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CORMAK
Zischendöffnete sich die Luftschleuse, und Cormak schoss in die glühend heiße rosarot gefärbte Luft hinaus. Während sein Motorrad über den karstigen roten Untergrund raste, machte er ein paar flache Atemzüge, bis er sicher war, dass seine Gasmaske funktionierte. Dann stieß er die Luft aus und schaltete den Roader in einen höheren Gang. Gleichzeitig beugte er sich vor, um mit seinem Körper so wenig Widerstand wie möglich zu bieten. Nachdem er die ganze Nacht lang in den Luxustürmen von Sektor2 H2O ausgeliefert hatte, war er erleichtert, wieder draußen zu sein. Die Luft in den Türmen mochte ja vierfach gefiltert sein, aber sie kam ihm erstickender vor als die vergiftete Atmosphäre des Planeten.
Wasser war auf Deva so streng rationiert, dass die meisten Siedler kaum genug zu trinken hatten, geschweige denn mehr als einmal pro Woche duschen konnten. Aber wer bereit war, einen hohen Preis dafür zu bezahlen, und keine Angst vor Bestrafung hatte, konnte es auf dem Schwarzmarkt kaufen, von Leuten wie Sol, Cormaks Boss. Cormak lieferte das Wasser nun schon seit zwei Jahren in die Luxustürme, doch deren wohlhabende Bewohner beäugten ihn immer noch so skeptisch, als wäre er etwas, was in den Filtern hätte hängen bleiben sollen. Er hatte auf die harte Tour gelernt, nichts in ihren Wohnungen mit begehrlichen Blicken zu betrachten – weder das Obst, das in den Terrarien wuchs, noch die Filme, die auf den Bildschirmen liefen, und schon gar nicht die Bücher, die in durchsichtigen Kisten aufbewahrt wurden, in denen sie vor der alles zersetzenden Luft geschützt waren. Denn wenn es jemanden gab, dem reiche Leute noch mehr misstrauten als einem staubigen Devak, dann war das ein staubiger Devak, der gern las.
Heute herrschte einigermaßen gute Sicht, und in der Ferne ragten die Türme von Sektor 23 aus dem blassrosa Dunst. Cormak lebte im einunddreißigsten Stockwerk von Turm B, einem der sechs riesigen Betongebäude, die das Panorama seiner wunderschönen Heimat prägten. Wenn er Glück hatte, würde er noch ein paar Stunden schlafen können, bevor Sol ihn wegen der nächsten Lieferungen anrief.
Cormak schaltete sein Helmradio an und schlug sich ein paarmal mit dem Handschuh seitlich gegen den Kopf, bis das statische Rauschen nachließ.
»… offizieller Seite heißt es, dass bei der Explosion vierzehn Minenarbeiter ums Leben gekommen sind«, erklärte eine fröhliche Stimme. »Und nun zum Wetter.«
»Es ist jetzt 27:40 Uhr am Vormittag. Wegen eines Sturms in der Mesosphäre sind die Bedingungen für den Flugverkehr derzeit nicht optimal. Heute rechnen wir mit Höchsttemperaturen von 212 Centis. Die Tiefstwerte liegen voraussichtlich bei 199 Centis. Laut den aktuellen Atmosphärendaten kann man mit ungefilterter Luft zwei Minuten und vierzig Sekunden lang überleben. Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen Tag!«
Cormak fluchte, als er in eine Spurrille geriet. Diese Lieferfahrten waren Gift für seinen Roader, aber er hatte keine Wahl. Für Sol zu fahren, war immer noch besser, als vierzehn Stunden pro Tag in einer der verbliebenen Minen zu arbeiten. Auch wenn es bedeutete, dass er