2. Flow
Reiseführer für den Weg zu einem glücklichen Gehirn
Was ist eine Bliss-Brain-Erfahrung? Während ich hier gerade meine morgendliche Meditation praktiziere, werde ich es einmal zu beschreiben versuchen – wie ein Reisender, der seinen Freunden von einem weit entfernten Land berichtet.
Zunächst schließe ich die Augen und durchlaufe die sieben Schritte der EcoMeditation; die Audio-Anleitung ist gratis verfügbar unterwww.dawsonchurch.de. Ich praktiziere Tapping auf den Akupunkturpunkten; damit löse ich jeglichen Stress in meinem Körper sowie alle eventuellen geistigen und emotionalen Hindernisse, um vollständigen inneren Frieden zu erreichen. Ich entspanne meine Zunge auf dem Mundboden. Ich atme durch mein Herz; ich atme dabei langsam jeweils 6 Sekunden ein und aus. Ich stelle mir meinen Lieblingsstrand vor, auf dem die Menschen spielen, die mir am liebsten sind, und sende von meinem Herzen einen Energiestrahl in dieses Bild. Ich stelle mir hinter meinen Augen einen großen, leeren Raum vor.
Ich kann meinen Körper spüren, und ich nehme meine Umgebung schemenhaft wahr. Doch der Großteil meines Bewusstseins ist auf die Erfahrung fokussiert, die ich auf der Ebene höchsten Gewahrseins habe.
Eine Welle der Glückseligkeit strömt durch mein Gehirn und meinen Körper. Gelegentlich schüttle ich mich bzw. schwanke leicht hin und her, wenn ich von einer weiteren Welle der Ekstase erfasst werde. Ich fokussiere mich aufmerksam auf den Raum im Zentrum meines Wesens. Zwischen meinen Augenbrauen prickelt es auf meiner Stirn und in meinem Schädel, dort, wo die Verbindung mit diesem höheren Bewusstseinszustand am stärksten in meinem physischen Körper verankert ist.
Man gerät ganz leicht wieder aus diesem Zustand heraus. Schon ein abschweifender Gedanke reicht; er führt zum nächsten Gedanken, und noch bevor ich es überhaupt richtig merke, ist mein Gewahrsein aus dem Bliss Brain herausgeschlüpft.
Im Kopf verfasse ich eine lange E-Mail an meine MarketingManagerin: »Ich weiß ja, dass du gerne so eine Opt-in-Seite hättest, aber ich denke, eine komplette Vertriebsseite könnte unser Programm besser erklären.« Dann erlebe ich im Kopf noch einmal einen ethischen Disput mit einem Kollegen: »Einem Patienten in diesem Alter eine Ersatzhüfte zu empfehlen, ging zu weit.« Nun tauchen in meinem Kopf irgendwelche Szenen aus dem Film auf, den ich gestern Abend gesehen habe. »Wie schottisch war der Akzent von Chris Pine als König Robert von Schottland?« Fragmente eines bizarren Traums kommen hoch, in dem ich nur ein Lendentuch aus Federn trug und im Flughafen von San Francisco für Tony Robbins Eier briet. Jetzt kommen mir Ideen, wie ich die Daten in einem wissenschaftlichen Artikel, an dem ich gerade schreibe, darlegen könnte: »T-Test oder eine Varianzanalyse?« Dieser Arthritisanfall Anfang der Woche: »Brauche ich womöglich eines Tages ein künstliches Knie?« Ich habe die Frist für einen Vortrag, den ich schreiben muss, nicht eingehalten: »Wird mir der Konferenzveranstalter noch so eine bissige E-Mail schicken?« Und noch eine Million weiterer Ablenkungen.
Sooft ich merke, dass das passiert, lenke ich meine Aufmerksamkeit zum Zentrum zurück. Es ist, wie wenn man einen Radiosender einstellt. Das Signal geht leicht verloren, und die Anzeige wandert schnell zu einem anderen Sender, der Angst und Stress aussendet. Aber ich weiß ja, wie sich der »Glückssender« anfühlt. Ich kenne die Musik, die er spielt, und weiß, wie mein Körper sich anfühlt, wenn ich mich darin versenke. Ich war schon so oft im Zentrum, deshalb kann ich den Sender normalerweise innerhalb von Minuten einstellen, nachdem ich die Augen zugemacht habe.
Also stelle ich mich jetzt wieder darauf ein. Ich spüre sofort, wie sich mein Bewusstsein ausdehnt – ein Gefühl des Verbundenseins mit dem ganzen Universum. Ich fühle mich willkommen, wie wenn ich zu Hause angekommen bin. Ich lebe an der »Bewusstseins-Adresse«, wo vollkommenes Wohlbefinden die einzige Realität ist.
Als ich mich wieder auf das Zentrum einstimme, durchströmt eine weitere Glückswelle mein Gehirn, meinen Geist und meinen Körper. Ich spüre, wie sich mein Bewusstsein über meinen normalen Seinszustand erhebt – wie ein Luftballon, der im Wind in den Himmel steigt – und auf ein Bewusstsein trifft und damit verschmilzt – ein Bewusstsein, das so weit und so groß ist, dass es kein Ende hat.
Ich weiß, das ist dieselbe Intelligenz, die i