Fliegen
Ich bin nie gerne früh aufgestanden, aber heute ist so ein Tag - vier Uhr morgens. Obwohl ich ihn nicht mehr brauche, steht ein Wecker auf meinem Nachttisch und zeigt bürokratisch korrekt die Zeit an. Das Fenster ist ein graues Rechteck, aus der Dunkelheit des Zimmers herausgeschnitten.
Zartes Fiepen draußen, der erste Vogel. Ich weiß nicht mehr, welche Vogelart morgens zuerst den Schnabel aufsperrt, um Langschläfern wie mir das Leben schwer zu machen: Hausrotschwanz, Amsel, Singdrossel, Rotkehlchen. Mein Vater hätte es gewusst, er war ein wandelndes Lexikon für alles, was mit Natur zu tun hat, und nicht nur dafür - egal, morgens um vier ist Vogelgezwitscher für Menschen wie mich nichts weiter als traumaustreibender Lärm. Aber heute höre ich es gern.
Ich lausche der kleinen Stimme, die gerade jetzt, in diesem Moment, das Singen neu erfindet. Manchmal wird sie rau wie Sandpapier, das immer neue klare, seidenglatte Töne herausschleift. Der Vogel kann nicht ahnen, welche Endorphine durch seinen Gesang in einem einsamen menschlichen Gehirn ausgeschüttet werden, er singt, weil er muss, weil sein genetischer Code ihm vorschreibt, auf diese Art sein Revier zu verteidigen und sein Weibchen bei Laune zu halten. Er verfolgt also ganz und gar eigennützige Interessen, während er mir so neben