MITTWOCH
EINE WOCHE VOR PFINGSTEN
Eigentlich war es zu heiß für eine Gewalttour mit dem Rad. Auf jeden Fall war es viel zu heiß für die steile Straße, die sich der frischgebackene Bauer und Privatdetektiv Lorenz Lovis gerade den Pfeffersberg hochquälte. Es war nicht so, dass er sportliche Ambitionen hegte, aber sein alter Kübel, ein froschgrüner VW Golf, Baujahr’77 und somit gleich alt wie er, hatte vorübergehend den Geist aufgegeben. Genau zu dem Zeitpunkt, als der Perwanger es endlich geschafft hatte, alle, die ihre Pferde auf seinem Hof untergestellt hatten, zu versammeln, damit Lovis ihnen auf den Zahn fühlen konnte. Seit einem guten Monat ermittelte er nun schon am Perwanger Hof, bislang leider erfolglos. Drei Pferde waren vergiftet worden, doch sosehr er auch suchte: Er hatte noch nicht das Zipfelchen einer Spur gefunden, wo er mit seinen Ermittlungen ansetzen konnte. Keiner der Anrainer wollte etwas wissen, der Perwanger selbst beharrte stur darauf, keine Feinde zu haben, und die Reiter und Reiterinnen waren nie da gewesen, wenn Lovis sich den Berg hinaufgemüht hatte.
Na, wenn von dir oben noch was übrig ist, kannst du sie ja endlich vernehmen, sagte er sich und versuchte, einen Schweißtropfen aus dem Auge zu blinzeln. Es gelang mehr schlecht als recht, der Schweiß brannte in seinen Augen, aber Lovis trat stur weiter in die Pedale. Wenn er jetzt anhielt, würde er sein Rad den Rest des Weges schieben müssen. Es war einfach zu steil zum Anfahren.
Er verfluchte die ungewöhnliche Maihitze, die sich schon vor dem Sommer breitmachte, dann fluchte er weiter über sein Auto, den Sommer im Allgemeinen, den Perwanger und seine Reiter, bis er endlich die schlimmste Steigung überwunden hatte und sich im Dorf befand. Auch hier hatte die Hitze alles Leben ins Innere der Häuser getrieben. Straßen und Dorfplatz waren wie ausgestorben, nur ein dünnes Rinnsal plätscherte in einen Steintrog. Etwas später erreichte Lovis den Perwanger Hof und lehnte sein Mountainbike gegen einen morsc