Der Irrläufer
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Andreas Gößling
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Der Irrläufer
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MayaMedia Verlag
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9783944488493
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1
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CHF 11.50
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Krimis, Thriller, Spionage
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German
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560
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kein Kopierschutz
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB
Sommer 1987: Der junge Spiele-Erfinder Georg Kroning hat ein bizarres Brettspiel entwickelt. Als er das Irrläufer-Spiel mithilfe einer Agentur vermarkten will, scheint es sich zu verselbstständigen: In Georgs Umgebung kommt es zu rätselhaften Todesfällen, die sich allesamt nach den Regeln seines Spiels zu ereignen scheinen. Handelt es sich um spukhafte Zufälle, ist Georg ein psychopathischer Mörder - oder werden durch das Spiel Kräfte freigesetzt, die in einem düsteren Familiengeheimnis viele Jahre lang gebunden waren? »Die oft atemberaubende Handlung einschließlich treffsicher gezeichneter Milieus hat alle Qualitäten eines film noir; doch das Unheimliche dieses Romans und wohl auch seine Raffinesse bestehen darin, dass den Leser trotz einer Romanwelt, die alles zu bieten hat, was spannende Lektüre ausmacht, immer wieder das Gefühl beschleicht, selbst einem Spiel mit unbekannten Regeln zu folgen (...) 'Der Irrläufer' ist ein ungewöhnliches und großartiges Buch.« Prof. Eva Geulen, Humboldt-Universität Berlin »Sinnlich, mysteriös, grausam und bis zur letzten Zeile fesselnd.« (Gisbert Haefs über Die Maya-Priesterin) »Ein teuflisch guter Roman.« (histo-couch.de über Faust, der Magier) »Ein sagenhaft spannender Thriller.« (»Berliner Morgenpost« über Wolfswut) »Ein genialer Fantasy-Detektiv-Roman.« (»Nautilus« über Der Ruf der Schlange)
Andreas Gößling, geboren 1958 in Gelnhausen. Der promovierte Literatur- und Kommunikationswissenschafter beschäftigt sich seit vielen Jahren mit kultur- und mythengeschichtlichen Themen. Neben Romanen für erwachsene und junge Leser hat er zahlreiche Sachbücher publiziert und Forschungsreisen unter anderem im karibischen und südostasiatischen Raum unternommen. Andreas Gößling lebt mit seiner Frau, der Autorin und Sprachdozentin Anne Löhr-Gößling, bei Berlin.
Andreas Gößling Der Irrläufer Roman Edition Marbuelis - Band 1 (c) 2020 Edition Marbuelis im Verlag MayaMedia, Berllin Dem größten Spieler Eins: Tannenschatten 1 Am letzten Maimittwoch trat Georg gegen neun Uhr früh aus dem hohen, dämmrigen Mietshaus im Züricher Außersihlquartier. Mit Anzug und Koffer kam er sich wie ein Geschäftsreisender vor, der beispielsweise eine Musterkollektion modischer Tarnkappen mit sich herumschleppte. Während er auf die Schattenseite überwechselte, amüsierte er sich einige Augenblicke mit dieser Idee - wie einer sich nicht mit den Tarnkappen, sondern raffinierter als deren Händler tarnte. Daraus müsste man ein Spiel machen, dachte er, obwohl er keinen Schimmer hatte, was für ein Spiel. Immerhin waren die Spiele sein Beruf, mit dem er allerdings bis heute keinen Pfennig oder Rappen verdient hatte. Fast zwei Jahre lang hatte er vergeblich versucht, sein Irrläufer-Spiel an einen Spieleproduzenten zu verkaufen. Wenn er heute nicht mit Härtel& Rossi übereinkam, konnte er gleich seine Sachen packen, seine Mansarde und sein ganzes bisheriges Leben aufgeben und als schmählich Gescheiterter zurück zu seinen Eltern nach Deutschland fahren. Nüchtern betrachtet war seine Lage nicht amüsant, sondern mehr oder weniger verzweifelt. Der Aufgang zur Agentur lag halb versteckt in einer Passage. Links glitzerte ein winziges Juwelierfenster, rechts bauschten sich Zeitungen im blechernen Kioskkarussell. Auf dem Messingschild stand 4. Etage St. Härtel& Fr. Rossi Internationale Agentur Kulturelle Transfers Realisationen aller Art Zürich - Rom - Tokio - New York Georg zwängte sich durch den Türspalt und drückte auf den Liftknopf. Während er in die vibrierende Zelle trat, überlegte er allen Ernstes, vielleicht wäre es besser, umzukehren und die ganze Sache zu vergessen. Unangenehm war ja nicht, dass er sich in dem grauen Flanellanzug verkleidet fühlte, sondern dass er spürte, er beherrschte die Rolle nicht, für die er kostümiert war. Seit Wochen hatte er mit keinem Menschen geredet, höchstens alle paar Tage mit Alex. Und Alex - na ja, manchmal war er nicht sicher, ob Alex wirklich existierte. Oben gab es keine Klingel, allerdings eine Variante des Firmenschildes: Härtel& Rossi - Realisationen und Transfers. Er stellte seinen Koffer ab und pochte gegen die schwarze Flügeltür. Drinnen klapperten Klinken, ein Schlüsselbund klirrte herbei. Schritte hörte man gar nicht. Der Schlüssel drehte sich knirschend, dann schwang die Tür auf. Im Rahmen stand eine schmale, klein gewachsene Frau, die pechschwarz gekleidet und leuchtend grün geschminkt war. Schwarz war auch ihr Haar, das sich südländisch kraus von Schläfen und Stirn absträubte und als schwerer, breit geflochtener Zopf über ihre linke Schulter floss. »Mein Name ist Georg Kroning. Ich bin mit Herrn Härtel verabredet.« Seine Stimme klang belegt und schwankend. »Francesca Rossi.« Sie warf Georg einen erstaunten Blick zu, den er lächelnd erwiderte. »Sie sind überraschend jung, Herr Kroning.« Sie sprach mit italienischem Akzent, der die deutschen Wörter taumeln ließ. Georg nahm seinen Koffer auf und folgte ihr durch einen schmalen, düsteren Gang, der sich mehrfach überraschend krümmte, als wüsste er selbst nicht recht, wohin. Der Agent Fr. Rossi war also eine Frau, dachte er. Francesca war sicher nicht viel älter als er selbst - höchstens zwei- oder dreiundzwanzig. Um ihren schmalen Körper spannte sich ein schwarzes, über Rücken und Brust tief ausgeschnittenes Kleid, dessen enger Saum sie zu Trippelschritten nötigte. Auf ihrem Rücken schwang rhythmisch der Zopf, schwer und mattschwarz wie sein eigenes Haar, das Georg gegen jede Mode schulterlang trug. »Hier entlang, bitte.« Sie traten in ein geräumiges, karg möbliertes Büro. Das schmale Fenster hinter der Jalousie wies auf einen Mauerschacht, aus dem Milchlicht sickerte. Einen träg quirlenden Ventilator umschließend, surrte unter der Decke ein bleiches Neonquadrat. Den Boden bedeckten betongrau lackierte Bohlen, auf denen sich links eine klinisch wirkende schwarze Ledercouch, rechts ein chrom- und glasblitzender Schreibtisch erhoben. Zwei oder drei bleifarbene Metalltischchen waren ohne erkennbaren Zweck im Raum verteilt. »Nehmen Sie Kaffee, Herr Kroning? Übrigens müssen Sie heute mit mir vorliebnehmen. Härtel musste überraschend nach New York fliegen; ich erwarte ihn frühestens morgen zurück. Aber keine Sorge, ich bin über alles informiert.« Georg nickte lächelnd. Statt Kaffee sagte Francesca Kaffä, und Sorge klang bei ihr wie Sorrke. Da sie praktisch jedes Wort falsch aussprach, wirkten ihre Sätze zweideutig, obwohl die Nebenbedeutungen diffus blieben wie Bilder und Gebärden in Träumen. »Und ziehen Sie doch diese dicke Jacke aus. Seien Sie ganz ungeniert. Es ist fürchterlich warm hier.« Als sie ihm den Koffer aus der Hand nahm, streiften ihre kühlen, grün manikürten Finger seinen Handrücken. Sie legte den Kopf zurück und lächelte ihn schleierhaft an, wobei ihre meergrünen Lider sich über die Augenhöhlen senkten. Dann trippelte sie nach links zur Couch und ließ seinen Koffer achtlos aufs Polster fallen, sodass drinnen die tönernen Irrläufer-Figuren aneinander schlugen. »Schauen Sie sich ruhig ein wenig um, während ich versuche, die Kaffeemaschine in Schwung zu bringen.« Obwohl er die Hitze unter dem grauen Flanell fast fauchen hörte, beschloss Georg, seine dicke Jacke anzubehalten. Kein Grund zur Nervosität, sagte er sich wieder, aber in seinem Magen ballte sich eine Art Drahtbüschel, das schwache Stromstöße durchzuckten. An den gekälkten Wänden hingen grellfarbene Plakate. Eines zeigte eine Gruppe düsterer Steinskulpturen, ein weiteres einen bleich feixenden Clown. Seltsam war das an der linken Schmalwand prangende Poster. Ein anscheinend gänzlich nackter Schwarzer schlug mit beiden Fäusten ekstatisch auf eine kleine, um seine Hüften geschnallte Felltrommel ein, die sein Geschlechtsteil verbarg oder vielleicht umwölbte. Das vierte, schief über dem Schreibtisch hängende Plakat hatte Georg schon einmal gesehen. Großflächig zeigte es eine zerklüftete Felslandschaft; Felsnasen spießten eine trübgrün versinkende Sonne auf. Im Vordergrund bohrte sich ein von Fackeln düster erleuchteter Stollen schräg ins Gestein. Von rechts fiel der Schatten eines schmächtigen, seinerseits unsichtbaren Menschen ins Bild, der sich offenbar anschickte, in den Stollen zu kriechen. Das Plakat warb für das Geheimgang-Spiel, das die Agentur Härtel& Rossi vor einigen Monaten mit einer groß angelegten Kampagne herausgebracht hatte. Auf dem Schreibtisch lag eine Zeitschrift, die das Geheimgang-Plakat als Titelbild brachte. Georg blätterte sie mechanisch auf, obwohl er den Artikel fast auswendig kannte. Es war die März-Nummer des Fachmagazins Welt des Spiels, auf das er seit seinem vierzehnten Lebensjahr abonniert war. »Den Bericht kennen Sie wahrscheinlich schon.« Georg fuhr zusammen. Als er sich umwandte, saß Francesca auf der klinisch wirkenden Couch und balancierte ein Chromtablett auf den Knien. Kaffee dampfte in Glastassen, zwischen zwei winzigen Kelchen schwankte eine Flasche Grand Marnier. »Ja, natürlich«, sagte Georg. »Ich lese die Welt regelmäßig.« »Sie sagen einfach Welt?«, fragte Francesca mit einem Lachen. »Das ist originell, zumal es ja eine deutsche Zeitung gibt, die sich wirklich einfach Welt nennt. Sie kommen doch aus Deutschland, Georg?« »Ja«, sagte er wieder. »Meine Eltern wohnen in Lerdeck, einem Taunusstädtchen in der Nähe von Frankfurt am Main. Sie werden den Namen wahrscheinlich noch nie gehört haben. Früher gab es dort ein berühmtes Spielcasino, aber heute ist Lerdeck einfach so ein Villengeschwür für Millionäre.« Übrigens lese er keine gewöhnlichen Zeitungen, fügte er hinzu. Lächelnd schüttelte Francesca den Kopf. »Was fange ich nur mit diesem Tablett an? Wir sind fürchterlich unpraktisch eingerichtet - sehr chic, aber man kann nicht einmal eine Tasse abstellen.« Mit einem komischen Seufzer schob sie das Tablett neben sich auf Georgs Koffer, der flach auf dem Polster lag. Sie stand auf, nahm die schlanken Tassen und kam mit Trippelschritten auf Georg zu, der am Schreibtisch lehnte, die Welt des Spiels in der schlaff hängenden linken Hand. »Hier, nehmen Sie Ihren Kaffä. Leben Sie schon lange in Zürich?« »Im Juni werden es zwei Jahre«, erwiderte Georg. Da seine Eltern ihm als Abiturgeschenk ein Schweizer Konto mit einem Guthaben von dreißigtausend Franken eingerichtet hatten, war er unmittelbar nach den Prüfungen in die Schweiz übersiedelt. Zürich war die Stadt der Spiele, in der ein halbes Dutzend großer Spieleproduzenten residierten. Obwohl er in den zwei Jahren einige wirklich gute Spiele entworfen hatte, war es doch auch eine Zeit der Niederlagen, Enttäuschungen und Heimlichkeiten gewesen. Beispielsweise glaubten seine Eltern bis heute, dass er im ersten Jahr nach den Abiturprüfungen durch halb Europa gereist und dann mehr oder weniger zufällig in Zürich gestrandet war. Die Vorstellung, dass ihr Sohn sich auf eine klassische Bildungsreise begab, hatte ihnen geschmeichelt. Da ihnen seine Leidenschaft für Spiele immer verdächtig gewesen war, hätten sie ihm zweifellos keinen Pfennig gegeben, wenn er ihnen offen gesagt hätte, wofür er das Geld brauchte. »Wenn es Ihnen recht ist«, hörte er Francescas raue, fremd modulierende Stimme, »will ich Ihnen zunächst ein bisschen über Härtel& Rossi erzählen, damit Sie ungefähr wissen, wem Sie sich anvertrauen.« »Gern«, murmelte er. Sein Guthaben war auf drei- oder viertausend Franken zusammengeschrumpft. Wie er das zweifellos monströse Honorar der Agentur aufbringen sollte, war vorläufig schleierhaft - im Moment begriff er selbst nicht, wie er jemals hatte hoffen können, dass seine Eltern ihm noch einmal aushelfen würden. »Am besten fangen wir dort an.« Francesca packte ihn beim Ärmel und zog ihn nach links zu dem Plakat, das die Steinskulpturen zeigte. Über ihren Köpfen brummte und schwappte träg der Ventilator. Es war entsetzlich heiß in dem seltsam kühl möblierten Büro. »Vor der Gundlach-Kampagne haben wir fast nur solche Sachen gemacht.« Sie schwenkte ihre Tasse gegen die Skulpturen, die in ihrer verkrampften Starre weniger feindselig als hilflos und fast ängstlich wirkten. Eine Gruppe grauer, grob behauener Steinriesen wandte dem Betrachter die schorfigen Rücken zu. Obwohl es überall kleinere oder größere Lücken zwischen den Rücken gab, versuchte man vergeblich, sich mit Blicken in die Gruppe zu drängen, deren Gesichter unkenntlich blieben. »Bertonis berühmte Ausstellung der Felsenmenschen im Züricher Kunsthaus. Wir haben die Ausstellung organisiert, die anschließend um die halbe Welt gewandert ist. Natürlich werden Sie davon gehört haben. Stefan - ich meine, Härtel - kennt Bertoni von der römischen Kunstakademie. Und für mich ist Sergio Bertoni ein serr, serr guter Freund, wenn Sie verstehen, Georg.« Er beschränkte sich darauf, von seinem Kaffee zu nippen, der widerlich gesüßt war. Auch den Namen Bertoni hatte er nicht gekannt, bis er den Gundlach-Artikel in der Welt des Spiels gelesen hatte. Soweit er sich erinnerte, wurde der Bildhauer in dem Bericht als lebendes Denkmal bezeichnet, und die Felsenmenschen standen inzwischen im Pariser Louvre in einem eigenen Bertoni-Saal. »Stefan und ich haben lange überlegt«, sagte sie, »ob wir die Geheimgang-Kampagne riskieren sollten. Wenn die Sache schiefgegangen wäre, hätten wir uns fürchterlich blamiert. Aber nachdem wir Bertoni und Lombart überredet hatten, das Spiel künstlerisch zu gestalten, schien uns das Risiko vertretbar. Natürlich waren wir selber überrascht, wie viel Geld in Ihrer Branche zu verdienen ist.« Sie hängte sich bei Georg ein und zog ihn zum zweiten Plakat, das den feixenden Clown zeigte. Irgendwie schaffte es Georg, im Vorbeigehen die Welt des Spiels und seine Tasse auf eines der bleifarbenen Tischchen zu schieben. »Der weltberühmte Gaukler und Magier Papa insanta. Sein Comeback vor zwei Jahren, Sie werden sich erinnern, und wir haben die Tournee organisiert. Auftritte in aller Welt - Europa, Amerika, Asien, sogar in Neuseeland; das größte Projekt, das Härtel& Rossi jemals realisiert hat«, sagte sie. Während sie redete, presste sie seinen Arm und klimperte mit ihren grün getünchten Lidern, was einigermaßen albern aussah. »Noch sehr viel mehr wird Sie das nächste Plakat interessieren.« Sie zog ihn zur Nische, in der das grellfarbene Bild mit dem ekstatisch trommelnden Schwarzen prangte. Der glänzend nackte Mann hatte die Augen weit aufgerissen und so stark verdreht, dass nur zwei milchfarbene Halbkugeln aus den Höhlen quollen. Breitbeinig, mit zurückgeworfenem Oberkörper stand er auf einer orange angestrahlten Bühne und hämmerte mit beiden Fäusten auf die winzige Felltrommel ein, die unter seinem Nabel schwankte. Quer über dem Bild stand in verschwimmender Schrift: Ng'dugbai - trance-session eighty-one. »Natürlich kennen Sie diese Thäorie, wonach Schwarzafrika für die weiße Zivilisation das Freudsche Unbewusste symbolisiert.« Sie beugte sich vor und stellte ihren Kaffeebecher auf das Tablett. Ihr schwerer Zopf glitt über ihre Schulter nach vorn und entblößte Nacken und Rücken, deren Bleichheit fast krankhaft wirkte. Als sie sich aufrichtete, hielt sie den Zopf mit der linken Hand vor ihrer Schulter fest und fing an, nervös an dem Haarstrang herumzuzerren. »Wenn Ng'dugbai in Trance sinkt«, sagte sie schnell atmend, »verwandelt er sich in eine Art Flussgott und fängt an - wie sagt man das - in Zungen zu reden.« »Ich würde jetzt lieber ...«, warf Georg ein; weiter kam er nicht. Er hatte sagen wollen, dass er gern über den Irrläufer reden würde, da er sich für nackte, trommelnde Afrikaner absolut nicht interessierte. »Sie müssen das einmal erleben, Georg - es ist wirklich ein magischer, ein ganz unvergesslicher Akt. Auf dem Höhepunkt hört Ng'dugbai plötzlich auf, diese Trommel zu bearbeiten, die scheinbar ganz von alleine weiter wummert, während er sich auf dem Boden wälzt.« Unbehaglich beobachtete Georg, wie sie immer schneller und härter an ihrem Zopf herumzerrte, wozu sie ihm von schräg unten grüne Klimperblicke zuwarf, als überlegte sie schon, ob auch er für eine solche Trance-Session in Frage kam. »Erst stößt Ng'dugbai so einen lang gezogenen, urweltlichen Schrei aus«, sagte sie, »der nach zwei, drei endlosen Minuten in Wimmern und Stammeln übergeht. Man glaubt, dass er Wörter redet, aber in Wirklichkeit versteht man überhaupt nichts. Aber Bilder schießen einem durch den Kopf, und was man fühlt - nein, ich kann es Ihnen nicht beschreiben. Sie sälber müssen es erläbt haben, Georg.« »Nein, danke«, erwiderte er. »Wenn Sie nichts dagegen haben, sollten wir allmählich über das Geschäftliche reden.« Schroff machte er sich von ihrem Arm los und trat einen Schritt zurück. Er zitterte am ganzen Körper; dabei wusste er selbst kaum, was ihn derart außer Fassung brachte. »Wie Sie wollen.« Unwillig ruckte Francescas Zopf über ihre Schulter zurück. »Wir von Härtel& Rossi haben uns immer um ein gutes Verhältnis zu unseren Künstlern bemüht«, verkündete sie. »Und wie ich schon angedeutet habe - viele weltberühmte Künstler zählen zu unserer Klientel. Bertoni, Lombart, Papa insanta und Ng'dugbai - das sind Namen, vor denen jeder andere erstarren würde, während Sie für alles nur ein Schulterzucken haben. Ich will damit sagen: Härtel&