1. Kapitel:
Der Lummensprung
Der Sommer war nach Helgoland gekommen. Mit Schauerwetter, einem Haufen Cumuluswolken und Temperaturen bis fünfundzwanzig Grad. Nachts hatte es kaum weniger, und Nele bekam zu spüren, was es hieß, auf einer Sommerinsel mitten im Meer zu wohnen.
Sie wollte ihren Vorsatz wahr machen und ging so oft wie möglich ans Meer. Sie spazierte am Nordstrand entlang, setzte sich in den warmen Sand und schaute den Wellen zu. Mit Frauke und Morten fuhr sie auf die Düne und verbrachte einen sorglosen Nachmittag am Südstrand, beobachtete die Robben und erinnerte sich wieder an den kleinen Heuler, den sie vor den Jugendlichen gerettet hatte und weswegen sie in der Inselzeitung gelandet war – der Grund, weshalb Florian sie ausfindig gemacht hatte und hierher gekommen war, zu einer Aussprache.
Nun war sie froh, dass es so gekommen war. Sie hatte sich von einer Altlast befreit. Manchmal dachte sie an ihn, wie er das wohl weggesteckt hatte, aber sie kannte ihn ja. Er würde das Opfer spielen und sich in seinem Selbstmitleid suhlen. Es war vorbei.
Manchmal noch ging sie bei regnerischem Wetter am Weststrand spazieren und schaute sich die Installation an, die Maik ihr gezeigt ha