: Ann-Christin Leßmann
: Unterrichtsinteraktion in der Grundschule Sequenzielle Analysen zur Ko-Konstruktion von Angemessenheit zwischen Lehrenden und Lernenden
: Stauffenburg Verlag GmbH
: 9783958091603
: 1
: CHF 44.20
:
: Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft
: German
: 348
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Wie geht die Lehrperson mit den Äußerungen von Lernanfängern im Unterrichtsgespräch um? Wie vermittelt sie, was eine angemessene oder eine unangemessene Äußerung ist? Wie unterschiedlich profitieren Schülerinnen und Schüler von den sprachlichen Impulsen und den Rückmeldungen der Lehrperson? Unterrichtsgespräche sind immer auch sprachlicher Lernkontext. Sprachliche Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler spielen in diesem Kontext eine entsprechend große Rolle für die Herausbildung von sprachlicher Kompetenz von Lernenden. Das gilt auch und gerade für den Unterricht der Grundschule, in dem Kinder ihre ersten Erfahrungen mit der Sprachverwendung im Unterricht machen. Aus gesprächsanalytischer Perspektive ist dabei das ko-konstruierende Zusammenspiel zwischen sprachlichen Anforderungen der Lehrperson und Äußerungen der Schülerinnen und Schüler zentral. Die vorliegende Studie rekonstruiert in diesem Zusammenhang anhand eines Datenkorpus' von zwei Grundschulklassen in einem ersten Schritt deskriptiv die sprachlichen Verfahren der Lehrperson, mit denen sie Äußerungen der Lernenden akzeptiert, zurückweist oder weiterbearbeitet. Kraft ihrer Rolle etabliert sie auf diese Weise die (Nicht-)Angemessenheit des jeweiligen Beitrags relativ zu ihren Anforderungen und setzt damit Normen. In einem zweiten Schritt wird der ko-konstruierende Anteil einzelner Schülerinnen und Schüler in den Blick genommen und untersucht, ob und warum sich im Längsschnitt verfestigte Muster in der Kommunikation zwischen Lehrperson und bestimmten Schülerinnen und Schülern zeigen. So kann die Frage diskutiert werden, welchen Einfluss derartige Muster auf die Schaffung von individuellen Lerngelegenheiten haben. Die genauen Beobachtungen sollen für den ko-konstruierenden Charakter von Unterrichtsgesprächen sensibilisieren und Hinweise für sprachdidaktische Empfehlungen zur Gestaltung von Unterrichtsgesprächen liefern. So zeigt die Studie bspw. die Folgen von zu implizit gehaltenen sprachlichen und inhaltlichen Anforderungen im Unterrichtsdiskurs und plädiert für mehr Explizitheit in den Impulsen, aber auch in den Rückmeldungen auf Beiträge.
Vorwort5
Inhaltsverzeichnis7
1. Einleitung9
2. Unterrichtskommunikation als Form institutioneller Kommunikation17
2.1. Institutionalität als konstitutives Merkmal von Unterricht18
2.2. Institutionalität und Kontextualität als theoretischer Streitfall28
2.3. Unterrichtskommunikation aus interaktionaler Sicht35
2.4. Zwischenfazit: Institutionalität und Interaktivität von Unterricht50
3. Perspektive auf die Lehrperson: Lehrer/innenhandeln51
3.1. Aktivitäten von Lehrpersonen im Unterricht51
3.2. Anforderungen im Unterrichtsdiskurs stellen und ihre Erfüllung überprüfen58
3.3. Zwischenfazit: Zentrale Elemente lehrerzentrierten Unterrichts69
4. Perspektive auf die Lernenden: Schüler/innenhandeln75
4.1. Erwerb institutionell angemessenen Verhaltens76
4.2. Erfüllung sprachlicher Anforderungen im Unterrichtsdiskurs80
4.3. Zwischenfazit: Die Rolle von Schüler/innenaktivitäten92
5. Fazit zum Forschungsstandbericht: Forschungsdesiderate95
6. Anlage der Untersuchung99
6.1. Forschungsfragen99
6.2. Datengrundlage102
6.2.1. Vorstellung des Korpus103
6.2.2. Aufbereitung und Transkription105
7. Methodischer Ansatz111
7.1. Begründung des methodischen Ansatzes111
7.2. Ethnomethodologische Konversationsanalyse113
7.3. Vorgehen bei der Datenanalyse118
8. Verfahren von Lehrpersonen im Umgang mit Schüler/innenäußerungen121
8.1. Einfache Verfahren123
8.1.1. Akzeptierende Verfahren123
8.1.1.1. Inhaltliches Würdigen124
8.1.1.2. Minimalratifizierung131
8.1.2. Zurückweisende Verfahren137
8.1.2.1. Inhaltliches Ablehnen137
8.1.2.2. Ignorieren einer ganzen Äußerung (Tilgen)150
8.1.2.3. Lokale Würdigung und anschließende Refokussierung des Zugzwangs158
8.1.2.4. Disziplinierungen161
8.2. Schüler/innenbeiträge bearbeitende Verfahren166
8.2.1. Verfahren, die stärker auf die Reparaturbedürftigkeit von Schüler/innenäußerungen orientiert sind168
8.2.1.1. Lehrerinitiierte Selbstreparatur: Angeleitete Bearbeitung eines Beitrags durch die Schülerin bzw. den Schüler selbst172
8.2.1.2. Lehrerinitiierte Fremdreparatur mittels anderer Schülerinnen und Schüler177
8.2.1.3. Lehrerinitiierte Fremdreparatur ohne Einbezug von Schülerinnen und Schülern184
8.2.2. Verfahren, die stärker auf die Würdigung von Schüler/innen- äußerungen orientiert sind190
8.2.2.1. Rephrasieren (Fokussieren eines angemessenen Elements eines Schüler/innenbeitrags)190
8.2.2.2. Umformulieren (Inhaltliche Würdigung und Herstellung sprachlich- formaler Angemessenheit)198
8.2.2.3. Aufnehmen im Zusammenfassen als zeitversetzte Würdigung204
8.2.2.4. Schüler/innenbezogener Impuls zur Elaborierung209
8.3. Zwischenfazit: Angemessenheit im Unterrichtsgespräch214
8.3.1. Angemessenheit herstellende Funktion der Verfahren215
8.3.2. (Fehlende) Lerngelegenheiten für Schülerinnen und Schüler219
8.3.3. Explizite vs. implizite Verfahren: Ein Plädoyer für mehr Explizitheit im Unterrichtsdiskurs225
8.4. Vergleich der Rückmeldeverfahren der Lehrerinnen228
9. Muster zwischen der Lehrperson und den Lernenden241
9.1. Auswahl der Fokuskinder: Drei charakteristische Gruppen243
9.2. Musterentwicklung im Längsschnitt247
9.2.1. Schülerinnen und Schüler, die sowohl akzeptierende als auch zurückweisende Rückmeldungen bekommen248
9.2.1.1. Tobias248
9.2.1.2. Christian253
9.2.1.3. Zusammenfassung267
9.2.2. Schülerinnen und Schüler, die überwiegend Akzeptanz erfahren267
9.2.2.1. Lea268
9.2.2.2. Zusammenfassung277
9.2.3. Schülerinnen und Schüler, die überwiegend Zurückweisung erfahren278
9.2.3.1. Daniel278
9.2.3.2. Tim290
9.2.3.3. Zusammenfassung298
9.3. Zwischenfazit: Schüler/innenverhalten und Lehrerinnenreaktion298
9.3.1. Zusammenfassung und Vergleich: Muster in der Lehrerinnen- Schüler/innen-Interaktion300
9.3.2. Effekte für das Lernumfeld: Umfang der Beeinflussung der Muster auf die Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler306
10. Fazit und sprachdidaktischer Ausblick311
10.1. Nutzen der Verfahrensanalyse für (angehende) Lehrkräfte313
10.2. Unterricht als soziales Konstrukt: Didaktische Konsequenzen321
Literaturverzeichnis327