1) Geburt einer Pilgerreise
» Eine Sturzgeburt «
Ich lernte Vidal im Sommer 2004 kennen, damals war er 42 Jahre alt. Er lebte mit einem seiner Söhne in einer kleinen Wohnung in Troisdorf. Mit einem Kollegen der Stadt Troisdorf suchte ich ihn zum ersten Mal auf. So traf ich hier einen Spanier im Rollstuhl an, mit maurischen Zügen und langen schwarzen Krussel-Haaren, die zu einem Zopf zusammengebunden waren, einem sympatisch verwaschenen spanischen Akzent und ca. 2500,-- € Mietrückständen – kurz vor der Räumungsklage...
Vidal war im Jahr 1999 in seiner Heimatstadt Zamora als Zuschauer eines Stierkampfes verletzt worden. Er hatte in der 3. Reihe der Arena gesessen und der Stier ist wutschnaubend über die Brüstung gesprungen. 3 Zuschauer wurden schwer verletzt. Seitdem war Vidal querschnittgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt.
In Deutschland hatte er als Mitglied der spanischen Armee das Konsulat in Düsseldorf bewacht und hier eine Deutsche geheiratet, von der er mittlerweile geschieden ist.
Er hat 2 Söhne – für die Damenwelt sei es gesagt: sehr hübsche Spanier – und eine Tochter.
Nun, in der Folgezeit sorgten wir dafür, dass Vidal mit seinem Ältesten in seiner Wohnung bleiben durfte, dass er seinen Rentenantrag durchzog, seine Sozialhilfeschulden zurückzahlte und ihm aus Spanien eine Abfindung zugesprochen wurde. Durch diese wäre er schlagartig 180.000,-- € reicher, wenn sich die Gemeinde Zamora und der Bauherr der Arena nicht als chronisch zahlungsunfähig herausgestellt hätten. Da läuft nicht viel für ihn.
Ja, und dann bin ich sein Finanzminister: Er setzt so viel Vertrauen in mich, dass er sein Geld über unsere Einrichtung verwalten lässt. Er geht wohl davon aus, dass er nicht gut mit Geld umgehen kann.
Dann ist es ihm lieber, wenn er dies einem anderen überlässt. Ich kann das nachvollziehen, aber weiß auch, dass es eigentlich daran liegt, dass er ein guter Vater sein will. Meist verzichtet er darauf, seinen Sohn – denn der eine lebt ganz bei ihm - zu verpflichten, sich an der Mietzahlung zu beteiligen. So lebt er mit seinem Pflegegeld und seiner Rente unter dem sogenannten Satz des Lebensnotwendigen. Aber da ist er unverbesserlich.
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