: Michaela Huber
: Trauma und die Folgen Trauma und Traumabehandlung, Teil 1
: Junfermann Verlag
: 9783749501403
: 1
: CHF 40.70
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 352
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Welche Auswirkungen hat traumatischer Stress? Was ist das eigentlich, ein Trauma? Und wer ist betroffen? Inzwischen gehen Forscher*innen davon aus, dass wir so gut wie alle mindestens einmal im Leben einer Situation ausgesetzt sind, die uns innerlich kollabieren lässt. Die meisten Menschen schaffen es, das Ereignis einigermaßen gut zu verarbeiten, auch wenn manches viele Jahre braucht. Aber was ist, wenn das Ereignis tiefere Wunden hinterlässt, etwa weil es sich (mehrfach) wiederholt? Wie lange können wir aus- und durchhalten, ohne langfristige schwere Folgen davonzutragen? Dieses Buch beschäftigt sich mit 'toxischem', also giftigem, traumatischen Stress und seinen Folgen. - Wer und was verursacht diesen Stress? - Welche Konsequenzen hat er? - Wie wirkt er sich auf eine kindliche Entwicklung aus? - Inwiefern verhindert er die Herausbildung eines zusammenhängenden Ichs? In der überarbeiteten und aktualisierten Auflage ihres Klassikers geht Michaela Huber auf die aktuellen Entwicklungen der Psychotraumatologie ein.

Michaela Huber, psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung. Sie ist seit deren Gründung 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (DGTD).

1. Was ist ein Trauma – und was ein belastendes Lebensereignis?


In meinen Ausbildungskursen fordere ich gern am Anfang die KollegInnen zum Brainstorming auf, was denn ein Trauma im Gegensatz zu einem belastenden Lebensereignis kennzeichne, und beginne mit einem fiktiven Beispiel, etwa: „Als ich mir 1972 beim Skifahren ein Bein brach“, sei das für mich zwar ein belastendes Lebensereignis gewesen, nicht aber ein Trauma. Was denn dann wohl ein Trauma sei? Zunächst versuchen die KollegInnen dann häufig, mir Ereignisse zu nennen, die sie mit Traumata gleichsetzen. Etwa „Kriegserlebnisse“ – „Vergewaltigung“ – „Banküberfall“ – „Grubenunglück“ – „Sexuelle Gewalt in der Kindheit“. Woraufhin ich weiter frage: „Sind Sie sicher, dass dies alles Traumata sind? Ich behaupte, viele Menschen, die solche Ereignisse erleben, verarbeiten sie als zwar äußerst belastende, aber nicht als traumatische Ereignisse. Um Sie noch mehr zu verwirren:

Manche Menschen werden einen Skiunfall, bei dem sie sich ein Bein brechen, als Trauma verarbeiten. Ein Trauma ist eine Wunde. Also das Ergebnis von Ereignissen, die verletzend waren. Nehmen Sie solche realen Ereignisse, schauen Sie aber nun auf die innere Verarbeitung. Was kennzeichnet wohl ein Trauma im Vergleich zum belastenden Lebensereignis?“ Jetzt kommen andere Antworten. Etwa:

Abbildung 1.1: Wir wird ein Trauma im Innern verarbeitet?

Was die KollegInnen so oder ähnlich mit ihren eigenen Worten auszudrücken pflegen und was ich hier so dargestellt habe, als würde ein Stein ins Wasser geworfen, der immer weitere Kreise zieht, sind tatsächlich einige der wesentlichen Merkmale, durch die sich Traumata von anderen stressreichen Lebensereignissen unter­scheiden.

Bei Traumata handelt es sich nicht um reine innere Konflikte, wie etwa das Problem: „Soll ich Abitur machen oder in Vaters Geschäft einsteigen?“ – auch wenn ein solcher Konflikt sicherlich großen inneren Stress bedeuten kann.

Ausgangspunkt sind vielmehr tatsächliche, extrem stressreiche äußere Ereignisse. Damit ein Ereignis aber zum Trauma für einen Menschen werden kann, muss eine Dynamik in Gang kommen, die sein Gehirn buchstäblich „in die Klemme bringt“ und es geradezu dazu nötigt, auf besondere Weise mit diesem Ereignis umzugehen. Diese „Klemme“ nenne ich seit Jahrzehnten die „traumatische Zange“ – ein Begriff, der sich inzwischen eingebürgert hat.

Abbildung 1.2: Traumatische Zange

Wie kann es zu so einer Klemme kommen? Das hängt mit unserem „dreieinigen Gehirn“ zusammen, ein Begriff, der von Paul D. MacLean geprägt wurde.

Abbildung 1.3: Paul D. McLean

Abbildung 1.4: Das dreieinige Gehirn

Abbildung 1.5: Die Zuständigkeiten des dreieinigen Gehirns

Wir haben in der Evolution drei große Hirnbereiche entwickelt: Zunächst unser Stammhirn, das „Reptiliengehirn“, das für unsere basalen Instinkte und Reaktionen zuständig ist. Darüber entw