: Sophie Bichon
: Und du fliegst durch die Nächte Love is Love - Roman
: Heyne Verlag
: 9783641270599
: Love is Love-Reihe
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Steh zu dir und deiner Liebe. Für immer.

Nur in der Nacht fühlt Romeo sich frei und lebendig. Da er schon immer anders war und seinen Eltern nie genügen konnte, ist dieses Leben im Untergrund alles, was er will. Doch obwohl er in der Technoszene längst ein gefeierter DJ ist, fühlt Romeo sich außerhalb der Szene leer und verloren – bis er eines Nachts auf Julius trifft. Julius mit den dunklen Locken und eisblauen Augen, Julius mit dem unbeschwerten Grinsen und dem Leben im Hellen. Immer wieder begegnen sie sich und fühlen sich wie magisch angezogen. Doch als Romeo immer tiefer in die Dunkelheit gerät, müssen sich die Frage stellen, ob ihre unterschiedlichen Welten tatsächlich zusammenpassen.

Sophie Bichon ist der Name, unter dem die Bücher von Malou Bichon im Heyne Verlag erschienen sind. Malou wurde 1995 in Augsburg geboren. Dort studierte dey Germanistik und Kunstgeschichte, bevor dey sich ganz dem Schreiben widmete. Inzwischen lebt und arbeitet dey in Hamburg, umgeben von Büchern und deren geliebten Pflanzen. Malou Bichon spricht über Queerfeminismus, wann immer sich demm die Gelegenheit bietet, klärt über Sex(ualität) und Beziehungen auf und schreibt die Romane, die dey sich als queerer Mensch früher so dringend gewünscht hätte. Es geht um die kleinen und großen Momente des Lebens, Fehler und neue Chancen, vor allem aber um Liebe in all ihren wunderschönen Facetten. Wenn Malou Bichon nicht gerade in die Tasten haut, tanzt dey sich in irgendeinem Club die Füße wund, sitzt mit Freund*innen in deren Lieblingscafé oder ist auf der Suche nach dem nächsten Tattoomotiv.

ACHT MONATE FRÜHER.

ODER EIN HALBES LEBEN ZUVOR.

1.  Kapitel

Romeo

Die Hitze eines nackten Körpers nahm mir die verfluchte Luft zum Atmen. Ich blinzelte, konnte mich aber nicht bewegen, denn ein Arm lag schwer auf meinem Bauch, ein Kopf auf meiner Brust. Als die Frau im Schlaf seufzte und sich dabei enger an mich presste, strichen lange, tiefrote Haare über meinen Oberkörper. Noch immer hing in der Luft der Geruch nach Sex und ihrem süßen Parfüm, nach Schweiß und nach dem Gras, das wir geraucht hatten, um zumindest ein bisschen runterzukommen. Ich hatte die letzten drei Tage durchgemacht, war offensichtlich aber doch für wenige Stunden eingeschlafen. Auch wenn mein Kopf jetzt innerhalb von Sekunden hellwach war, spürte ich die Müdigkeit mit jeder Faser meines Körpers.

Unwillkürlich strömten Bilder des Wochenendes durch mein Bewusstsein. Die in Dunkelheit gehüllten Nächte, die zu einer einzigen verschmolzen waren. Die Clubs und das Streifen durch die Stadt, das michmüde gemacht, die Lines aus schneeweißem Pulver, die mich wachgehalten hatten. Da waren meine Songs, die sich über die Grenzen der Hauptstadt ausbreiteten, und die Menge, die meinen Namen skandiert hatte. Stories für Millionen Instagram-Follower. Stories, die mir beim Erinnern halfen, wenn die Zeit ihre scharfen Konturen verlor. Ich erinnerte mich an die Stunden imFakultativ, einem der kleineren Clubs. Eigentlich zu klein für meinen Erfolg und den Namen, den ich mir mittlerweile gemacht hatte, aber irgendwie war der Laden zum Treffpunkt meiner Leute geworden. Die Partys, die dort unter den Katakomben im Geheimen stattfanden – sie waren unser Zentrum, um das wir kreisten. Eine Momentaufnahme von Ben mit geröteten Wangen und dem silbernen Ring, der seine vollen Lippen teilte, schob sich zwischen die vielen Bilder. Ben, mit dem ich dort wieder einmal, verborgen vor den Blicken der anderen, rumgemacht hatte, weil ich es so drauf, wie ich gewesen war, zugelassen hatte. Weil ich mir dieses Verlangen nur in diesem Zustand erlaubte, auch wenn ich wusste, dass ich mich am nächsten Tag irgendwie … schmutzig fühlte. Irgendwie so verflucht falsch und benutzt. Doch je mehr ich dagegen ankämpfte, desto schlimmer drehten sich meine Gedanken, desto stärker wurde mein Verlangen – also gab ich ihm in solchen Momenten nach. Und es war ja nicht so, als wäre das in der Techno-Szene etwas, das die Leute nicht akzeptieren würden. Feiern, leben und leben lassen, Sex und Drogen. Als würde es da jemanden jucken, dass ich mich … auch zu Männern hingezogen fühlte. Aber gottverdammt,michjuckte es. Und die Fremde mit den roten Haaren, die vor wenigen Stunden mehrmals unter mir gekommen war, bestätigte doch, dass ich die Kerle eigentlich nicht brauchte. Schließlich war ich mitihrnach Hause gegangen und nicht mit Ben.

Ich versuchte die Frau wegzuschieben – möglichst vorsichtig und so, dass sie nicht aufwachte, doch Gott, so viel Glück hatte ich natürlich nicht. Träge hob sie den Kopf und starrte mich an. In den Augenwinkeln hingen Reste ihrer Wimperntusche und ließen die feinen Ringe unter ihren Augen noch dunkler wirken.

»Hey«, sagte sie heiser.

»Hey«, murmelte ich, woraufhin ein zufriedenes Seufzen ihren Lippen entwich. In mir zog sich alles unangenehm zusammen. Es war der Knoten in meinem Bauch, den ich nur zu gut kannte.

Die Unbekannte war hübsch, mit ihren leuchtenden Haaren, dem herzförmigen Mund und der schmalen silbernen Kette mit Mondanhänger, die ihren schlanken Hals betonte. Im Moment aber sah sie mindestens so fertig