2. Zielbestimmung
Wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, kann die KVT bei allen möglichen Störungen und Erkrankungen gewinnbringend eingesetzt werden. Bevor wir uns nun aber eingehender damit befassen, wie sie sich auf konkrete Probleme anwenden lässt, müssen wir entscheiden, was überhaupt verändert werden soll. In diesem Kapitel geht es also darum, die Ziele zu formulieren, auf die Sie hinarbeiten möchten. Hier ist ein Beispiel dafür, wie ein Patient und ich zusammen erarbeitet haben, was ihm am meisten helfen würde.
In meiner ersten Sitzung mit Jeff erzählte dieser mir von der schweren Depression und den Schlafstörungen, die bei ihm im Anschluss an eine lange und schwere Erkrankung aufgetreten waren. Ich erfuhr von seinen wichtigsten Beziehungen, von seiner Herkunftsfamilie, seinem beruflichen Werdegang und von weiteren Aspekten seines Lebens. Er konnte auch ein paar seiner Stärken benennen, sprach von diesen allerdings in der Vergangenheitsform, fast so, als rede er über jemand anderen.
Sobald ich mir ein gutes Bild von Jeffs Situation gemacht hatte, musste ich herausfinden, was er sich von der Therapie versprach. Wie alle Patienten wollte er sich vor allem wieder besser fühlen – aber was genau bedeutete das in seinem Fall? Was an seinem Leben müsste sich verändern? Was wollte er häufiger tun, was weniger häufig? Wie sollte sich die Qualität seiner Beziehungen verbessern? Kurz: Was waren seine Ziele?
Zum Ende unserer ersten Sitzung wirkte Jeff schon gleich hoffnungsvoller. Ich fragte ihn, wie es ihm gerade gehe, und er antwortete, er fühle sich zum ersten Mal, seit er zurückdenken könne, tatsächlich ein bisschen angeregt – sogar motiviert. Indem er sich Ziele gesetzt hatte, hatte er die Unzufriedenheit mit seiner Situation in Entschlossenheit umgewandelt, diese zu verbessern.
Betrachten wir nun, warum es Jeff so sehr geholfen hat, seine Ziele zu identifizieren, und wie auch Sie motivierende Ziele bestimmen können.
2.1 Die Vorteile überzeugender Ziele
Man kann gar nicht genug betonen, wie wertvoll gute Ziele sind. Wenn man klar vor Augen hat, wo man hinmöchte, fällt es einem wesentlich leichter, sich auf die dafür notwendigen Veränderungen einzulassen. Es ist wie beim Bergsteigen: Wenn man weiß, wo der Gipfel ist, ist man motiviert, so lange weiterzuklettern, bis man ihn erreicht hat.
Ziele helfen einem auch dabei, durchzuhalten, wenn sich einem unterwegs mal Schwierigkeiten in den Weg stellen, und sie zwingen einen dazu, Lösungen zu finden, um sie zu erreichen. So hatte Jeff beispielsweise vermieden, wieder mit dem Sport anzufangen, weil er unsicher war, was für ihn in Anbetracht seiner jüngst überstandenen gesundheitlichen Probleme überhaupt möglich war. Nachdem er sich aber auf das Ziel eingelassen hatte, dreimal die Woche Sport zu treiben, fing er an, ein Sportprogramm auszuarbeiten, mit dem er klarkommen würde. Ziele sind auch eine gute Messlatte dafür, wie gut es mit der Behandlung vorangeht. Jeff und ich haben im Laufe der Therapie oft auf seine Ziele Bezug genommen, um zu überprüfen, ob er ihnen durch unsere Arbeit auch wirklich näherkam.
2.2 Erfolgversprechende Ziele
Ziele sind nicht gleich Ziele. Wenn Sie bei der Zielbestimmung über Ihr Leben nachdenken und darüber, wie es möglicherweise durch Ängste und Depressionen beeinflusst wird, empfehle ich Ihnen, die folgenden Grundsätze im Hinterkopf zu behalten:
Konkret sein
Bei vagen Zie