: Manfred Lafrentz
: In den Falten des Himmels Kiel im Sommer 1644
: Kadera-Verlag
: 9783948218256
: 1
: CHF 7.00
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Hexenjagd in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges. Der Protestant Petrus Witte hat sich als selbsternannter Hexenkommissar auf den Weg gemacht, das Land von Hexen zu befreien. Er will die Bürger sensibilisieren, am Unglück zu erkennen, dass es Hexenwerk war. Im von Krieg geschundenem Kiel findet er im Sommer 1644 ein Opfer: Die Magd Maiken Harder hat sich dem gewalttätigen Bauern Nissen Voss verweigert und ihm gesagt, er möge keinen Frieden finden. Dieses Drohwort ist ihr Verhängnis. Der Hexenkommissar strengt einen Prozess an. 'Sie muss brennen, damit sie kein Unheil mehr bringt.' Vor der Vollstreckung eines Urteils muss sie jedoch gestehen. Doch sie erleidet die Folterungen, sie gesteht nicht ...

Manfred Lafrentz (Jahrgang 1957) studierte in Kiel Musikwissenschaft, Ideologie und Volkskunde. Sein besonderes Interesse ist es, die Kieler Stadtgeschichte den Lesern in belletristischer Form näherzubringen

Prolog


»Es ist Laschheit eingekehrt in die Welt«, sagt Petrus Witte.

Der Stadtvogt nickt. »Der Krieg hat sie weich geprügelt und die Menschen stumpf gedroschen.«

»Tage um Tage reise ich durch die Lande. Kaum noch werden Hexen gebrannt in Mecklenburg.«

»Es fehlen die Arbeitskräfte, Herr Commissarius«, sagt der Stadtvogt zaghaft. Obwohl er nicht alt ist, verlaufen zwischen seiner Nase und den Ohren dicke, vertikale Falten, sodass sein Gesicht wie ein Beutel aussieht, der schwer und schlaff vom Schädel herabhängt. »Der Krieg hat die Männer mit sich genommen. Die Frauen tun die Arbeit. Wer soll die Arbeit tun, wenn die Frauen brennen?«

Petrus Witte will das nicht gelten lassen. »Eine Hexe ist eine Hexe. Wenn sie arbeitet, ist es Hexenarbeit. Wollt Ihr Hexenarbeit in Eurer Stadt?«

Der Ratsherr schüttelt resigniert den Kopf. Sein Beutelgesicht schwingt sacht hin und her.

Witte zeigt mit dem Finger auf die Frau, die vor ihnen an dem Seil hängt, das sie an ihren hinterm Rücken zusammengebundenen Armen nach oben zieht. »Seid froh, dass sie überführt ist. Wer weiß, was sie getan hätte. Wenn man die Hexen nicht aufmerksam genug verfolgt, ist das ein Zeichen für das Wirken des Teufels.«

Der Stadtvogt macht ein unbehagliches Gesicht. Er presst die Lippen zusammen, und aus seinen tiefen Falten wachsen dicke Wülste. Dann strafft er sich und nickt entschlossen.

Der Scharfrichter lässt die Frau herab und räumt seine klirrenden Gerätschaften beiseite. Sie liegt auf dem Steinboden und wimmert. Ihr Leib erscheint unheilbar zusammengezurrt, als müsste er zerbrechen, wenn er sich streckte. Die Luft ist muffig, es riecht nach kaltem Schweiß.

Witte ist zufrieden. Seine Aufgabe ist getan. Urteilsspruch und Exekution wird er nicht abwarten und nicht bleiben, um die Hexe brennen zu sehen. Der Anblick freut ihn nicht, nur der Gedanke, dass durch Feuer Reinheit entsteht. Da sie ein Geständnis abgelegt hat, wird man sie erdrosseln, bevor der Scheiterhaufen entzündet wird. Eine Gnade, die Witte billigt.

Die Worte klingen ihm noch in den Ohren. Vom Schwellenguss hat die Hexe gesprochen. Von Teufelsbuhlschaft und vom Hexensabbat. Von allem, nach dem er gefragt hat.

Die gelehrte Auffassung der Hexerei beeindruckt die Menschen in den kleinen Städten anders als in den großen. Dort will man zu Wittes Verdruss nichts hören von Flug und Sabbat, von der großen Gemeinschaft der Hexen in allen Ländern, von den Menschen, die sich zusammengetan haben und von Gott abgefallen sind, um dem Satan zu huldigen. Nicht einmal wenn die Hexen ihr Treiben gestehen.

Dabei ist es offensichtlich. Wo er auch hinkommt in Mecklen