: Rainer Gross
: Flieg zum Regenbogen Roman
: Books on Demand
: 9783752616644
: Eine Lebensgeschichte
: 2
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 444
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Suchender. Ein Träumer, ein Dichter, ein Philo-soph. Ein Springinsfeld und Taugenichts. Motorrad-fahrer, Teetrinker und Pfeifenraucher. Ein Rebell mit verstecktem Philisterwunsch. Das ist Joachim Klein. Eine Existenz unter Milliarden, und doch einzigartig. Wie jeder Mensch. Sein Leben beginnt mit einem Armbruch, und schon als Kind träumt er von der weiten Welt. In der Ju-gend sucht er seinen eigenen Weg, ist mit seinem Moped unterwegs, sucht ein Mädchen, das ihn ver-steht, und sitzt im Zimmer seines Freundes, bei Barclay und Pink Floyd, und riecht den Duft der Räucherstäbchen. Der vorliegende Roman berichtet aus seinem Leben, aus Kindheit und Jugend 1962 bis 1984.

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Bisher u.a. erschienen: Grafeneck (2007, Glauser-Debüt-Preis 2008); Weiße Nächte (2008); Kettenacker (2011); Kelterblut (2012); Die Welt meiner Schwestern (2014); Yûomo (2014); Haus der Stille (2014); Schrödingers Kätzchen (2015); Haut (2015); My sweet Lord (2016); Die sechzigste Ansicht des Berges Fuji (2017); In der fernen Stadt (2017); Räucherstäbchenjahre (2018); Der Teehändler (2019); Er sollte nicht ahnen (2019); Lebkuchenstadt (2020); Schatzkiste (2020); Ein Nachmittag am Bondi Beach (2020).

11 Kinderseele


Robert Walser schreibt einmal in seinem ProsastückKleist in Thun über die Kindheit:Dunkel ist es und klein, klein. Das trifft besonders auf Joachim zu.

Vielleicht gibt es solche Momente in jedem Kinderleben, Momente, die still und unerkannt vorbei gehen. Die kein Kind erzählt, weil es zu befangen ist von seiner eigenen Seele, weil es solche Momente für normal hält oder gottgegeben oder unabänderlich.

Augenblicke, in denen sich die Realität leicht verschiebt, mit einem Anflug von Melancholie und Beklemmung, mit einem Weltschmerz, der einem Erwachsenen anstünde.

Solche Augenblicke kannte Joachim.

Er dachte über sie nach.

Erwachsene, wenn sie davon hörten, mussten lachen, weil es so drollig altklug klang.

Aber es war nicht zum Lachen.

Joachim badete gern in der Badewanne. Das Wasser war grün vom Schaumbad und heiß.

Als der Vater noch mit in der Wanne saß, erzählte der immer die Geschichte von dem Mann, der einen Schwamm hatte.Es war einmal ein Mann, der hatte einen Schwamm.

Joachim gefiel die Geschichte sehr. Eine seltsame Geschichte, und diese Seltsamkeit vermittelte ihm eine Abseite der Welt, die er mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis nahm.

Einerseits entzückte sie ihn, weil sie lustig war; andererseits steckte hinter dem Spaß ein verstörender Ernst.