: Anton Ohorn
: Klaus-Dieter Sedlacek
: Losgesagt von Rom Seelische Konflikte eines Priesters
: Books on Demand
: 9783752652765
: 2
: CHF 8.70
:
: Literatur: Allgemeines, Nachschlagewerke
: German
: 288
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Aufstellung des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit in Rom war ein Ereignis, welches die Gemüter der ganzen gebildeten Welt bewegte und die Herzen der katholischen Christen mit bangen Zweifeln und mit Schmerz erfüllte. Schwere Seelenkämpfe wurden daraufhin von manchem Katholiken und manchem katholischen Priester durchlitten. Dokumentarisch aber im Romanstil schildert der Autor Seelenqualen, Empfindungen und Verhältnisse des katholischen Klerus, sein Leben, seine Anschauungen und sein Handeln. Die Gestalten der Erzählung sind wirkliche Typen und gezeichnet ohne jede Gehässigkeit. Wie wird sich der Protagonist, ein katholischer Priester entscheiden, um sich und seiner hübschen Gertrud, ein Leben ohne schwere Seelenkämpfe zu ermöglichen? Der Roman hat seit seiner Entstehung nichts von seiner Aktualität der behandelten Themen verloren. Die Geschichte erhebt den Anspruch darauf, wahr zu sein und Verhältnisse zu schildern, die dem Leben entnommen sind.

Anton Joseph Ohorn war Lehrer, Dichter und Schriftsteller. Nachdem er das Gymnasium von Böhmisch-Leipa absolviert hatte, trat er in das Prämonstratenser-Chorherrenst ft in Tepl ein und empfing dort mit 24 Jahren die Priesterweihe. Mit Erlaubnis seines Ordens konnte Ohorn fünf Jahre in Prag Theologie, Geschichte und Germanistik studieren. Er schloss sein Studium mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Aus einer Krise wuchsen immer größere Probleme mit der Amtskirche und dem katholischen Glauben, sodass Ohorn zum Protestantismus konvertierte. Danach lehrte er Deutsch und Literaturgeschichte an den Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz (heute Technische Universität Chemnitz), wo man ihm den Titel Professor verlieh. An seinem 60. Geburtstag ernannte ihn die Stadt Chemnitz zu ihrem Ehrenbürger.

ERSTES KAPITEL.


Feierlicher Glockenklang zog weit hinein ins Land. Blauer Himmel lag über der Erde; auf den Feldern wiegten sich schwer die goldgelben Ähren, reif für den Sensenschnitt, und auf den Straßen und den grünen Wiesensteigen kamen von allen Seiten Leute im Sonntagsstaat heran nach der kleinen, freundlichen Stadt, die im Thale lag.

Sie hatte ein altertümlich-trauliches Gesicht. Der Rest einer alten, verwitterten Mauer drängte sich da und dort aus grünen Gartengehegen hervor, ein dicker, schwerfälliger Kirchturm sah hoch hinaus über die aneinandergedrückten roten und grauen Dächer und über den bescheidenen Genossen, der das kleine Kloster der Bettelmönche am letzten Ende des Städtchens überragte.

Und die Glocke läutete noch immer mit langsamen, aber vollen und weichen Schlägen, als ob sie gute Botschaft zu sagen hätte.

Auf der hochgelegenen Straße, von der man in die sonnige Landschaft und auf die wandernden Menschen ringsum schauen konnte, saß bei einem Kapellchen auf einer Steinbank ein fahrender Gesell. Der erhob sich, als jetzt eine kleine Schar von Landleuten herankam, lüftete zum Gruß seine Kappe, rückte sich das Ränzel zurecht auf dem Rücken und fragte:

»Mit Verlaub, da unten wird wohl heute ein besonderes Fest gefeiert?«

Der weißhaarige Bauer, welcher mit seinem Weibe dem Zug voranging, stützte sich einen Augenblick auf seinen Weißdornstecken, sah sich den Burschen an, und weil er ihm zu gefallen schien, sagte er im Weiterschreiten – denn er setzte voraus, dass der andere sich ihm anschließen wolle:

»Des seligen SportelschreibersFrohwalt Sohn hat heute seine Primiz, sein erstes heiliges Messopfer. Ein solch' Fest ist seit langen Jahren nicht mehr hier gewesen und darum kom