: Kelly Stevens
: Hellseherin und Schwarzseher
: Books on Demand
: 9783752670776
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 140
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hellseherin trifft Schwarzseher - und verliert vorübergehend den Durchblick! Die Studentin Nicole gibt nebenbei hellsichtige Beratungen zu finanziellen Themen. Von allem, was mit Liebe, Lust und Leidenschaft zu tun hat, lässt sie die Finger. Dies ändert sich, als der gut aussehende Unternehmer Dominic sie um Hilfe bittet. Bei ihm scheinen ihre Fähigkeiten jedoch zu versagen. Dominic glaubt ihren Vorhersagen nicht und hält sie für eine Betrügerin. Zwischen Selbstzweifeln und Verliebtheit verschwimmen für Nicole die Grenzen zwischen Vision und Realität. Kann man gleichzeitig hellsichtig sein und trotzdem blind für das, was einen selbst betrifft? Für Nicole geht es bald nicht nur um ihre berufliche Ehre, sondern auch um ihr privates Glück ...

Kelly Stevens studierte in England Literatur und Kreatives Schreiben und arbeitete in Deutschland in verschiedenen Jobs im Medienbereich. Sie schreibt Erotic Romance in allen möglichen Längen und Variationen, von Kurzgeschichte bis Roman.

Kapitel 1


»Sie müssen mir helfen, bitte! Mein Bildschirm ist schwarz. Ich weiß nicht, ob er kaputt ist, aber ich muss dringend eine Datei bearbeiten.«

Die Stimme der Anruferin klingt leicht panisch. Ich murmele ein paar beruhigende Worte, sehe auf meinen eigenen Bildschirm, auf dem der Cursor blinkt, und schließe meine Augen. Mental gehe ich die möglichen Fehlerquellen durch, bis mir etwas Gelbes auffällt. Ein Quietscheentchen? »Gibt es am Verbindungskabel von Monitor zu PC etwas Gelbes?«

»Nein, das Kabel ist schwarz.«

Ich runzle die Stirn. »Könnten Sie vielleicht einmal nachschauen, bitte? Da muss irgendetwas Gelbes sein, das den Fehler verursacht hat.«

Einem Mann gegenüber hätte ich nicht so gesprochen, aber bei dieser Frau ahne ich schon, was gleich passieren wird. Ein paar Sekunden herrscht Schweigen am anderen Ende der Leitung, dann bekomme ich undeutlich ein »Das darf doch nicht wahr sein, wie kommt denn das hierhin?« mit. Sekunden später ist sie wieder deutlich hörbar.

»Ein gelbes Quietscheentchen. Mein Sohn scheint beim Spielen das Kabel rausgerissen zu haben. Jetzt geht der Bildschirm wieder. Wie haben Sie das nur gewusst, es ist ja fast so, als ob sie hellsehen können?«

Ich lächele, verabschiede mich mit einer unserer Callcenter-Standardfloskeln und werfe einen Blick auf meinen Bildschirm Es ist kurz nach zehn Uhr abends, meine Schicht ist für heute beendet. Ich nehme mein Headset ab, logge mich im System aus und ziehe meine Tasche unter dem Schreibtisch hervor. Auf dem Weg nach draußen stecke ich noch schnell den Kopf ins Teamleiterbüro. »Ciao Christa, bis morgen Mittag um zwölf?«

»Ciao Nicole, schönen Feierabend.« Christa, meine Lieblingsteamleiterin, nickt mir zu, bevor sie sich wieder ihrem Rechner zuwendet.

Ich laufe die breite Treppe hinunter und gelange vom neonerhellten Großraumbüro im zweiten Stock einer ehemaligen Fabrikhalle auf einen Berliner Hinterhof mit schummriger Beleuchtung, wo ich mein Fahrrad abgestellt habe. Reflexartig checke ich mein Smartphone, bevor ich meine Tasche in den Fahrradkorb werfe. Sechs Anrufe in Abwesenheit, alle von einer unterdrückten Nummer. Während ich noch überlege, wer mich angerufen haben könnte,