: J.M. Müller
: Angeklagte Nr. 9 Die"Hyäne von Auschwitz" im Kreuzverhör
: Books on Demand
: 9783752695298
: 1
: CHF 8.70
:
: Geschichte
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Angeklagte Nr. 9 Die"Hyäne von Auschwitz" im Kreuzverhör Die KZ-Aufseherin Irma Grese war die Jüngste Kriegsverbrecherin, die 1945 im Bergen-Belsen Prozess zum Tode durch den Strang verurteilt wurde. Gerade sie erregte weltweites Aufsehen, weil die ihr zur Last gelegten Verbrechen, die Brutalität und Grausamkeit, ihr Sadismus gegenüber den Häftlingen im krassen Widerspruch zu ihrer Erscheinung standen. Sie hatte viele Namen:"Hyäne von Auschwitz,""Höllene gel" oder"Queen of Belsen." Und ihr Ankläger sagte über sie im Prozess:"Und es gibt keine einzige Grausamkeit, die in diesem Lager stattgefunden hat, für die sie nicht als Verantwortliche bekannt war. Sie nahm regelmäßig an der Selektion für die Gaskammer teil, strafte willkürlich, und als sie nach Belsen kam, fuhr sie genau so fort." In dieser Dokumentation begeben wir uns auf eine Spurensuche in alten Akten und Archiven und beleuchten die 243 Tage des Jahres 1945, von der Befreiung des KZ Bergen-Belsen bis hin zur Hinrichtung der Täter in Hameln. Wir begleiten Grese durch den gesamten Prozess bis an den Galgen, schauen uns die Zeugenaussagen an, lesen, was die Presse schrieb, entdecken wenig bis kaum Bekanntes, korrigieren Irrtümer und tauchen direkt ein in das Geschehen, wenn wir der Befragung und dem Kreuzverhör der Angeklagten Nr. 9 folgen.

Protokoll eines Prozesses, Spurensuche in alten Akten und Archiven. Eine Dokumentation von J.M. Müller

Der Prozess


Am 17. September (1. Prozesstag) füllte sich so gegen neun Uhr langsam die umgebaute Turnhalle. Einzeln wurden die Angeklagten in den Saal geführt und an ihren Platz gebracht. Jeder von ihnen trug ein großes weißes Schild auf der Brust mit seiner Nummer drauf, so dass man sie leichter unterscheiden und ansprechen konnte. Verteidiger, Dolmetscher, jeder Akteur nahm nach und nach die vorgesehene Position ein. Pünktlich um zehn Uhr trat das Gericht ein und die Anwesenden erhoben sich. Während der Vorsitzende Richter, wie auch die anderen Juristen des Militärgerichtshofes, in Uniform erschienen, war der Berater Stirling in zivil, mit schwarzem Talar und weißer Perücke gekleidet. Ein Journalist schrieb, dass man den Angeklagten die Blässe und die Angst ansah, und ihre Augen nervös flackerten. „Nur Kommandant Josef Kramer trägt die Maske einer kalten Ruhe zur Schau, welche die Brutalität dieses breitflächigen, grobknochigen Gesichts, in dem die Augen fast in den Höhlen verschwinden, noch deutlicher macht.“12 Auch die 21-jährige Irma Grese wirkte unruhig an jenem Morgen. Ein anwesender Journalist notierte: „Ihr an sich wohlgeformtes Gesicht mit dem blonden Haar hat etwas blässlich Schwammiges, die Lippen sind messerscharf, und die kalten wasserblauen Augen blicken düster und beklommen.13 Rechts von ihr saß Hertha Ehlert, Nr. 8.14 Die große stämmige Frau brach schon im Vorfeld mehrmals zusammen und musste wiederholt aufgerichtet werden. Zwei Angeklagte waren krank und fehlten an jedem Tag. Der Vorsitzende erlaubte dann, dass die anwesenden Film- und Bildrepor