Kapitel 2
Wie jeden Freitagmorgen füllte Runhild die Pottasche des Buchenholzes in Leinenbeutel und gab diese in ihren größten Eimer. Zusätzlich mit dem Korb voller Schmutzwäsche unter dem Arm, marschierte sie kurz darauf mit Juliana, der Abdeckerin und eine ihrer wenigen Freundinnen, zu dem Platz neben der Brücke. Wie immer waren sie unter sich, denn die anderen Weiber wuschen samstags. Die Wäschekörbe ließen sie am Ufer auf das Gras sacken und die Eimer tauchten sie mitsamt den Beuteln ins Wasser. Langsam bildete die auflösende Asche eine glänzende Schicht. Bis die Lauge soweit war, blieb ihnen Zeit für ein gemütliches Schwätzchen.
Sie tauschten sich über die zunehmenden Pilgerströme aus, die auch geschäftstüchtige Betrüger anzogen. Einen davon musste Meinulf am Vortag auspeitschen. Der gab vor, ein Reliquienhändler zu sein. Ihm war im Übereifer ein dritter Daumen des Heiligen Franziskus aus der Tasche gefallen. Und das vor den Augen des Stadtpfarrers, der sich gebärdet haben solle wie ein Schankwirt bei einem Zechpreller.
»Der Hund vom Bäcker bekam die scheinheiligen Knochen und die Wachen den Schwindler.« Runhild lachte. Bei ihrem nächsten Gedanken verging es ihr. »Nächsten Sonntag wird schon die dritte Messe für den Kutten-Konrad gelesen.« Sie verschwieg selbst ihrer Freundin gegenüber Meinulfs Anteil an dessen Tod. Und gehört hatten sie vom Erzbischof auch noch nichts. Ob der sich an sein Versprechen hielt?
»Die Wochen vergehen so schnell, wie ein Vogel fliegt.« Juliana pflückte sich Sauerampfer und biss hinein. »Hinter der westlichen Stadtmauer bauen sie schon wieder ein Haus, das hat der Seifensieder meinem Georg erzählt. Bald müssen sie die Mauer ausbauen.« Mit der flachen Hand klatschte sie auf die Wasseroberfläche im Eimer. »Den Bläschen nach können wir anfangen. Das Plaudern war der vergnügliche Teil, jetzt geht es ans Walken und Rubbeln.«
Runhild stimmte ihrer Freundin zu. »Im Badehaus hab ich lieber die Weiber eingeseift statt die Wäsche. Die Aschelauge trocknet die Hände mächtig aus. Aber dagegen gibt’s Ringelblumensalbe.«
»Oh ja, als Tochter eines adeligen Herren muss des Henkers Weib natürlich zarte Finger haben, im Gegensatz zum arbeitenden Volk.« Juliana zwinkerte ihr grinsend zu und erntete von Runhild einen Wasserschwall.
»Du weißt genau, wie hart ich arbeite. Das macht mir auch nichts aus, wenn die Leute uns nur nicht verachten würden.«
Ihren Unmut ließ sie an der Wäsche aus, walkte mit aller Kraft die Stücke durch und rieb ungeduldig die fleckigen Stellen, bis in den aufgequollenen und mit Schaum bedeckten Fasern kein Schmutz mehr zu sehen war. Ihr Tun ließ sie ruhiger werden.
»Wenn wir fertig sind«, Runhild wischte sich über die Stirn, »können wir das, was wir jetzt tragen, gleich mitwaschen.« Sie streckte sich und bog den Rücken weit nach hinten.
Juliana lachte. »Von der Hitze her könnten wir rumlaufen, wie der Herrgott uns schuf. Und grad bei deinem Anblick würden sich die Mannsbilder nicht sattsehen.«
»Gott bewahre. Meinen bloßen Leib zeig ich nur Meinulf. Außerdem, wenn wir endlich Gnade erhalten, sollen uns die Leute auch mit Achtung behandeln.«
Die Abdeckerin kniete sich dicht ans Wasser, um das Wäschestück auszuwaschen. Kurz darauf tat Runhild es ihr glei