11 Kinderseele
Robert Walser schreibt einmal in seinem ProsastückKleist in Thun über die Kindheit:Dunkel ist es und klein, klein. Das trifft besonders auf Joachim zu.
Vielleicht gibt es solche Momente in jedem Kinderleben, Momente, die still und unerkannt vorbei gehen. Die kein Kind erzählt, weil es zu befangen ist von seiner eigenen Seele, weil es solche Momente für normal hält oder gottgegeben oder unabänderlich.
Augenblicke, in denen sich die Realität leicht verschiebt, mit einem Anflug von Melancholie und Beklemmung, mit einem Weltschmerz, der einem Erwachsenen anstünde.
Solche Augenblicke kannte Joachim.
Er dachte über sie nach.
Erwachsene, wenn sie davon hörten, mussten lachen, weil es so drollig altklug klang.
Aber es war nicht zum Lachen.
Joachim badete gern in der Badewanne. Das Wasser war grün vom Schaumbad und heiß.
Als der Vater noch mit in der Wanne saß, erzählte der immer die Geschichte von dem Mann, der einen Schwamm hatte.Es war einmal ein Mann, der hatte einen Schwamm.
Joachim gefiel die Geschichte sehr. Eine seltsame Geschichte, und diese Seltsamkeit vermittelte ihm eine Abseite der Welt, die er mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis nahm.
Einerseits entzückte sie ihn, weil sie lustig war; andererseits steckte hinter dem Spaß ein verstörender Ernst.