: Johannes Vilhelm Jensen
: Verwandlung der Tiere
: Books on Demand
: 9783753424095
: 1
: CHF 0.90
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: Hauptwerk vor 1945
: German
: 260
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"Verwan lung der Tiere" ist ein 1927 erschienenes Werk des dänischen Schriftstellers Johannes Vilhelm Jensen. Der Originaltitel lautet"Dyrenes Forvandling". Johannes Vilhelm Jensen (geboren 20. Januar 1873 in Farsø, Jütland; gestorben 25. November 1950 in Kopenhagen) war ein dänischer Schriftsteller und Träger des Literaturnobelpreises 1944. Er wuchs als Kind eines Tierarztes mit neun Geschwistern im himmerländischen Dorf Farsø auf. Eine seiner Schwestern war Thit Jensen, Schriftstellerin und Vorkämpferin für die Emanzipation der Frau. Jensen studierte Medizin, übte aber den Beruf nie aus. Schon während seiner Studiums schrieb er Abenteuer- und Dekadenzromane. Nach langen Reisen und Aufenthalten in den USA, Großbritannien und Frankreich als Journalist fand Jensen seinen literarischen Stil. Sein lebensbejahender Optimismus wurde bald für die moderne dänische Literatur maßgeblich, Einflüsse von Walt Whitman und Rudyard Kipling sind für Jensens Gedichte bezeichnend. Der Einfluss von Charles Darwin fließt in Jensens Romanzyklus"Die lange Reise" ein, welcher die Entwicklung des nordischen Menschen bis zum 15. Jahrhundert schildert. Dabei bewegte er sich am Rande des Rassismus.

Auf dem Hügel


Hält man sich in den Ferien auf dem Lande auf und läßt sich, Sommer auf Sommer, Zeit, seine Seele der Natur zu öffnen, nicht gerade darum bemüht oder als schweres Studium, sondern so, wie die Natur – Wetter und Wind, Pflanzen und Tiere – einem von selbst entgegenkommt, und bringt man ein bißchen zoologisches Wissen mit, ist man gereist und kann man aus dem, was man unmittelbar sieht, auf andere Stätten auf Erden, und aus dem, was man darüber gelesen und was man sonst weiß, auf andere Erdperioden schließen, hat man alle zu Gebote stehenden Mittel benutzt, kurz, einen allgemeinen geistigen Horizont aus unserer Zeit geschöpft, so entrollt sich zwanglos ein Gesamtbild vom Zusammenhang der Natur, von den Tieren und ihrem Platz im Verhältnis zueinander, ihrem Ursprung, wie sie Tiere wurden und wie der Mensch aus ihnen entstand; wie dieSeele, die Fähigkeit, unsere Stellung in der Natur zu betrachten, sich langsam erweitert hat, gleich einer Aussicht beim Besteigen eines Berges; wie Tiere und Menschen das Dasein miteinander geteilt haben, welche Umstände es zu bewahren scheinen und welche nicht, ein Problem, das in die Moral hineinführt.

Die Beobachtungen an sich sind anfangs eigentlich auch nur eine Form für Leben, für die Umgebung eines Menschen, für Raum und Zeit, womit man sich in seinen Mußestunden sättigt, ein Teil eines Wachstums, das sich geltend macht; aber aus der Freude und Erholung muß denn auch, da man Künstler ist, zum Schlusse ein Buch werden.

Die Stätte, wo man sich aufhält, ist Dänemark, kann ein Hügel mit der Front gegen ein Moor sein, das in der Vorzeit Nebenfjord eines Fjordes war, eine Landschaft, typisch für so viele Stellen in Dänemark, die durch Entwässerung geformt worden sind, in diesem Falle die Tibirke-Hügel, wo ich mich eine Reihe von Jahren im Sommer aufgehalten habe.

Durch das Moor mit den vielen Torfgruben läuft ein jetzt fast zugewachsener Bach, der sich im Arresee verliert; jenseits des Moores Ackerland, früher eine Landzunge, als das Moor Fjord auf der einen und der Arresee eine Meeresbucht auf der anderen Seite war; die Hügel und das Land dahinter sind einmal, vor der Erhebung in der Steinzeit, eine Insel gewesen. Hinter den Hügeln liegt der Wald, der Tisvilde-Hag, und hinter dem Wald die Küste, das blaue Kattegatt vor Seeland, mit der Aussichtauf das ferne Felsprofil Kullens gen Norden. Auf dem Hügel wachsen Heidekraut und Wacholder, ein kleiner Rest Heide, Urvegetation, bis ganz in die Tundrazeit zurück; der Hügel ist eine Moräne mit Flugsandwehen darüber; der Kies ruht, wie man weiß, auf Kreide, dem Meeresboden in einer ungeheuer fernen Erdperiode; es ist also kein Zweifel, wo man steht.

Auf den Hügeln und wo man in der Umgebung hinkommt, kann man hie und da einen Feuersteinscherben auf den mageren Flugsandäckern oder einen Mahlstein finden, der sich in der Hand eines weiblichen Wesens befunden hat, das hier einmal zwischen zwei Steinen Korn schrotete. Auf der äußersten Spitze der Landzunge, nach Baekkebro zu, hat, nach Funden zu urteilen, eine Bronzezeitstadt gelegen; massenweise Funde von Tierknochen draußen im Torfmoor sprechen von Treibjagden, die vermutlich häufig gewesen sind hier auf der bequemen Landzunge, wo das Wild wie in einem Sack durch den Wald – denn damals hat Wald auf der Landzunge gestanden – gejagt werden konnte, bis die Tiere nicht weiter konnten; einige von ihnen gingen ins Wasser und kamen dort um. So stellt man sich die Jagd vor und glaubt das Gebell und einen Hirsch, die H