »Ein spannender Thriller mit nordischen Flair, der nicht nur den Fall, sondern auch Land und Leute näher bringt.« ((Leserstimme auf Netgalley))

H. Dieter Neumann, Jahrgang 1949, war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr. Nach seinem Ausscheiden als Oberstleutnant d. R. wurde der Diplom-Finanzökonom (BI) Vertriebsleiter und Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens und schließlich Vorstand einer Dienstleistungsgenossenschaft Danach erfüllte er sich seinen Lebenstraum, indem er einige Semester Neuere Deutsche Literatur studierte und sich ganz aufs Schreiben verlegte. Neumann hat sich der Spannungsliteratur verschrieben. Neben seinen Thrillern und Kriminalromanen hat er jedoch auch vier Sachbücher über Redewendungen veröffentlicht. Im Jahr 2018 wurde er mit dem Jurypreis des NordMordAward ausgezeichnet. Als passionierter Segler ist Neumann oft und gern auf dem Wasser. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsende Töchter und lebt in der Nähe von Flensburg auf dem Land.

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Kira trat aus dem Wald heraus, atmete tief die kalte Winterluft ein und ließ ihre Augen über das ungewohnte Panorama gleiten.

Welch ein Bild! In winterlichem Weiß breitete sich vor ihr das flache Marschland Nordfrieslands aus. Äcker, Wiesen und Feldwege waren über Nacht verschneit – auch die Wallhecken, die man hierzulande Knicks nannte, und die zum Schutz gegen den ständigen Wind dicht mit Büschen und Bäumen bewachsen waren.

Ein bemerkenswertes Ereignis im Grenzland zwischen Deutschland und Dänemark, wo milde Winter die Regel waren. Solch klirrenden Frost wie in den letzten Tagen hatte man im Land zwischen den Meeren nur selten erlebt.

Die Warmfront, die den nächtlichen Schnee gebracht hatte, war inzwischen abgezogen. Kira blickte hoch zu den dickbauchigen grauen Wolken, die jetzt in schneller Folge am blassblauen Himmel aus Westen von der nahen Nordsee heranflogen. Ihre Schatten huschten wie ruhelose Gespenster über das weite weiße Land.

Eine gleichmäßige weiche Decke, kuschelig und anheimelnd, wie man es aus den einschlägigen Winterparadiesen kannte, bildete der Schnee dennoch nirgends.

Natürlich nicht.

Dies war das Land der Stürme, in dem es wenig Liebliches gab. Überall hatte der scharfe Wind seine Spuren hinterlassen, war über die Äcker gefegt, hatte die weiße Pracht bis auf die braune Krume hinunter eingesammelt und an anderen Stellen zu Schneewehen aufgeworfen, die sich wie Dünen bis zu einem Meter hoch auf den Wegen und vor den Knicks türmten.

In einer davon, ein paar Meter entfernt, steckte Ditch, wie Kira erst jetzt bemerkte.

Kein Wunder, denn zu sehen war so gut wie nichts von ihm. Nur seine buschige schwarzbraune Rute wedelte begeistert aus dem weißen Haufen hervor. Offenbar hatte der Hund etwas Spannendes gewittert, das unter dem Schnee verborgen lag. Eine Fuchsspur vielleicht oder den Eingang zu einem Kaninchenbau.

Kira schob den Ärmel der dick gefütterten Winterjacke hoch und sah auf ihre Armbanduhr.

Es wurde Zeit, die morgendliche Runde zu beenden und nach Flensburg ins Studio zu fahren.

»Ditch, hier!«, rief sie, was beim Befehlsempfänger jedoch keinerlei Wirkung zeigte. Nur der letzte Zipfel der Rute war noch zu sehen, so tief hatte sich das große Tier inzwischen in den Schneehaufen hineingearbeitet.

Kira wiederholte das Kommando, diesmal deutlich schärfer. Unwillig schnaufend, schob sich der Hund rückwärts aus der Wehe, schüttelte sein langhaariges Fell aus, was ihn in dichtes Schneegestöber hüllte, und sah Kira vorwurfsvoll an.

»Sorry, aber wir müssen los – arbeiten«, erklärte sie ihm und zeigte in die Richtung, in der das Haus lag. »Lauf schon mal zum Auto!«

Ditch setzte seinen mächtigen Körper sofort in Bewegung und rannte los. Schmunzelnd sah Kira, dass er immer wieder seitwärts in eine Schneewehe sprang, um sie übermütig mit seinem Bärenkopf zu durchpflügen.

Sie folgte dem Hund im Laufschritt, und wenige Minuten später kam am Ende des Feldwegs das Haus in Sicht. Unter dem Carport saß Ditch bereits hinter der Heckklappe des alten Volvo Kombi und blickte Kira erwartungsvoll entgegen, während sie mühsam durch eine Schneewehe stapfte, die sich direkt vor der Auffahrt angesammelt hatte.

Unwillkürlich flogen Kiras Gedanken zu Lukas. Wäre er jetzt hier, hätte er, der notorische Frühaufsteher, die Einfahrt längst geräumt. Doch es würde noch einige Zeit dauern, bis er von seinem dreimonatigen Forschungsauftrag aus der Antarktis zurückkehrte.

Ach, Lukas …

Sie war kein sentimentaler Mensch, aber jetzt, in diesem Augenblick, war ihr auf einmal das Herz schwer. Er war gerade einen Monat fort, aber er fehlte ihr schon seit der ersten Woche.

Nicht nur zum Schneeschippen.

Seit vier Wochen war sie nun allein mit Ditch, während Lukas im meteorologischen Observatorium der StationNeumayer III saß und draußen auf dem Ekström-Schelfeis arbeitete, um klimarelevante Veränderungen im Strahlungshaushalt der Erde zu messen. Das Projekt machte offenbar gute Fortschritte, von denen er ihr immer wieder erzählte. Kira wusste sehr wohl, welche Bedeutung es für neue Erkenntnisse über den Klimawandel hatte, dennoch war ihr klar, dass sie allenfalls oberflächliches Wissen darüber besaß, was genau Lukas da tat. So begeistert er stets von seiner Arbeit berichtete, so klug war er doch, sie nicht mit allzu vielen wissenschaftlichen Details zu überfordern.

Zwar schrieben sie sich oft Nachrichten über WhatsApp – Kira fand es immer noch faszinierend, dass das sogar zwischen der Antarktis und Norddeutschland problemlos funktionierte – und telefonierten fast täglich miteinander, aber das konnte nur wenig d