: Astrid Keim
: Schöner Tod Ein Frankfurt-Krimi
: Verlag edition krimi
: 9783946734994
: 1
: CHF 8.00
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ausgerechnet auf dem Frankfurter Hauptfriedhof stößt die pensionierte und seit einem Jahr verwitwete Anwältin Laura Mahler auf eine Leiche. Mit ihrem geflochtenen Haar und der blutroten Rose darin sieht das tote Mädchen aus wie die Grabfigur, hinter der Laura es findet. Die konservierte Schönheit weckt ihr Interesse und so beginnt Laura, auf eigene Faust zu ermitteln. Zugleich ist der Leichenfund Anlass, wieder Kontakt zu ihrem alten Freund, Krimimalkommissar Thomas Aumann, aufzunehmen. Dabei zeigt sich schnell, dass bei der Zusammenarbeit nicht allein kriminalistische Interessen im Spiel sind. Die beiden kommen sich näher - da wird eine zweite Mädchenleiche gefunden. Inspiriert von einem echten Grabmal auf dem Frankfurter Hauptfriedhof spinnt Astrid Keim eine spannende Geschichte um die Anwältin Laura Mahler. Dabei geht es nicht nur um die Frage nach dem Täter, sondern auch um das Altern, die Schönheit, den Genuss und die Liebe.

Astrid Keim wurde 1947 geboren und ist in Wiesbaden aufgewachsen. Sie studierte in Frankfurt Biologie und Kunst für das Lehramt. Nach über 20 Jahren Schuldienst wechselte sie 1993 durch ihre Heirat in die Gastronomie. 1999 übernahm ihr Mann Eckhardt Keim als Inhaber und Küchenchef das Restaurant Estragon, und dort war sie fast 19 Jahre für den Service zuständig. Sie war freie Mitarbeiterin für die Frankfurter Neue Presse im Ressort Gastronomie und Gastrokritik. Zahlreiche Bücher von ihr sind veröffentlicht.

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Laura steht auf dem Balkon und atmet tief ein. Es riecht nach Frühling. Zum ersten Mal in diesem Jahr ist eine Ahnung von aufspringenden Knospen und zwitschernden Vögeln zu spüren. Vor wenigen Tagen erst hat der strenge Frost nachgelassen, der den ­Februar fest im Griff hatte und selbst den ­Schneeglöckchen ihre Lust am Blühen verdarb. Dann sind mit dem Regen mildere Temperaturen gekommen, und heute ist der Himmel fast klar. Sie hatte überlegt, wärmere ­Regionen aufzusuchen, doch das wäre ihre erste Reise ohne Christoph gewesen, und dem fühlt sie sich noch nicht gewachsen. Christoph ist nun etwas über ein Jahr tot und die Verzweiflung der Trauer gewichen. Aber ohne ihn, mit dem sie so viele Reisen, so viele sonnige Tage erlebt hat, wäre sie nicht glücklich gewesen, denn zum Glück braucht man jemanden, mit dem man es teilen kann.

Die Kälte hat sie bisher abgehalten, sein Grab auf dem Hauptfriedhof zu besuchen, aber heute wird das Versäumte nachgeholt, dieser Entschluss stand schon beim Aufstehen fest. Heute wird das Fahrrad aus dem Keller getragen, in dem es fast vier Monate stand, es ist an der Zeit, das zwar ziemlich verrostete, aber heiß geliebte Vehikel ans Tageslicht zu bringen. Sie wirft einen Blick auf das Thermometer: 10 Grad. Da könnte man vielleicht schon zur Übergangsjacke greifen? Nein, besser nicht auf Daunenjacke und gefütterte Stiefel verzichten. In ihrem Alter ist warme Kleidung angesagt, sonst droht womöglich eine Blasenentzündung, wenn nicht Schlimmeres.

Wie war das in ihrer Jugend? Lief sie da nicht auch bei strengster Kälte mit knapper Lederjacke durch die Gegend, die bei jeder Bewegung bloße Haut enthüllte? Auszuschließen ist das nicht, denn die Lederjacke war Pflicht in den frühen Siebzigern, schon um die Eltern zu ärgern, die solch ein Ding mit den schlimmsten Befürchtungen für den Werdegang ihrer Brut verknüpften. Genauso wenig Beifall fand der Minirock, dessen Länge der Breite des Gürtels entsprach. Für so etwas jobbte Laura seit ihrem sechzehnten Lebensjahr wochen­lang in den großen Ferien, da ihre Erzeuger absolut nicht willens waren, Geld für derartigen Firlefanz herauszurücken, der so gar nicht ins konservative Weltbild passen wollte. Auch die Freude über den Fleiß der Tochter hielt sich in Grenzen, da er zu solchen Resultaten führte.

Mit Mühe gelingt es ihr, das Fahrrad die steilen Stufen hochzutragen. Letztes Jahr ging das noch besser, die Gelenke sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren. Es wird Zeit, sich mehr zu bewegen. Vor allem, dass es warm wird, dann geht es hoffentlich wieder bergauf.

Bergauf geht es aber zunächst am Holzhausenpark vorbei zur Eckenheimer. Keine große Steigung, aber sie zieht sich. Das Tor des Alten Portals ist ins Schloss gefallen, darum muss sie absteigen. Das ist Absicht, vermutet sie, um den Radfahrern das Hineinkommen zu erschweren, denn der große Hinweis »Radfahren verboten« wird von vielen ignoriert. Auch von ihr. Sie hat für sich beschlossen, dass damit nur die Mountainbiker gemeint sein können, die sonst querfeldein durch die Gräberreihen pflügen würden. Schritttempo dagegen gefährdet niemand und macht kaum einen Unterschied zum Laufen, erleichtert aber das Vorwärtskommen ungemein. Schließlich sind 65 Jahre kein Pappenstiel. Natürlich ist man noch nicht wirklich alt, Gott bewahre, aber kleine Einschränkungen sind nicht wegzuleugnen.

Sie bleibt vor Christophs Urnengrab stehen, einer Doppelnische in der Mauer, di