: Heinrich Reinermann
: Elisabeth Lonicer Couragierte Witwe mit sechs Töchtern in Herford
: Books on Demand
: 9783752666359
: 1
: CHF 2.60
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 340
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In einer Zeitreise in das 17. Jahrhundert werden drei Stränge miteinander verflochten: ein familiärer, ein geschichtlicher und ein religiöser. Die Familie Elisabeth Lonicers - Urenkelin von Professor Johannes Lonicerus (1499-1569), einem Mitbruder, Schüler und Freund Martin Luthers - lebte im westfälischen Herford, damals eine freie Reichsstadt, die auch eine reichsfreie Fürstabtei umschloss. Die Zeiten waren außerordentlich bewegt, vor allem geprägt vom Dreißigjährigen Krieg und seinen Nachwehen. Zu den Auslösern der kriegerischen Auseinandersetzungen gehörte, dass Martin Luthers Reformation von 1517 inzwischen zum Spielball europäischer Machtpolitik geworden war. Katholische und protestantische Interessen prallten aufeinander. In der Lebenszeit Elisabeth Lonicers setzte sich die Differenzierung der abendländischen Religionen fort. Mit alter katholischer Lehre hier und neuer evangelischer Lehre dort war es längst nicht mehr getan. Im protestantischen Lager lieferten sich Lutheraner, Calvinisten wie Hugenotten, Presbyterianer oder Puritaner, und Täufer wie Mennoniten oder Baptisten, heftige Auseinadersetzungen. Auch ist ein erstes Hinüberschwappen protestantischer Glaubensrichtungen nach Nordamerika zu beobachten.

Dr. Heinrich Reinermann ist emeritierter Universitätsprofessor für Verwaltungsinformatik an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer.

I. Herford – Elisabeth Lonicers Heimat


1. Herford heute

Elisabeth Lonicer wuchs in Herford auf, einer Stadt in Westfalen ziemlich genau in der Mitte zwischen Münster, etwa hundert Kilometer westlich, und Hannover, etwa hundert Kilometer östlich. Es handelt sich um eine der bedeutendsten Städte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation des ausgehenden Mittelalters bzw. der beginnenden Neuzeit. Damals dürften hier rund 4.500 Einwohner gelebt haben – hochgerechnet aus der für das Jahr 1636 belegten Zahl von rund 850 Bürgern, definiert als über 25 Jahre alte Männer. Herford war Freie Reichsstadt, aber auch Sitz einer Fürstlichen Reichsabtei – jede für sich ein unabhängiger Reichsstand. Eine solche Reichsunmittelbarkeit war ein gesuchtes Privileg, denn diese Stände durften sich selbst verwalten. Das Miteinander und die Reibungen zwischen Reichsstadt und Reichsabtei haben die Geschicke Herfords zu Lebzeiten Elisabeth Lonicers geprägt, wie wir noch sehen werden.

Abb. I-1: Herford vor 1653 (Stich von Matthäus Merian)

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