Eine vergleichbare Situation fand man vor etwa 50 Jahren in den Vereinigten Staaten vor. Hip-Hop hat seinen Ursprung in den Ghettos von New York City in den 1970er Jahren. Kurz nach seiner Entstehung in den Armenvierteln, fand er aber ebenso in den schicken Discos von »Downtown Manhattan« statt und wurde massentauglich. Weiße Mittelstands-Kids tanzten plötzlich in der Disco zu der Musik, die zuvor nur in der »Hood«, dem Ghetto gespielt wurde. Die Hip-Hop Bewegung hat sich binnen weniger Jahre von einer in Nischen entwickelten, illegal und spontan zelebrierten Subkultur zu »der« dominanten Mainstream-Kultur des Planeten entwickelt. Hip-Hop ist omnipräsent, auch wenn es dem Leser dieses Buches vielleicht nicht bewusst ist. Egal ob Mode, Musik, Sprache, Werbung, Tanz, Innenarchitektur, oder Grafikdesign, und egal an welchem Ort auf der Welt, so ziemlich alles und jeder um uns herum ist heute von der Hip-Hop Kultur beeinflusst. Sie hat den, nach der Beat-Ära der 1960er Jahre übermächtigen Rock ‘n’ Roll, spätestens Mitte der 90er von seinem Thron der kommerziell dominierenden Populärkultur gestoßen.
Aufgrund seines Ursprungs verstand sich Hip-Hop stets als Rebellion, Straßenkultur und Untergrundbewegung, aufgegliedert in die so genannten vier Elemente: Rap, DJing, Breakdance und Graffiti. Im Verlauf der 1960er und 1970er Jahre war die Bronx, ein zu dieser Zeit verarmter, primär von Afroamerikanern und Einwanderern bewohnter Stadtteil von New York City, Brutstätte und Epizentrum der neu entstehenden Kultur. Inmitten von urbaner Verwahrlosung, Gang-Kriminalität, Nachwirkungen der Rassentrennung und massiver Arbeitslosigkeit, suchten Jugendliche neue Wege sich auszudrücken und ihre Wut über die herrschenden Zustände und gesellschaftliche Separierung zu artikulieren. Von der übrigen, nordamerikanischen Gesellschaft, Mehrheits- und Konsumkultur durch Armut und städtebauliche Fehlentwicklungen derart isoliert, begannen sich neue, endemische Formen der kulturellen Organisation in der Bronx und anderen Teilen der Stadt zu entwickeln. Es entstanden die legendären »Block Partys«.
Inspiriert von den aus Jamaika stammendenSoundsystems wurden diese Partys, meist illegal, in maroden Gebäuden, leerstehenden Fabrikhallen, in Parks, oder auf Hinterhöfen veranstaltet. Die »Block Partys« in der New Yorker Bronx werden heute als Geburtsstätte der Hip-Hop Kultur gewertet. Getanzt wurde auf den Veranstaltungen zu roher Funk- und Soul-Musik, die von DJs wieKool Herc,Grandmaster Flash oderGrand Wizzard Theodore aufgelegt wurde. Durch wechselndes Abspielen zweier identischer Platten auf zwei separaten, mit einem Mischpult verbundenen Plattenspielern, konnte man die »Breaks« der Lieder, also die instrumentalen Stellen, au