Der Wald der Verwandlung
Jedesmal, wenn Gunung Api ein Weilchen geschlafen hatte, war ihm der Wald bis weit über die Brust hinauf gewandert, und wenn er erwachte, stand er mit tausendjährigen Bäumen da, die alle Sorten Tiere beherbergten; Gunung Api gähnte und sprühte Lavaströme, sendete Wogen seines Feueratems ins Tal hinab, und dann starb alles, die Vögel gerieten fliegend in Brand und wurden in der Luft zu Feuerpunkten, die verlöschten und wie Kohlenstäubchen zur Erde sanken; Seen und Flüsse fingen an zu kochen, verdampften zischend, stiegen wie Wolken gen Himmel, und auf dem schwarzen, rauchenden Grund lagen verkohlte Fische. In meilenweitem Umkreis war der ganze Wald mit einem Schlage Glut und Flammen und im nächsten Augenblick nur noch ein Haufe glühender Asche. Dem Feuer folgte ein Steinregen, der Tag ging in Urdunkelheit unter, und wenn Gunung Apis Ausbruch vorüber war und er seinen rußigen Kegel von neuem im Sternenschein kühlte, lagen wie ehedem statt des Waldes öde Schwefel- und Tuffsteinfelder um seinen Fuß.
Gunung Api träumte. Er schluckte die Lava durch den Krater zu den alten gefesselten Feuerseen in der Tiefe hinunter, die sich brodelnd bewegten, wie heiße Erinnerungen an den frei lodernden Ozean, der einst die ganze Welt umspannte. Ach, dem Feuer war esschlecht ergangen! Ursprünglich hatte es sich nur gegen vereinzelte herumschwimmende Schlacken zu wehren brauchen, geronnene Inseln im Feuermeer, nach und nach aber waren die Inseln zu Festland geworden, die Länder hatten sich in der ganzen Welt zusammengeschlossen und das Feuer schließlich eingesperrt. Und als die Erdkruste genügend abgekühlt war, stürzten ungeheure Regengüsse herab und bildeten Meere auf der Erde; wieder wogte es wie damals, als das Feuermeer gewogt hatte, aber welch ein Unterschied! Mit Wollust jagte das Feuer aus Gunung Api alles Wasser, das es erreichen konnte, in Form von Dampf zum Himmel hinauf, aber es konnte nur wenig erreichen. Als das Meer aus der Luft herabgekommen war, entstand der blaue Himmel. Das war der Morgen des Erdenlebens. Und als die Meere abgekühlt waren, entstand Leben in ihnen, das Tier kam hervorgekrochen, und auf der Erde gährte es und gab Fruchtbarkeit. Kräuter buhlten mit Sonne und Regen, dem Feind des Feuers; daraus entstand der Wald. Es war langsam gegangen, unzählige Alter hatte es gedauert, und während der ganzen Zeit war das Feuer eingesperrt gewesen, hatte nur hin und wieder durch Gunung Apis Mund Luft bekommen und dann vernichtet, was es erreichen konnte. Aber es erreichte nicht mehr viel. Das kalte, nasse Leben auf der Erde vermehrte sich, nahm immer mehr Formen an, der Wald breitete sich, die Erde machte sich hübsch grün.
Wenn das Feuer aber einst wieder frei wurde! Wenn die Erde platzte – ja, platzte, wieder flüssig wurde, schmolz, Feuer atmete, wogte, wieder ein Feuerozean wurde, wie am Anfang der Zeiten, Wasser ins Universum hinaufjagte, weißglühend in seiner eigenen Verbrennung aufging, für alle Ewigkeit wieder in sich selbst ruhte wie ein blendendes Feuerall! Ho! Oh!
Eine leichte Feuerwolke stieg aus Gunung Api auf und lagerte sich um den Kopf des Berges wie ein Ring, die seelenvolle Glorie auf der Stirn eines Träumenden; Gunung Api träumte.
Mittlerweile hatte der Wald am Fuße des Berges von vorn angefangen. Erst schickte er Flechten und Moos auf die Steine hinauf, später andere unansehnliche Vorposten, Kräuter und Büsche, bis ein Gehölz sich hinauf gearbeitet hatte und die Bäume sich von neuem himmelwärts reck