: Barbara Leitner
: Gewaltfreie Kommunikation in der KiTa Wertschätzende Beziehungen gestalten - zu Eltern, Kindern, im Team und zu sich selbst
: Junfermann Verlag
: 9783749501564
: 1
: CHF 23.50
:
: Kita/Vorschule
: German
: 200
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Emanzipatorisc und gesellschaftskritisch zugleich Die Qualität der Beziehungen und die Art und Weise der Interaktionen bestimmen ganz wesentlich die Qualität der Arbeit in einer Kindertagesstätte. Es ist deshalb wichtig, eine positive Haltung zu sich selbst und anderen Menschen zu finden und eine Sprache, die dieser Qualität dient. Dafür bietet sich die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg an. Das Buch beleuchtet die unterschiedlichen Arten von Beziehungen im KiTa-Alltag: innerhalb des Teams, zu den Kindern, zu den Eltern und zu sich selbst. Zahlreiche Übungen und Geschichten aus der Praxis helfen, GFK-Wissen umzusetzen und praktisch zu leben. Marshall Rosenberg sah zwei unmittelbar miteinander verbundene Herausforderungen: '... uns selbst und unser persönliches Umfeld von der Gewalt in unserer Sprache und unserem Denken zu befreien. Und andererseits ist es unsere Aufgabe, die Machtstrukturen zu verändern, die uns überhaupt erst so konditioniert haben und die immerfort das Unglück produzieren, das wir bekämpfen'. Auf diesem Weg will das Buch pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen begleiten. 'Wenn es uns gelingt, die eigene Selbstfürsorge stetig im Blick zu behalten, Mitmenschlichkeit und Fürsorge zu leben und auf Augenhöhe zu kommunizieren, dann wird es gelingen, dass sich Kindertagesstätten stetig zu KiTas der Zukunft weiter zu entwickeln. Darin hat mich 'Gewaltfreie Kommunikation in der KiTa' bestärkt! Danke, liebe Barbara Leitner, Ihr Buch ist ein echter Mutmacher und ein unbezahlbarer Schatz für die frühkindliche Bildung.' - Katrin Schmidt-Sailer, www.empathieleben.de

Barbara Leitner, Prozessbegleiterin, Trainerin und Coach, war mehr als 30 Jahre als Journalistin tätig. Sie beschäftigt sich u.a. mit Themen aus Bildung und Pädagogik. Seit 2008 gibt sie Seminare zur Gewaltfreien Kommunikation.

1. Gewaltfreie Kommunikation trifft Frühpädagogik – eine glückliche Verbindung


„Ich begreife es einerseits als unsere Aufgabe, uns selbst und unser persönliches Umfeld von der Gewalt in unserer Sprache und in unserem Denken zu befreien. Und andererseits ist es unsere Aufgabe, die Machtstrukturen zu verändern, die uns überhaupt erst so konditioniert haben und die immerfort das Unglück produzieren, das wir bekämpfen.“

(Marshall B. Rosenberg 2004a, S. 133)

1.1 Die Entstehung der GFK und ihre Bedeutung für die Haltung gegenüber Kindern


Respekt vor jedem Kind

Kinder kommen auf die Welt und warten auf die Bestätigung: „So, wie du bist, bist du richtig und bereicherst mein Leben.“ Das wünschen sich Kinder auch dann, wenn sie ein Verhalten zeigen, mit dem die Erwachsenen nicht einverstanden sind. Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation (GFK), war davon überzeugt: (Kleine) Kinder sind auf natürliche Weise mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen verbunden. Bereits wenige Wochen nach der Geburt lächeln sie, wenn jemand ihre Bedürfnisse beantwortet. Sie schreien, wenn sie hungrig sind, sie eine neue Windel brauchen oder wenn es ihnen langweilig ist und sie sich Kontakt wünschen. Da gibt es nichts Verstelltes, Anklagendes. Eindeutig geben sie Auskunft über sich: „So geht es mir gerade. Bist du bereit, für mich da zu sein?“, und suchen die Verbindung. Für den amerikanischen Psychologen waren Kinder „Natur-Giraffen“.

Giraffen- versus Wolfssprache

In Jahrzehnten eigenen Lernens entwickelte Marshall Rosenberg, beginnend in den 1980er-Jahren, ein Kommunikationsmodell, das er auch „empathische Kommunikation“ oder „Giraffensprache“ nannte. Dieses inzwischen auf der ganzen Welt verbreitete Modell hilft, Konflikte zu lösen, ohne dass es Gewinner*innen und Verlierer*innen gibt, egal ob es um Streit in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz geht oder sogar um kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Gruppen und Völkern. Es sensibilisiert Menschen dafür, was Worte anrichten können. Sie können Mauern errichten, wehtun und trennen. Zugleich können Worte auch Fenster sein, durch die sich Menschen füreinander öffnen und sich besser verstehen.

In seinen Seminaren setzte Marshall häufig zwei Handpuppen ein: die Giraffe und ihren Gegenspieler, den Wolf. Letzterer gilt als Metapher für eine Kultur der Herrschaft und der Dominanz, des Rechthabens und des Kleinmachens. Giraffen, die Landtiere mit dem größten Herzen, stehen für ein freundliches, mitfühlendes, dennoch kraftvolles und klares Verhalten, das eine Verbindung spüren lässt. Mit einem einfachen Satz kann man einem anderen Menschen die Hände reichen als eine Geste für: „Ich verstehe dich. Ich sehe dich.“ Die Sprache hingegen, in der sich der Wolf äußert, ist geprägt von Schuld bzw. Beschuldigung sowie von Beschämung. Die führt zu Trennung, Schmerz, Ärger und Angst. Liebevoll fügte Marshall Rosenberg hinzu, dass der Wolf eigentlich eine Giraffe mit Sprachfehler sei. Denn auch mit seinen wertenden, anklagenden Mitteilungen drückt der Wolf aus, was er dringend braucht. „Sei still!“ oder „Du störst!“ könnte beispielsweise heißen: „Ich brauche so dringend Ruhe. Bist du bereit, mich darin zu unterstützen?“

Es gibt einige Zeilen, die diese fatale Metamorphose sehr anschaulich beschreiben – eine Verwandlung, die ich bei mir selbst häufig beobachten konnte und die ich auch bei anderen, selbst bei Kindern, hin und wieder wahrnehme:

Wir wollen alle geliebt werden.

Werden wir nicht geliebt,

wollen wir bewundert werden.

Werden wir nicht bewundert,

wollen wir gefürchtet werden.

Werden wir nicht gefürchtet,

wollen wir gehasst und missachtet werden.

Wir wollen ein Gefühl

in unseren Mitmenschen auslösen,

ganz gleich, um welches es sich dabei

auch handeln mag.

Die Seele zittert vor Leere

und sucht Kontakt

um jeden Preis.

(Hjalmar Söderberg, 1869–1941)

Mit seinem Modell der GFK wollte Marshall Rosenberg daran erinnern, dass wir Menschen seit unserer Kindheit und oft über Generatio