1. Kapitel:
So wahr mir Gott helfe
Die Standesbeamtin beugte sich vor und lächelte sie einfühlsam an.
»Wollen Sie, Nele Heidenkamps, den hier anwesenden Florian Brenner zu Ihrem rechtmäßigen Ehemann nehmen, dann antworten Sie bitte mit: Ja!«
Sie schaute Florian an. Der hatte die Frage mit einem zufriedenen Ja beantwortet. Er hatte es hinter sich. Sie blickte über die Schulter und schaute zu den Gästen hinüber. Die Sekunden verrannen. Was ist los?, fragte sie sich. Du solltest schon längst antworten. Ein einfaches Ja. Was ist daran so schwierig?
Sie schaute die Standesbeamtin an, die leicht die Stirn runzelte. Die Frage stand im Raum, klang unheilverkündend nach.
Sag es, ermahnte Nele sich. Sag es einfach, und dann hast du’s hinter dir. Du hast es hundertmal mit Florian durchgesprochen. Heirat. Umzug. Gemeinsame Wohnung. Das erste Kind in einem Jahr. Es ist alles geplant. Ein sauberer Verlauf, gegen den sich nichts sagen lässt. Auch nicht eine verschwommene Sehnsucht nach Freiheit, nach Atempause, nach einem Ausbruch und Aufbruch. Frühlingsgefühle, hatte es Heidi genannt, ihre beste Freundin, die nun als Trauzeugin dort vorn saß und wartete, wie alle anderen. Hast du wirklich Zweifel? War das nicht nur eine Laune, Lampenfieber vor dem großen Tag? Und nun stehst du hier, Nele, und kannst der Standesbeamtin nicht antworten.
Die Pause dauerte schon viel zu lang. Jetzt war eh nichts mehr zu retten. Wenn du jetzt Ja sagst, bleibt das Misstrauen, die Unglaubwürdigkeit. Jetzt kannst du dich nicht mehr aus der Affäre ziehen. Aber wie sagte einmal