: Pola Polanski
: Ich bin Virginia Woolf Roman
: Größenwahn Verlag
: 9783957712868
: 1
: CHF 9.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 200
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Inka Ziemer ist eine geniale Autorin. Nur hat sie nie ein Wort geschrieben. Sicher ist sie sich aber trotzdem, denn sie spürt, dass sie eigentlich Virginia Woolf ist. Der Roman taucht in die Welt einer Schizophrenie-Patientin ein. Der Leser folgt dem Wechselspiel zwischen Wahrnehmung und Realität. Was aus Inkas Perspektive vollkommen logisch und zusammenhängend erscheint, wird aus einem anderen Blickwinkel zu einer absurden Selbstinszenierung. Ein Text, der den Fragen nach Wahrnehmung, Realität und Identität nachgeht.

Pola Polanski ist 1966 in Ulm geboren und arbeitet in Stuttgart als Schriftstellerin, Bildende Künstlerin und Grafik-Designerin. 2008 erschien ihr Kurzgeschichtenbuch 'Amokkoma' im Verlag Knorr von Wolkenstein und 2020 ihre Romane 'Abschied' und 'Geile Farben' im Telescope-Verlag. www.polapolanski.de

2
Pico del Teide


Als das Flugzeug mit einem Schlingern und Dröhnen nach Teneriffa abhob, las Inka in einem Buch über den Anti-Terror-Kampf, wohl wissend, dass da noch zwei andere Bücher in ihrer Tasche waren, die sie weit mehr schätzte als dieses Sachbuch. Diese Bücher waren für sie das Großartigste, was ein Schriftsteller jemals hervorgebracht hatte. Sie las nur deshalb gerade nicht in einem dieser Bücher, um sie sich für ihren Urlaub aufzusparen. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie ihren Nachbarn, der einen Vollbart trug und in einem Buch über römische Geschichte las. Entweder ist er ein IS-Terrorist oder ein harmloser Student für klassische Archäologie, dachte Inka. Es war schon seltsam, wie sich die ModewelleVollbart mit der Ästhetik des politischen Islam vermischte.

Während sie überlegte, wie viel Ungeziefer sich wohl in so einem Bart einnisten könne, fragte die Stewardess, ob sie etwas essen wolle. Inka verneinte, bestellte sich aber eine Coke Zero. Doch das war offensichtlich nicht die beste Entscheidung, denn schon nach ein paar Schlucken aus der Dose verspürte sie unweigerlich den Drang, aufs Klo zu müssen. Kreidebleich stand sie auf, taumelte durch den engen Gang und bekämpfte den Drang, indem sie die Backen fest zusammenkniff. Endlich konnte sie die Toilette öffnen und sich erleichtern. Später hatte ihr ein Arzt erklärt, sie hätte mit den Jahren eine Unverträglichkeit auf Süßstoff entwickelt, wodurch es zu anfallartigen Durchfällen kam.

Auf ihren Platz zurückgekehrt bemerk