Jetzt sitzen wir alle im selben Boot
Li Wenliang, der Arzt, der die Corona-Epidemie als Erster entdeckt hat und daraufhin von den Behörden zensiert wurde, war im wahrsten Sinn des Wortes ein Held unserer Zeit. Er war so etwas wie eine chinesische Chelsea Manning oder ein chinesischer Edward Snowden. Es ist daher kein Wunder, dass sein Tod vielerorts für Entrüstung gesorgt hat. Die Reaktion auf den Umgang des chinesischen Staats mit der Epidemie war vorherzusehen und kommt am besten im Kommentar der in Hong Kong ansässigen Journalistin Verna Yu zum Ausdruck:
Würde China die Redefreiheit schätzen, gäbe es keine Corona-Krise. Solange die Redefreiheit und andere Menschenrechte von chinesischen Bürgern nicht respektiert werden, werden solche Krisen immer wieder entstehen … Die Menschenrechte in China mögen auf den ersten Blick wenig mit dem Rest der Welt zu tun haben. Wie wir jedoch in dieser Krise sehen konnten, kann es zu einer Katastrophe kommen, wenn China die Freiheit seiner Bürger einschränkt. Es ist Zeit, dass die internationale Gemeinschaft dieses Thema ernst nimmt.3
Man kann sicherlich sagen, dass die gesamte Funktionsweise des chinesischen Staatsapparats gegen ein altes Motto von Mao verstößt: „Vertraut der Masse!“ Die Regierung geht vielmehr von der Annahme aus, dass man den Menschennicht vertrauen sollte: Die Menschen sollen geliebt, beschützt, versorgt und kontrolliert werden – aber man darf ihnen nicht vertrauen. Dieses Misstrau