Mittendrin
Wider Erwarten und entgegen aller Befürchtungen, verliefen die ersten Begegnungen mit den Sportlern spannungsfrei. Zudem wurde nicht mit humorvollen Kommentaren gespart. Das kam mir entgegen.
Die mit Stacheldraht gekrönten Mauern bildeten eine gewöhnungsbedürftige Kulisse. Meine Sicherheit sollte durch die Anwesenheit der Aufsichtsbeamten gewährleistet sein. Die Trainingseinheiten konnte ich ungestört durchführen. Entgegen meiner Befürchtung, die Teilnehmer der Freizeitgruppe könnten Probleme bereiten, glänzten sie durch Ehrgeiz, Motivation und Disziplin. Trotzdem blieb ich misstrauisch und rechnete mit Abweichungen! Wie eine selbsterfüllende Prophezeiung ging nicht alles glatt.
Während der Trainingsstunde stand der abgegrenzte Fußballplatz auf dem Gefängnishof zur Verfügung. Zur gleichen Zeit konnten die Gefangenen nach Feierabend auf dem übrigen Teil des Hofgeländes den Tag ausklingen lassen. Dabei liefen oder trotteten einige quer durch das Spielfeld und störten so die Aktivitäten der Sportler. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Harmonie und friedliches Miteinander waren vorbei – schlagartig (im wahrsten Sinne des Wortes!). Ich erhielt einen Vorgeschmack, wie schnell das Aggressionspotential hinter den Gittern der JVA zu entfachen ist. Die verbalen Attacken und ausgestoßenen Drohungen waren kaum zu überbieten. Jeder kennt jeden, vielleicht sogar die Biografie bis ins Detail. Die Enge des gesamten Quartiers bietet kaum Ausweichmöglichkeiten. Das resolute Eingreifen der heraneilenden Beamten stellte zwar die ursprüngliche Ordnung wieder her, aber später im Gebäude oder im Betrieb wurde auf eine günstige Gelegenheit gelauert, um die aufgestauten Aggressionen in Form einer schändlichen Neigung zu entladen.
Dieser Vorfall machte deutlich, dass Streitigkeiten mit und ohne Ankündigung auch in mei