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Montag, 11. April 2016
M1, Fahrtrichtung Norden
Als Erstes fielen ihm die vielen Aufkleber auf, mit denen die Heckscheibe und der Stoßfänger vollgeklebt waren.
Hupe, wenn du geil bist.
Fahr mir nicht nach, ich kenn mich auch nicht aus.
Wer so fährt wie ich, glaubt auch an Gott.
Hupe kaputt. Achten Sie auf den Finger.
Real men love Jesus.
Nicht gerade ein einheitlicher Auftritt. Eines kam trotzdem sofort rüber: Der Fahrer war ein Blödmann, das stand außer Frage. Einer von denen, die auch Mottoshirts trugen und auf der Arbeit diesen Spruch an der Wand hatten:Man muss nicht wahnsinnig sein, um hier zu arbeiten, aber es erleichtert die Sache ungemein. Dazu das Bild eines Schimpansen, der sich an den Kopf fasst.
Gabe fragte sich, wie der Kerl durch die Heckscheibe überhaupt noch etwas sehen konnte. Immerhin, er bot Lesestoff für alle, die im Stau hinter ihm standen. Wie gerade wieder. Die Baustelle, an der sich die Blechkarawane gerade vorbeiquälte, existierte gefühlt seit der Jahrtausendwende. Fertigstellung vermutlich irgendwann im nächsten Jahrhundert, falls nichts dazwischenkam.
Gabe seufzte und trommelte mit den Fingern auf dem Lenkrad, als ließe sich der Verkehrsfluss dadurch beschleunigen oder eine Zeitmaschine in Gang setzen. Er war schon jetzt so gut wie zu spät. Also noch nicht wirklich zu spät.Noch nicht.Theoretisch konnte er immer noch pünktlich zu Hause sein. Große Hoffnung hatte er aber nicht. Die Hoffnung war bereits hinter der Ausfahrt 19 gestorben, wo viele andere so schlau waren, auf ihr Navi zu hören und die Umleitung über die Landstraße zu nehmen.
Was besonders frustrierend war: An diesem Tag war er sogar pünktlich losgefahren. Und bis halb sieben zu Hause zu sein schien eigentlich machbar. Halb sieben, damit Izzy ihn zumindest an diesem Tag zu Gesicht bekam. Um halb sieben wurde zu Abend gegessen, danach hieß es für Izzy: ab ins Bett. Das war alles. Er hatte es Jenny sogar ausdrücklich versprochen.
»Nur einen Abend in der Woche, mehr verlange ich nicht. Ein einziges Mal, wo wir gemeinsam zu Abend essen und du Izzy noch etwas vorliest. Können wir nicht wenigstens einmal so tun, als wären wir eine ganz normale Familie?«
Das tat weh. Und sollte es wohl auch.
Klar, er hätte jetzt darauf verweisen können, dasser es war, der die Kleine am Morgen schulfein gemacht hatte, daJenny ja schon so früh einen Kundentermin hatte. Und wer, bitte, hatte Izzys Kinn mit Bepanthen verarztet, als ihre unberechenbare Katze aus der Auffangstation die Krallen ausgefahren hatte? Übrigens ein Tier, das vonJenny ins Haus geholt worden war, nicht von ihm.
Aber er sagte nic