2. Uneinigkeit: Die Kelleretage
Wie Sie schon erfahren haben, steht der Keller im Traum(a)-Haus für Streit, Dramen, Eskalationen sowie frostige Distanz, für kalten Krieg oder hitzige Kämpfe. Für manche Menschen ist die Hölle heiß, andere stellen sich diesen Ort der Unterwelt eiskalt vor.
Zugleich versinnbildlicht der Keller den Überlebensmodus reptilienhirngesteuerter Reaktionen wie Angriff, Flucht oder Erstarrung. Diese Impulse zeigen sich insbesondere dann, wenn Menschen sich bedroht fühlen, den ansteigenden Stress nicht mehr verarbeiten können und kein Ausweg in Sicht ist. Streit in einer Partnerschaft führt zu Stress, Stress führt zu überwältigenden Emotionen, diese schalten die Krisensteuerzentrale im vernunftbegabten Teil des Gehirnes aus, was wiederum zu immer unsinnigerem Streit führt. Ein unüberwindbarer Teufelskreis entsteht, der den Unterdruck in der abwärtssaugenden Röhre inmitten des Traum(a)-Hauses bewirkt und unweigerlich in den Keller katapultiert.
Die Kelleretage im Traum(a)-Haus verdeutlicht zugleich eine ganz bestimmte Stufe in der persönlichen Entwicklung: die Ebene der Uneinigkeit. Geht ein Mensch mit noch nicht voll entwickelter Beziehungskompetenz eine Partnerschaft ein, zeichnet sich diese Verbindung höchstwahrscheinlich durch bestimmte Merkmale aus. Diese sind: Streit, Kampf, Drama, Schuldzuweisung, Macht, Unterordnung, Dominanz, Ausbeutung, Missbrauch oder oberflächlicher Kontakt bei wenig Nähe.
Vielleicht alarmiert Sie diese Auflistung und Sie möchten jetzt am liebsten das Arbeitsbuch in die hinterste Ecke Ihres Bücherregals verbannen. Tun Sie es bitte nicht! Zu Ihrer Beruhigung will ich betonen: Jeder Mensch durchlebt Entwicklungsphasen. Auf der ersten Stufe dieser Entwicklung ist es ganz normal, notwendig und legitim, auf sich selbst und die eigenen Sorgen und Bedrängnisse zu schauen. Sollte jedoch in einer Beziehung mehr als 50 Prozent des gemeinsamen Umgangs im „Krisengebiet“ stattfinden, lohnt es sich vielleicht, etwas Neues zu erlernen, das womöglich wahren Frieden und echte Harmonie verspricht.
In vielen Beziehungsratgebern werden Paare angeleitet, richtig zu streiten. Das ist ein Irrweg, denn längst gibt es seriöse Forschungsergebnisse, die belegen, wie schädlich Streit in einer Partnerschaft ist. Hierüber berichtet Christian Roesler in seinem BuchPaarprobleme und Paartherapie. Er geht ebenso auf Studien ein, die nachweisen, wie nachteilig es für die Beziehung ist, negative innere Zustände einfach herauszulassen.
Vielleicht fragen Sie sich, welche Wirkung Streit, Kampf oder Friedhofsfrieden auf Ihre eigene Beziehung haben mögen und was Streit überhaupt ist. Lassen Sie mich zuvor die Ergebnisse einer von mir durchgeführten Untersuchung vorstellen, an der insgesamt 265 Personen teilgenommen haben.
Bemerkenswerterweise waren 76 Prozent der Umfrageteilnehmer*innen der Meinung, dass negative Emotionen einen Streit überhaupt erst auslösen. Diese schwe