Einleitung
„Mein Vater ist ein Vollpfosten. Ich wünsche ihm einen angenehmen Unfalltod.“ „Ich komme mit der Dummheit der Menschen einfach nicht klar.“ „Mein Lebensgefühl ist Krieg.“ (Timo, 46 Jahre)
„Warum sollte ich mich bei meinen Freunden melden? Die sind doch alle mit ihrem eigenen Leben beschäftigt.“ (Marlene, 72 Jahre)
„Ich komm schon allein klar.“ (Eva, 45 Jahre)
„Alle Männer sind Schweine.“ (Katharina, 30 Jahre)
„Es hat keinen Zweck, sich zu wehren. Sie wird nur noch wütender und lässt dann alles an den Kindern aus. Und in unserem Rechtssystem habe ich als Vater sowieso keine Chance.“ (Christian, 52 Jahre)
„Ich konnte kaum stehen, aber das interessierte die Weißkittel nicht im Geringsten.“ (Margit, 67 Jahre)
Menschen können in vielerlei Hinsicht zum Opfer werden, etwa durch Naturkatastrophen, Krankheiten, Unfälle, Verlust, Trennung, aber auch durch Fehlverhalten Dritter, z. B. Ungerechtigkeiten in politischen, beruflichen und familiären Systemen, körperliche Gewalt, Vertrauensbrüche, Vernachlässigung, Nichtbeachtung, Ausgrenzung, Bloßstellung, Beschämung oder Herabwürdigung.
Dabei sind die Karten des Lebens nicht gerecht verteilt. Manche Menschen werden häufiger zum Opfer als andere.
Ein Unrecht persönlich nehmen = gekränkt sein. Wenn Menschen zum Opfer werden, entsteht eine Art seelischer Wundschmerz oder auch „Kränkungsschmerz“. Der Begriff Kränkung stammt vom mittelhochdeutschen Begriff „krenken“ = beugen, schwächen, schädigen, erniedrigen (vgl. Wardetzki, 2014). Wir fühlen uns gekränkt, wenn unser Selbstbild bzw. Weltbild durch erlebtes Unrecht beschädigt wird. In dem Moment werden bestimmte Grundbedürfnisse, wie z. B. Unversehrtheit, Zugehörigkeit, Respekt, Beachtung oder Anerkennung, stark frustriert. Je persönlicher ein Mensch das erlebte Unrecht nimmt, desto größer ist seine Kränkung.
Zum Glück steht uns Menschen grundsätzlich ein großes Repertoire an Verarbeitungsmechanismen für solche Frustrationen zur Verfügung. In den meisten Fällen können wir dank unserer sogenannten psychologischen Flexibilität solche Erlebnisse ganz passabel verarbeiten.
Manchmal heilt eine solche Kränkungswunde jedoch nicht vollständig, es bleiben unverarbeitete Reste in Form von Groll übrig und erzeugen inneren Schmerz.
Konservierter Kränkungsschmerz = Groll. Groll wird definiert als „… zurückgestauter Unwille, der durch innere oder äußere Widerstände daran gehindert ist, sich nach außen zu entladen, und Verbitterung hervorruft …“ (vgl. Duden, 2019). Die Gefühle, die infolge einer Kränkung entstanden sind (v. a. Wut, Trauer und Enttäuschung), haben sich verselbstständigt. Diese Gefühle haben ihren ursprünglichen Zweck verfehlt, nämlich uns auf einen Missstand hinzuweisen, uns zu ermächtigen, uns zu wehren, zu verteidigen, zu beschweren, uns zu schützen oder einfach unsere Verletzung dem Gegenüber z