Das sprachwissenschaftliche Fachwort bzw. der linguistische TerminusSemantik leitet sich aus altgriechisch σημαίνειν,sēmaínein ‚bezeichnen‘ ab und bezieht sich auf die Lehre von der Bedeutung sprachlicher Zeichen – sei es nun die Bedeutung einzelner Wörter oder auch diejenige von Sätzen oder ganzen Texten. Im Folgenden soll die Disziplin Semantik linguistisch und didaktisch verortet werden.
Im Rahmen der linguistischen Verortung wird die Semantik zunächst von anderen zentralen Disziplinen der Sprachwissenschaft abgegrenzt. Im Anschluss daran wird geklärt, auf welchen Ebenen der Beschreibung von Sprache Semantik eine Rolle spielt, um abschließend einige Hinweise auf das Verhältnis zwischen Lexikologie (Wortforschung) und Lexikographie (Wörterbuchschreibung) zu geben.
1.1.1Semantik, Syntax und Pragmatik
Zeichen und insbesondere sprachliche Zeichen können in ganz verschiedener Hinsicht beschrieben werden. Zu den bekanntesten Gliederungen solcher Dimensionen derSemiotik (Lehre sprachlicher und nichtsprachlicher Zeichen – aus altgriechisch σημεῖονsēmeĩon ‚Zeichen‘; vgl. Eco 92002; Nöth 22000; 2017; Posner/Robering/Sebeok 1996ff.) im Allgemeinen und derLinguistik (Lehre sprachlicher Zeichen – aus lateinischlingua ‚Sprache, Zunge‘; vgl. Auer 2013; Kessel/Reimann 52017) im Besonderen gehört diejenige des amerikanischen Semiotikers Charles William Morris (1901–1979).
Morris bezeichnet den Vorgang, in welchem etwas als ein Zeichen fungiert, alsSemiose. Im Zentrum seines semiotischen Modells (vgl. Abb. 111a) steht dabei derZeichenträger, der wiederum in drei Dimensionen erscheint (die im Folgenden jeweils am Beispiel des WortzeichensKöter kurz erläutert werden):
diesyntaktische Dimension im Hinblick auf andere Zeichenträger, mit denen dieser gemeinsam verwendet wird – etwa im Rahmen eines Satzes wieDieser Köter ist bissig, in demKöter zusammen mit anderen Wörtern verwendet wird;
diepragmatische Dimension hinsichtlich der Personen, die den Zeichenträger verwenden (Interpretant,Interpret) – zum Beispiel in bestimmten Verwendungssituationen, wenn sich die Personen mitKöter abfällig über einen bestimmten Hund äußern möchten; und
diesemantische Dimension in Bezug auf die Wirklichkeit, auf die sich der Zeichenträger bezieht (Designat,Denotat) – in diesem Falle die sachliche und die wertende Bedeutung des WortesKöter, die ‚Hund‘ und eine negative Einstellung in sich vereinigt.
Jeder dieser drei Dimensionen werden nun eigene semiotische Unterdisziplinen zugeordnet: So beschäftigt sich dieSyntax (bei Morris:Syntaktik) mit der syntaktischen Dimension, also mit der Kombination einzelner Zeichen, während sich diePragmatik mit der pragmatischen Dimension, das heißt mit der Art und Weise, wie Zeichen von ihren Verwendern gebraucht werden, auseinandersetzt. DieSemantik ist hiernach diejenige Disziplin, welche die semantische Dimension in Augenschein nimmt, sich also mit der Beziehung zwischen den Zeichen einerseits und der Wirklichkeit, auf die sich diese beziehen, andererseits beschäftigt.
Zeichenmodell nach Morris (engl. 1939: 417; dt.: 1972: 94)
An dieser Dreiteilung in Seman