: Sabrina Kiehl
: Die Flucht der weißen Hexe Grey-Chroniken II
: TWENTYSIX
: 9783740769178
: 1
: CHF 2.60
:
: Fantasy
: German
: 319
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die junge Hexe Fee ist auf der Flucht vor der magischen Vereinigung Grey, von der sie sich verraten und benutzt fühlt. Hilfe erhofft sie sich von dem Vampir und Arzt Marius, der eine Klinik für Magiewesen betreibt. Doch der will nichts mit Grey zu tun haben, weder als Freund noch als Feind, zumal er eigene Probleme zu lösen und sich deshalb von der Welt zurückgezogen hat. Wie soll sie ihn trotzdem überzeugen, ihr beizustehen? Zudem musste Fee all ihre Freunde zurücklassen, in dem Wissen, dass diese für ihr Verschwinden bestraft werden könnten. War ihre Flucht möglicherweise ein verhängnisvoller Fehler?

Sabrina Kiehl wurde 1987 in Stuttgart geboren, ist Mutter und Bibliothekarin. Früher wollte sie vieles werden: Musicaldarstellerin, Journalistin, Fluglotsin oder Programmiererin. Aber ihre wahre Leidenschaft galt immer dem Schreiben. Besonders liebt sie es, in ihren Geschichten magische Wesen und die reale Welt zu verbinden. Ihr Romandebüt »Die Tochter des Vampirjägers« war der Auftakt einer dreiteiligen Reihe, deren letzter Teil Anfang 2020 erschien. Mit »Sensus« erschien 2019 die erste Geschichte aus der Welt der Grey-Chroniken.

Eins


Mitten in der Nacht war das Gewerbegebiet am Rand von Stuttgart-Vaihingen wie ausgestorben, abgesehen von der beleuchteten U-Bahn-Haltestelle unmittelbar vor einem Backsteingebäude. Auf dem Schotter-Parkplatz vor diesem Gebäude brachte Cornelius den geklauten, schwarzen Mercedes zum Stehen.
Das fünfstöckige Haus war einem Schild zu Folge eine Privatklinik für kosmetische Chirurgie, wirkte aber nicht so schick, wie es diese Kliniken sonst waren. Obwohl es mitten in der Nacht war, brannte Licht im Eingangsbereich, ebenso wie in den oberen Stockwerken, dabei wartete man hier wohl kaum auf Notfall-Brust-OPs.
»Sieht erschreckend gewöhnlich aus«, bemerkte Fee irgendwie enttäuscht. Das Gebäude könnte sich perfekt in die übliche Tarnung von Grey einfügen, dabei gehörte es gar nicht dazu.
Der Vampir auf dem Fahrersitz grinste. »Was hattest du erwartet? Ein Dracula-Schloss, um das ein Schwarm Fledermäuse kreist?«
Fee schüttelte den Kopf und hätte vielleicht über diese Vorstellung gelacht, wenn sie nicht unmittelbar davor stände, den Kontakt zu allen Bekannten abzubrechen, um sich einem Vampir anzuvertrauen, den sie nie zuvor getroffen hatte.
Statt einer Antwort stieg sie aus dem Wagen und sah sich das Gebäude noch einmal in Ruhe an. Es war nicht, was sie erwartet hatte, wirkte aber wenigstens nicht beängstigend. Das war doch ein guter Anfang.
Einen Moment später erhob Cornelius sich ebenfalls aus dem Wagen und schritt selbstbewusst auf den Eingang zu, ohne jedes Zögern, fast als wäre er hier Stammgast.
Das hatte etwas Beruhigendes, aber Fee hatte im Moment sowieso keine Wahl, als darauf zu vertrauen, dass Cornelius diesen Ort aus gutem Grund so sicher ansteuerte. Zur Zeit mangelte es ihr leider an vertrauenswürdigen Personen in ihrem Bekanntenkreis, nachdem ihr einstiger Freund und Kollege sie verzaubert und als Brutkasten zur Verfügung gestellt hatte, war das geheimnisvolle Vampiroberhaupt einer ihrer engsten Vertrauten. Besser fühlen würde sie sich fraglos, wenn sie Artnus an ihrer Seite hätte, doch der musste nun in erster Linie seine eigenen Artgenossen beschützen. Das wussten sie beide.
Zumindest hatte Cornelius sich bisher als zuverlässig erwiesen, immerhin hatte er sie aus dem Hauptquartier geschmuggelt und nun hatte er ihr eine mögliche Zuflucht gesucht. Diese kleine Klinik für Magiewesen hatte nichts mit Grey zu tun, sie wurde von der Organisation lediglich geduldet. Der Vampirarzt Marius leitete sie Cornelius zufolge und war bekanntermaßen skeptisch gegenüber Grey eingestellt, deshalb hoffte Fee auf seine Hilfe, nun da sie auf der Flucht vor den eigenen Leuten war.
»Bereit, Hexchen?« Cornelius winkte sie ungeduldig heran, bis sie neben ihm angelangte. Seine Unruhe machte ihr wieder bewusst, dass sie ihrem ehemaligen Freund, dem Schwarzmagier Noctrius nur knapp entkommen waren. Je schneller sie ihre neue Zuflucht erreichte, desto besser.
Also folgte sie dem Vampir zum Eingang und zwang sich, zu lächeln, damit er ihr die Unsicherheit nicht anmerkte. Er sollte nicht wieder betonen, wie dumm ihr Wunsch war, sich bei dem Mann zu verstecken, den sie liebte.
Nur wenige Schritte vor der Tür blieb Cornelius stehen und musterte sie streng. »Wir ersparen uns sicher einige Diskussionen, wenn du dich erst einmal bewusstlos stellst. So müssen sie dich aufnehmen, weil sie dazu der Hypokratische Eid verpflichtet und du kannst morgen in Ruhe alles erklären.«
Fee dachte einen Moment darüber nac