Manchmal wünschte er sich, einer der kleinen Götter zu sein – nicht einer der großen, diese hatten zu viel Verantwortung, waren Amtsträger - aber einer der minderen. Nur um einzugreifen und umzustellen, wenn ihn etwas störte oder quälte, ein Benehmen oder eine Tatsache – wer konnte schon alle Rüpel aus seinem Gesichtsfeld entfernen, alle Falschheiten berichtigen, alles bereinigen – so ein Übermensch, so ein kleiner Gott der Gelegenheiten konnte es. Wo würde er anfangen? Gerade jetzt. Gerade hier (bei diesem nervenden Nebenmann). Warum stellte sich dieser so an, drängelte sich vor an der Kasse und beklagte sich nörgelnd darüber, dass er so lange schon gewartet hätte? Oder Hermes. Hermes Trismegistos, sein Lieblingsgott, der leichtfüßige Bote, Führer der Seelen, Gott der Diebe und Kaufleute, Erfinder aller Techniken der eigentlichen Stufen der Zivilisation, nicht des Pfluges oder der Viehhaltung, das war anderen vorbehalten, aber der Schrift, des Rechnens und des Würfelspiels. Ja, Hermes hätte er sein wollen, ihn hätte er sich von allen Göttern als Über-Selbst ausgesucht; Loki, ein ähnlich gearteter Geist, wäre ihm zu negativ bewertet gewesen – aber er war nun einmal kein Gott oder Halbgott und seine Mittel, mit lästigen Mitmenschen umzugehen, deshalb ziemlich eingeschränkt.
Diese Gedanken, die ihm durch den Kopf zogen, verscheuchten nun doch seinen Missmut, indem sie ihm seine Misanthropie wie in einem Spiegel zeigten, ihn gleichzeitig über sich selbst lächeln ließen und so seine Stimmung aufhellten. Er sollte etwas tun, was ihn davon abbrachte, seiner Depression nachzugeben. So beschloss er, seine Lieblingsplätze aufzusuchen: den kleinen Park mit der Holda-Statue, das Antikenmuseum, die daran anschließende Ladenpassage - nicht um etwas zu kaufen (so viel Selbstdisziplin brachte er auf), nein, nur um sich wieder