: Christina Bacher, Nadine Buranaseda, Jürgen Ehlers, Angela Eßer, Anja Feldhorst, Christiane Franke,
: Angela Eßer
: Mords-Töwerland
: Gmeiner-Verlag
: 9783839268384
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 310
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Kaum zu glauben, dass das idyllische Töwerland, wie die Nordseeinsel Juist auch genannt wird, dunkle Seiten haben soll. Doch achtzehn Krimiautorinnen und -autoren haben kreuz und quer über die wunderbare Insel gemordet, gestohlen und betrogen. Endlich wird das dunkle Geheimnis der Windharfe auf dem Otto-Leege-Pfad aufgedeckt, erfahren wir von einer tödlichen Bedrohung in der »Spelunke« und gehen mit der Inselpolizistin auf wilde Verbrecherjagd ...

Angela Eßer wurde in Krefeld geboren und studierte Theaterwissenschaft in München. Sie ist Autorin, Herausgeberin von Krimi-Anthologien, veranstaltet Krimi-Kochkurse, betreut Krimi-Festivals, ist Initiatorin von 'Bloody Cover' und war langjährige Sprecherin des »Syndikats«, der Autorenvereinigung deutschsprachiger Kriminalliteratur. Die Autorin war bereits für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Kurzkrimi nominiert. 2018 war sie als Stipendiatin auf Juist und hat sich sofort mit Haut und Haaren in die Insel verliebt. Mehr Infos unter www.angelaesser.de Vita Neu (17.12.2019) - nur Herausgeber Anthologie: Angela Eßer wurde in Krefeld geboren und studierte Theaterwissenschaft in München. Sie ist Autorin, Herausgeberin, Initiatorin von 'Bloody Cover' und veranstaltet Krimi-Kochkurse. Außerdem ist sie Mitveranstalterin von 'SKRIVA - literatur werkstatt köln' und dem 'Barcamp Literatur München'. www.angelaesser.de

Juist sehen und sterben


Su Turhan


In dieser Sturmnacht im Februar flackerte der Vollmond wie ein Filmprojektor. Einem Zelluloidstreifen gleich zogen Wolkenberge und Regenzüge an dem Himmelskörper vorüber. Statt einem Knattern begleiteten Donnerschläge und Blitztiraden den Auswurf fahler Strahlen. Doch das Mondlicht fiel auf keine Filmkulisse. Es beleuchtete ein Schnellboot, das, von wütenden Wellen getragen, den Strand erreichte. Sieben erschöpfte Gestalten in Kampfmontur mitsamt ihrem Anführer sprangen aus dem Boot. Knapp waren sie dem Tod auf hoher See entronnen. Zornig und rau war das Meer mit ihnen umgegangen. Wetter und Seegang standen im Bund mit denen, die ihnen auf den Fersen waren. Wie die Technik. Ein Motorschaden hatte ihren Fluchtplan durchkreuzt. Es war ihnen unmöglich gewesen, die Jacht, die sie nach Holland bringen sollte, zu erreichen.

»Weg mit dem Boot!«, schrie der Anführer gegen den Sturm.

Die Männer mobilisierten die letzten Kräfte und zogen das Boot auf das offene Meer zurück. Zwei rannten mit Gewehren im Anschlag zur Düne, um die Aktion abzusichern. Der Anführer folgte ihnen und warf sich in den Sand. »Macht mir das ab, schnell«, raunzte er die zwei Frauen an.

Die eine, groß und kräftig, mit braunen Haaren, die unter der hochgezogenen Sturmhaube hervorlugten, griff zur Zange in der Seitentasche. Ratsch. Ratsch. Das Plastik der Handfesseln war entzwei. Er rieb sich die geröteten Handgelenke.

»Wie heißt du?«, fragte er sie.

»Wie willst du denn, dass ich heiße?«, entgegnete sie mit holländischem Akzent. Regentropfen massierten ihre vor Kälte gestrafften Wangen. Sie wischte sie mit dem Handrücken weg.

Er überlegte, wie er sie nennen könnte.

Seinen Namen wusste jeder, der mit ihm im Boot beinahe ertrunken wäre. Doch er kannte niemanden von der angeheuerten Crew. Da packte ihn die andere Frau, weniger kräftig, dafür sportlich und drahtig, und zog ihn mit sich.

»Wir sollten hier weg«, sagte sie und blickte dabei auf die Karte auf dem Tablet, das sie aus dem wasserfesten Rucksack geholt hatte. »Ein Stück weiter vorne ist ein Aufgang.«

Die Truppe stampfte los und erreichte den Strandweg, der zu einer asphaltierten Straße führte.

Plötzlich, auf Kommando der Sportlichen, warfen sie sich allesamt auf den nach Salz und Muscheln riechenden Sandstrand. Sie klappte das Nachtsichtgerät herunter, um ein Licht in der Ferne in Augenschein zu nehmen.

»Ein Mann mit Taschenlampe auf neun Uhr! Um die 50, 1,80 etwa. Unbewaffnet, so weit ich das bei dem Scheißwetter sehen kann.« Sie duckte sich tiefer. »Er kommt auf uns zu.« Dann zischte sie: »In Deckung, a cubierto, rápido!«

Die Frauen und Männer kauerten sich zusammen und lauschten dem tosenden Unwetter. Die Wellen waren zornig und uneinsichtig. Ununterbrochen versuchten sie, dem Meeresbecken zu entfliehen.

Der Mann mit Taschenlampe legte eine Pause im Kampf gegen die Naturgewalten ein. Er holte Atem und schob sein Gefährt gegen den Sturm. Zwei Schritte später zog ein schwarzer, großer Fleck, der auf den Wellen tänzelte, seine Aufmerksamkeit auf sich. Vermutlich Strandgut, freute er sich. Er ließ Fahrrad samt Bollerwagen zurück und kämpfte sich gegen den Peitschregen aus flüssigen Pfeilen über den Strandweg. Die tänzelnden Konturen auf dem Meer formten sich zu einem Umriss. Ein schnittiges Motorboot erkannte er und blickte sich um. Da war niemand in der stürmischen Nacht. Niemand, außer der dunklen, m