ERSTES KAPITEL.
Feierlicher Glockenklang zog weit hinein ins Land. Blauer Himmel lag über der Erde; auf den Feldern wiegten sich schwer die goldgelben Ähren, reif für den Sensenschnitt, und auf den Straßen und den grünen Wiesensteigen kamen von allen Seiten Leute im Sonntagsstaat heran nach der kleinen, freundlichen Stadt, die im Thale lag.
Sie hatte ein altertümlich-trauliches Gesicht. Der Rest einer alten, verwitterten Mauer drängte sich da und dort aus grünen Gartengehegen hervor, ein dicker, schwerfälliger Kirchturm sah hoch hinaus über die aneinandergedrückten roten und grauen Dächer und über den bescheidenen Genossen, der das kleine Kloster der Bettelmönche am letzten Ende des Städtchens überragte.
Und die Glocke läutete noch immer mit langsamen, aber vollen und weichen Schlägen, als ob sie gute Botschaft zu sagen hätte.
Auf der hochgelegenen Straße, von der man in die sonnige Landschaft und auf die wandernden Menschen ringsum schauen konnte, saß bei einem Kapellchen auf einer Steinbank ein fahrender Gesell. Der erhob sich, als jetzt eine kleine Schar von Landleuten herankam, lüftete zum Gruß seine Kappe, rückte sich das Ränzel zurecht auf dem Rücken und fragte:
»Mit Verlaub, da unten wird wohl heute ein besonderes Fest gefeiert?«
Der weißhaarige Bauer, welcher mit seinem Weibe dem Zug voranging, stützte sich einen Augenblick auf seinen Weißdornstecken, sah sich den Burschen an, und weil er ihm zu gefallen schien, sagte er im Weiterschreiten – denn er setzte voraus, dass der andere sich ihm anschließen wolle:
»Des seligen SportelschreibersFrohwalt Sohn hat heute seine Primiz, sein erstes heiliges Messopfer. Ein solch' Fest ist seit langen Jahren nicht mehr hier gewesen und darum kom