Vor unserer ehemaligen Rheinwohnung (Zustand 2020)
Hier will ich wohnen!
Meine Liebe zum Rhein brachte mich Jahre später dazu – inzwischen der Jugendzeit entwachsen – meinen runden Geburtstag, es war mein dreißigster, erstmals an seinem Ufer zu feiern. Die „Runden“ hatten immer eine besondere Bedeutung für mich. Waren sie doch der Startschuss zu etwas Neuem. Ich gehörte ab jetzt einer oberen Alters-Schicht an. Das konnte durchaus mit gemischten Gefühlen verbunden sein, und es war auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Zehn Jahre lang werde ich von jetzt an zu den Dreißigern zählen…!
Ich hatte aus diesem Anlass einen Tisch auf einer Außenterrasse am Rheinufer reserviert. Das Restaurant hieß damals „Kahlshof“.Ein besonderer Anlass erfordert auch einen besonderen Ort, hatte ich mir sicher dabei gedacht. Die kleine Tischgesellschaft bestand neben mir aus meiner frisch angetrauten Ehefrau U., sowie einem mit uns eng befreundetem Paar.
Von unserem Tisch aus bot sich der Anblick eines Ansichtskarten-Motivs. Wir saßen im Schatten der trutzigen und altehrwürdigen, romanischen Kapelle St. Maternus, von den Einheimischen liebevoll „uns Kapellchen“ genannt.
Am Rheinufer unterhalb führte der uralte Treidel- oder Leinpfad vorbei, an diesem Feiertag stark belebt mit Ausflüglern aus der Großstadt. Seine historische Bedeutung bot den Stoff, uns über ihn auszutauschen.
Vor dem Aufkommen der Dampfschifffahrt hatten noch Pferde an „Linnen“ (Leinen) oder Treidel die beladenen Segel-Lastkähne gegen die Strömung rheinaufwärts gezogen. Ich wusste beizutragen, dass das mächtige Bollwerk aus Basaltstein, auf dem die benachbarte Kapelle steht, zu Zeiten der Treidelschiff-Fahrt ein unüberwindliches Hindernis für die sogenannten „Rheinhalfen“ darstellte. Sie mussten aus Richtung Stadt kommend hier ihre Pferde abspannen und um den Felsbuckel herumführen. Während der schwer beladene Segel-Frachtkahn mit Ruderbooten, von kräftigen Armen angetrieben, in einem aufwendigem und kräftezehrendem Unterfangen um die Felsnase herumgezogen wu