Elisabeth Lonicer wuchs in Herford auf, einer Stadt in Westfalen ziemlich genau in der Mitte zwischen Münster, etwa hundert Kilometer westlich, und Hannover, etwa hundert Kilometer östlich. Es handelt sich um eine der bedeutendsten Städte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation des ausgehenden Mittelalters bzw. der beginnenden Neuzeit. Damals dürften hier rund 4.500 Einwohner gelebt haben – hochgerechnet aus der für das Jahr 1636 belegten Zahl von rund 850 Bürgern, definiert als über 25 Jahre alte Männer. Herford war Freie Reichsstadt, aber auch Sitz einer Fürstlichen Reichsabtei – jede für sich ein unabhängiger Reichsstand. Eine solche Reichsunmittelbarkeit war ein gesuchtes Privileg, denn diese Stände durften sich selbst verwalten. Das Miteinander und die Reibungen zwischen Reichsstadt und Reichsabtei haben die Geschicke Herfords zu Lebzeiten Elisabeth Lonicers geprägt, wie wir noch sehen werden.
Abb. I-1: Herford vor 1653 (Stich von Matthäus Merian)
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