2. Positive menschliche Entwicklung: Denken, Fühlen, Flourishing
2.1 Modelle der Psyche(Sasha Blickhan)
Jeder Coach arbeitet mit der menschlichen Psyche und damit mit emotionalen, kognitiven und motivationalen Prozessen. Dem zugrunde liegt immer auch eine – zumindest implizite – Vorstellung davon, wie diese Prozesse funktionieren und miteinander zusammenhängen. Menschen haben unterschiedliche Auffassungen davon, was unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmt, und damit verbunden auch unterschiedliche Menschenbilder, die sich auf den Umgang mit sich selbst und anderen auswirken. Wer hinter allem unterdrückte unbewusste Triebe vermutet, wird das Verhalten und die Aussagen von Menschen (auch von Klienten) anders interpretieren als jemand, der davon ausgeht, dass Menschen prinzipiell reflexionsfähig, ehrlich und wachstums- oder werteorientiert sind.
Sowohl im Coaching als auch für den guten Umgang mit sich selbst lohnt es sich zu wissen, womit man es zu tun hat. Es ist also hilfreich, sich ein Bild von der menschlichen Psyche und den Verarbeitungsprozessen im menschlichen Gehirn zu machen, das einerseits zur empirischen Realität passt und andererseits einen konstruktiven Umgang mit diesen Prozessen ermöglicht. Im Coaching kann das sowohl für das Verstehen und Einordnen von Beobachtungen hilfreich sein als auch für die Psychoedukation: Auch Klienten können davon profitieren, sich eine konstruktive und handhabbare Vorstellung von ihrer Psyche zu machen.
In diesem Kapitel wird im Zusammenhang mit verschiedenen historischen und laienpsychologischen Vorstellungen von der Psyche ein Modell betrachtet, das die Verschiedenartigkeit und das Zusammenspiel von automatischen(automatic) und kontrollierten(controlled) Prozessen im Denken, Fühlen und Handeln auf wissenschaftlich anschlussfähige Weise begreifbar und anschaulich macht (Kahneman 2011a).
2.1.1 Historische Vorstellungen
Viele Menschen differenzieren intuitiv zwischen Denken und Fühlen, also zwischen eher kognitiven, auch sprachlich repräsentierbaren, und eher emotionalen Formen der Verarbeitung. Beide sind Teil des menschlichen Erlebens und der Art und Weise, wie wir mit Informationen, Eindrücken und Erfahrungen umgehen. Die meisten psychologischen und praktischen Modelle der Psyche sind sich einig, dass Denken, Fühlen und Handeln einander beeinflussen und dass sie zwar eng miteinander zusammenhängen, aber voneinander unterscheidbar sind.
Viele Modelle der menschlichen Psyche in der wissenschaftlichen und der angewandten Psychologie, in der Philosophie und auch in der persönlichen Vorstellung Einzelner treffen noch weitere Unterscheidungen innerhalb psychischer Vorgänge (und zum Teil sehr komplexe Vorannahmen, wie sie miteinander in Beziehung stehen):
- Denken – Fühlen
- kognitiv – emotional
- rational – irrational oder non-rational
- bewusst – unbewusst
- explizit – implizit
- freiwillig, absichtlich gesteuert – unwillkürlich, automatisch
- ergebnisoffen, frei – festen Mustern folgend, vorbestimmt
- erlernt – instinktiv
- Verstand, Vernunft – Trieb, Neigung
- Kopf – Herz, Bauch
- geistig – sinnlich
Die Kategorien in der linken und rechten Spalte überschneiden sich zwar teilweise, sind aber nicht deckungsgleich: Nicht jeder, der zwischen Denken und Fühlen unterscheidet, hält Gefühle für irrational oder für instinktiv vorbestimmt. Verschiedene Menschen (und Coaches) finden manche Unterscheidungen richtiger, hilfreicher oder sinnvoller als andere. Davon könnten einige je nach Kontext auch kontraproduktiv sein, zum Beispiel im Coaching, während andere vielleicht eine hilfreiche Einordnung des eigenen Erlebens ermöglichen.
Gerne wird einer solchen deskriptiven Unterscheidung von Ve