: Michael Müller
: David Molin
: Narrennarrative Herr X. und sein Elch
: Books on Demand
: 9783752693805
: 1
: CHF 4.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 222
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Den Hintergrund von Müllers Zweitlingswerk liefert die jüngste Vergangenheit: Frau Merkel will in Ruhe Altkanzlerin werden als plötzlich ein Virus alles durcheinanderwirbelt. Davor spielen sich zwei Knallköpfe gegenseitig die Bälle zu, wobei man sich vergeblich fragt, wer wessen alter ego ist: ein gewisser, jedoch im Ungewissen bleibender Herr X. oder sein digitales Haustier, ein Elch. Beiden ist gemeinsam, dass sie ihre besten Zeiten längst hinter sich haben und zum Schwadronieren neigen. Was sie dabei alles von sich geben, spottet jeder landläufigen Komik, passt in keine Schublade und ist weitgehend politisch unkorrekt. Wer zu Kopfschütteln neigt, lege eine Halskrause an, wer unter hohem Blutdruck leidet, alle paar Seiten längere Pausen ein. Die meisten werden in Herrn X. und seinem Elch vaterlandslose Gesellen etc. sehen und sie verabscheuen, einige wenige sie genau dafür lieben. Das reicht nicht für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Autor offensichtlich schon.

Wer einen Allerweltsnamen als Pseudonym wählt, tut das nicht ohne Grund. Im Übrigen fühlt sich der Autot zu alt, um noch in den Literaturbetrieb hineinzuwachsen.

Herr X. wollte sich von seinem Stichwortgeber nicht ablenken lassen und grübelte weiter: Kann es eine entlarvendere Formulierung geben alsscharfe Barmherzigkeit?

Eine bösartigere? Eine bigottere? Von da bis zu einem LIEBEVOLLEN VERGASEN fehlt nicht mehr viel. Einen eingefleischten Christen wie Frank-Walter ficht das nicht an. Dass er mit Barmherzigkeit seinerseits wenig anfangen kann, wurde im Fall Murat Kurnaz deutlich, einem in Deutschland geborenen und zur Schule gegangenen Türken, der eine verdächtige Kopfbedeckung trug (wie ein gehäkelter Topflappen, nur rund!) und dessen Bart viermal so lang war wie der von Bin Laden. Was Wunder, dass ihn Menschen mit schlichter Denkungsart für viermal so gefährlich hielten. Ein Kopfgeld von 3000 Dollar sorgte dafür, dass er in Guantanamo landete, der amerikanischen Variante eines KZs, dessen Auflösung zu den gebrochenen Versprechen Obamas gehörte, der dafür als Entschädigung den Friedensnobelpreis bekam. Obwohl schließlich sowohl die CIA als auch der BND Kurnaz als unschuldig einstuften, weigerte sich Frank-Walter, damals politisch verantwortlich, ihn in Deutschland einreisen zu lassen. Und er steht heute noch dazu: