: Gerd Tschechne
: Erinnerungen eines Veteranen (1904 - 1946)
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828035812
: 1
: CHF 8.70
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 232
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Gerd Tschechne wandelt für diesen autobiographischen Erinnerungsroman auf den Spuren der Vergangenheit und blickt zurück auf die schicksalhaften Jahre seiner Kindheit und Jugend während des NS-Regimes. Der Autor verwendet hierfür seine eigenen Tagebucheinträge als historisches Fundament. Dabei ist vor allem die persönliche Erzählperspektive lobenswert hervorzuheben, die Herrn Tscheches Gedanken und Emotionen in den Mittelpunkt rücken. Das Manuskript grenzt sich durch seine emotionale und hochwertige Sprache von drögen Geschichtsbüchern ab und präsentiert sich deshalb als ein intensiver Zeitzeugenbericht, der die Epoche anschaulich zum Leben erweckt. Somit fungiert das Werk als Zeitkapsel, welche in ihrer Funktion, die Vergangenheit zu konservieren, hohe Relevanz erhält.

Gerd Tschechne wurde 1925 in Storkow geboren. Mit 15 Jahren Besuch der militärischen Vorschule in Annaburg, dann Uffz.- Schule in Potsdam. Danach folgen Fronteinsatz und Verwundung. Nach Kriegsende gehrt Tschechne zurück nach Storkow. Im Jahr 1946 beginnt er einen Lehrgang für Neulehrer, um danach das Studium für Geografie und Sport aufzunehmen. 1947 folgt der Umzug nach Wolzig, wo Gerd Tschechne Schulleiter an der Zentralschule wird. Nach der Auflösung der Schule in Wolzig 1956 wird er als stellvertretender Schuldirektor in Friedersdorf eingesetzt. Tschechne war in seiner Heimat ein sehr bekannter und bei den Schülern sehr beliebter Lehrer. Neben seiner Lehrertätigkeit arbeitete Gerd Tschechne als Heimathistoriker und Schriftsteller. Er verfasste viele historische Beiträge über die Dörfer Wolzig, Blossin, Kolberg, Dol- genbrodt, Friedersdorf und andere interessante Regionen. Er war Mitglied des historischen Beirates der Stadt Storkow und im Heimatverein Wolzig. Gerd Tschechne hielt über 490 heimatbezogene Vorträge und verfasste zehn Broschüren.

Der Pimpf vom Dienst


Alle Kinder waren verpflichtet, den Pimpfen beizutreten. „Der Pimpf“ war die einzige Jugendorganisation, die von der Reichsregierung geduldet und gefördert wurde. Mädchen wurden im „Bund Deutscher Mädels“ verpflichtet, kurz „BDM“ genannt.

Meine Pimpfenzeit begann 1935 mit 10 Jahren und endete 1939, da war ich 14 Jahre alt. Was ich in diesen vier Jahren bei dem Jungvolk erlebte, hat mich sehr begeistert.

Ich gehörte einer Jungenschaft von ca. 10 Pimpfen an. Ein älterer Schüler war mein Jungenschaftsführer. Zu einem Jungzug gehörten mindestens 3 Jungenschaften, und 3 Jungzüge ergaben ein Fähnlein. Mein Dienst als Pimpf spielte sich vorwiegend in der Jungenschaft ab. Nur bei Umzügen und Aufmärschen nahm das Fähnlein geschlossen daran teil, wie zum Beispiel am 1. Mai.

Wir trugen alle die gleiche Pimpfbekleidung: Braunes Hemd, schwarzes Dreiecktuch mit Lederknoten, schwarze kurze Hose mit Koppel und Schulterriemen. Dann kamen noch die schwarze lange Skihose, eine schwarze Bluse, die schwarze Schirmmütze und das Fahrtenmesser, das am Koppel in einer Messerscheide getragen wurde, dazu. Später war ich stolz auf meine derben Lederschnürhalbschuhe (sogenannte Bundschuhe). Ich ließ die Sohlen benageln, die Absätze hufeisenartig beschlagen und die Sohlenspitzen mit Metallplättchen versehen. Verrückt, aber es war so - ich war 13 Jahre alt!

1934 hatte der Reichsverband für deutsche Jugendherbergen die Storkower Burg erworben und sie für ihre Zwecke um- und ausbauen lassen. Sie konnte dann im Oktober 1935 feierlich als „Märkische Jugendburg Storkow“ eingeweiht werden. Die Einweihung fand im größeren Rahmen st