Dora
»Die Männer sind nicht immer, was sie scheinen, allerdings selten etwas Besseres.«
Queen Victoria
Die wohl hypertonischen Gefäßzuständen zuzuschreibende Rottönung im Gesicht des neuen Chefs unterstreicht die allgemein bizarre Aufwartung der Visage mit einer nahezu wimpernlosen Augenumgebung, den weit in die Pupillen hängenden Augenliedern, an norwegische Fjorde erinnernde Haaransätze des ohnedies nur in bescheidenen Stoppeln vorhandenen Haarwuchses und den bläulichen, schmalen, die Öffnung des Mundes umrandenden Fleischwülsten. Diese dergestalte Zumutung nähert sich Dora erneut auf eine das Wohlbefinden zermürbende Nähe, die Arme krakenartig einmal auf der Fläche des Schreibtisches ausbreitend und einmal auf der Lehne von Doras Schreibtischsessel platziert, eine physisch spürbare, das persönliche Distanzempfinden verneinende Umklammerung bildend. Die eher nur erahnbare Wanderung der Pupillen beschreibt eine die Dauer des Verweilens ändernde Kreisbahn vom kurzen Blick auf den Bildschirm hin zu Doras Gesicht und längerem Augenmerk auf Doras Blusenausschnitt, um zum Bildschirm zurückzukehren und erneut diese lüsterne Rundfahrt seiner Blicke mehrmals zu beschreiten.
Täglich erfolgendes Eindringen in eine nicht gewollte Nähe, zumeist mit Blicken, manchmal auch verbunden mit kurzen Berührungen an den Schultern, erschüttern Doras Befinden über die Phasen der Anwesenheit in den Räumlichkeiten der Arbeitsstelle hinaus. Ruhige, mit angenehmen Träumereien bereicherte erholsame Nächte werden seltener, der allgemeine Gemütszustand entgleitet in eine nicht erwünschte Schw