Die Beratungsform der Supervision erfährt durch die systemische Transaktionsanalyse gerade in den aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen eine gute praktische Ergänzung. Der folgende Beitrag zeigt dazu nach einer kurzen Einführung zur systemischen Theorie insbesondere Anwendungsideen systemisch-transaktionsanalytischen Vorgehens. Die systemische Perspektive zur Transaktionsanalyse fokussiert auf den Kontext, die Beziehungen sowie das Empfinden und Handeln von Personen. Modelle wie das systemische Dreieck, das Supervisionsquadrat, die Systemdynamiken und das Prozessmodell ermöglichen in der systemisch-transaktionsanalytischen Supervision ein integratives Vorgehen mit vielen praktischen Interventionen.
Die Herausforderung für „Menschenarbeiter“
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Phänomene haben deutliche Auswirkungen auf den Arbeitskontext von Menschen. Supervision ist traditionell auf solche individuellen beruflichen Fragen gerichtet. Die klassische Transaktionsanalyse eignet sich sehr gut zur Strukturierung dieser Situationen, weil sie Modelle zur Verfügung stellt, die bestimmte Gegebenheiten wie Unentschiedenheit, Konflikte, innere Stressoren oder mangelnde Problemlösungsaktivitäten hervorragend abbilden können. Durch die als VUKA – Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität – bezeichnete Situation hat sich vieles verändert. Vor allem ist eine ungeheure Beschleunigung in vielen Prozessen feststellbar. Systemisch-transaktionsanalytische Supervision bietet Beratung und Begleitung bezüglich dieser neuen Herausforderungen in der Gesellschaft. Menschen brauchen in ihren beruflichen Feldern Konzepte, um mit diesen Phänomenen umgehen zu können, sonst ist ihre Resilienz im Sinne der Kompetenz, vorhandene Belastungssituationen meistern zu können, schnell gefährdet. Resilienz ist aber nicht nur ein persönliches Thema. Die persönliche Resilienz ist verbunden mit der Resilienz ihrer relevanten Systeme. Dies beginnt mit der Organisation, in der Menschen arbeiten, und reicht über das gesellschaftliche Umfeld hinaus (Mohr, 2017).
Der systemische Ansatz
Aus der Entdeckung, dass für psychische Störungsmuster, etwa von Kindern, nicht eine Fehlentwicklung bei dem das Symptom zeigenden Subjekt, dem Kind, sondern beispielsweise Beziehungsstörungen der Eltern oder andere Kontexte entscheidend sein können, entwickelte sich in den 1980er-Jahren ein neuer Ansatz der Psychotherapie, die systemische Therapie. Dies geschah in der sogenannten Palo-Alto-Schule mit Forschern wie Gregory Bateson oder Paul Watzlawick, in der italienischen Schule der Familientherapie mit Mara Selvini Palazzoli, aber auch um Helm Stierlin herum in Heidelberg in der deutschen Schule der Systemik. Inhaltlich kann man eine ganze Reihe von Charakteristiken für systemische Modelle aufzählen. Hier sollen drei besonders hervorgehoben werden: Vernetzung, Konstruktivismus, Autopoiesis. Vernetzung ist verbunden mit der wechselseitigen Abhängigkeit von Aspekten der Wirklichkeit. Der Konstruktivismus betont die sehr durch den jeweiligen Kontext der Menschen geprägte Wirklichkeitsvorstellung. Autopoiesis ist die Tendenz von Systemen, Einzelmenschen wie Mehrpersonenkonstellationen, eine Eigendynamik zu ihrem Selbsterhalt zu entwickeln. Letzteres macht eine Einflussnahme schwierig. Die systemischen Forscher Maturana und Varela haben dies im Satz „Es gibt keine instruktive Interaktion“, also keine direkte Einflussnahme, beschrieben. Systemisch zu intervenieren bedeutet dann ein intelligentes Umgehen mit der Eigendynamik eines Systems. Dies bewegt sich zwischen einerseits Ankoppeln und andererseits konstruktiver Irritation von Struktur und Kultur des Systems.
Abbildung 1: Das systemische Dreieck
Supervisionskonzepte und Transaktionsanalyse
Der Begriff Supervision wird im deutschsprachigen Raum für die Beratung von Berufstätigen mit zwischenmenschlichen Aufgabenstellung