Die Veröffentlichung einer Korrespondenz mit drei Protagonisten ist nicht eben üblich. Das Foto, auf dem sie gemeinsam mit einer Gruppe anderer Prominenter zu sehen sind, hält einen großartigen Moment in der Operngeschichte des 20. Jahrhunderts fest. Zur Premiere des »Rosenkavaliers« im Januar 1911 in Dresden haben sich der Komponist Richard Strauss (1864–1949), der Textdichter Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) und der Bühnen- und Kostümbildner Alfred Roller (1864–1935) in Szene gesetzt. Um sie herum das Netz derer, die an der Gesamtkomposition mitgewirkt haben. Die gedruckte Fotopostkarte (Brief 64, Abb. 42 und 43) führt sie allesamt auf: den Intendanten Graf Seebach, Generalmusikdirektor Ernst von Schuch, den genialen Schauspieler und Regisseur Max Reinhardt und Oberregisseur Georg Toller, Oberinspektor Max Hasait, Kostümbildner Leonhard Fanto, Hoftheatermaler Otto Altenkirch. Martin Herzfeld aus Dresden hat die Gruppe fotografiert.
Diese zehn Männer mussten zusammenarbeiten, damit die Aufführung der Oper zustande kommen konnte und sicher noch viele mehr. So fehlt ein wichtiger Anreger, der heimliche Co-Autor Harry Graf Kessler, überhaupt. Meist reduziert man die Zusammenarbeit am »Rosenkavalier«, die ja legendär geworden ist, auf zwei Künstler, auf Hugo von Hofmannsthal, den Künstler des Wortes, und Richard Strauss, den Künstler der Töne. Das Foto zeigt jedoch, dass diese beiden Künste, um wirksam zu werden, einer dritten Kunst bedürfen, der Kunst der Sichtbarmachung. Aristoteles nennt sie ›Opsis‹ und erklärt sie zu einem der sechs wesentlichen Stücke des Theaters. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet Alfred Roller, der große Bühnenkünstler, relativ unsichtbar geblieben ist zwischen seinen beiden berühmteren Mitkünstlern. Das liegt sicher daran, dass Roller im gesellschaftlichen Verkehr eher zurückhaltend war; sicher auch daran, dass die Medien der Öffentlichkeit eher auf die vielversprechende musikalische und dichterische Autorschaft der beiden Neulinge am kulturellen Horizont fixiert waren. Insofern holt der hier veröffentlichte Briefwechsel ein Versäumnis nach; die erstmals vollumfänglich dargebotenen Briefe zwischen Hofmannsthal und Roller und zwischen Roller und Richard Strauss beleuchten einen bisher zu wenig berücksichtigten Aspekt der Theater- und Operngeschichte des 20. Jahrhunderts.
Rollers künstlerische Energie wirkt nicht selten bereits in den Entstehungsprozess der Werke