Am 17. September (1. Prozesstag) füllte sich so gegen neun Uhr langsam die umgebaute Turnhalle. Einzeln wurden die Angeklagten in den Saal geführt und an ihren Platz gebracht. Jeder von ihnen trug ein großes weißes Schild auf der Brust mit seiner Nummer drauf, so dass man sie leichter unterscheiden und ansprechen konnte. Verteidiger, Dolmetscher, jeder Akteur nahm nach und nach die vorgesehene Position ein. Pünktlich um zehn Uhr trat das Gericht ein und die Anwesenden erhoben sich. Während der Vorsitzende Richter, wie auch die anderen Juristen des Militärgerichtshofes, in Uniform erschienen, war der Berater Stirling in zivil, mit schwarzem Talar und weißer Perücke gekleidet. Ein Journalist schrieb, dass man den Angeklagten die Blässe und die Angst ansah, und ihre Augen nervös flackerten. „Nur Kommandant Josef Kramer trägt die Maske einer kalten Ruhe zur Schau, welche die Brutalität dieses breitflächigen, grobknochigen Gesichts, in dem die Augen fast in den Höhlen verschwinden, noch deutlicher macht.“12 Auch die 21-jährige Irma Grese wirkte unruhig an jenem Morgen. Ein anwesender Journalist notierte: „Ihr an sich wohlgeformtes Gesicht mit dem blonden Haar hat etwas blässlich Schwammiges, die Lippen sind messerscharf, und die kalten wasserblauen Augen blicken düster und beklommen.13 Rechts von ihr saß Hertha Ehlert, Nr. 8.14 Die große stämmige Frau brach schon im Vorfeld mehrmals zusammen und musste wiederholt aufgerichtet werden. Zwei Angeklagte waren krank und fehlten an jedem Tag. Der Vorsitzende erlaubte dann, dass die anwesenden Film- und Bildrepor