: Angela Hoptich, Agnes Decker, Anke Breuer, Anna Rudy, Nina Weber, Katja Winter, Ingmar Ackermann, No
: Erdenwandler Geschichten über die Erde und die Welt, in der wir leben
: Books on Demand
: 9783752694451
: 1
: CHF 4.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 240
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In ERDENWANDLER dreht sich alles um Erde. Sie ist das vierte Element, das sich unsere Autor*innengruppe 60|30 zum Thema nimmt, und vervollständigt die Anthologie-Reihe Elemente. Erde ist die feste Basis aller Dinge, sie gibt uns Sicherheit, den"festen Boden unter den Füßen", und steht für Realismus und alles Materielle. Das Element Erde steht als Symbol für den Beginn und für das Ende des Lebens. Die Erde bietet uns Raum und zeigt uns die Grenzen. Sie ist stabiler Fels und Grund, manchmal auch brüchig und unergründlich, immer aber voller Überraschungen und Herausforderungen für uns Menschen. Die Erde ist unser Heimatplanet, unser Zuhause, und eine Naturkraft in sich. Sie ist Sinnbild des Wachsens, der Fruchtbarkeit und Vielfalt, nicht nur in Flora und Fauna, sondern auch in uns selbst. Die Geheimnisse und Wunder unserer Welt werden wir vielleicht nie bis ins Letzte entschlüsseln. Die Geschichten in diesem Band ranken sich um den Einbruch in eine Waldidylle, ein paar Jugendliche auf Abwegen, das Geheimnis des Lebens, verzauberte Steine, Respekt, Eifersucht und Fremdgehen. Erzählt wird außerdem von Flüchtlingen in einem Boot, einer Reise um die halbe Welt, einem erbaulichen Friedhofsgang, einer Höhlenwanderung, von einem morbiden Erlebnis in der Waldeinsamkeit und mehr. Zehn Autor*innen beschreiben im vierten Buch dieser Reihe 19 Erlebnisse von Erdbewohnern. Über die Anthologie-Reihe Elemente: Nach der 4-Elemente-Lehre antiker Naturphilosophen wie Empedokles entsteht alles Sein aus verschiedenen Mischungen der vier Essenzen Wasser, Feuer, Luft und Erde. Sie verkörpern die Prinzipien des Flüssigen, Verzehrenden, Gasförmigen und Festen. Alles auf dieser Welt besitzt demnach einen charakteristischen Anteil eines der Elemente. Später wurden ihnen weitere Eigenschaften zugeordnet, die sich bis weit in die Psychologie erstrecken. Ausgehend von dieser Lehre ist jedem von uns ein mehr oder weniger großer Anteil jeden Elements zu eigen und beeinflusst unser Sein und Handeln. Die Geschichten unserer Elemente-Reihe handeln von diesem Einfluss auf die Menschen und die Welt, in der wir leben. Weitere Bücher der Reihe, erhältlich als Taschenbuch und Ebook: JAHRHUNDERTFLUT Hochwassergeschichten aus Köln, Elemente Buch 1 ISBN 978-3-74316-180-1 FLAMMENSPIEL Geschichten über das feurige Element, Elemente Buch 2 ISBN 978-3-75283-253-2 STURMGESANG Geschichten über Luft, Liebe und das Leben, Elemente Buch 3 ISBN 978-3-73477-389-1

Angela Hoptich erblickte am Niederrhein das Licht der Welt, wurde nach Bayern verschleppt, flüchtete nach Hessen und ließ sich schließlich am Nabel der Welt, in Köln, nieder. Im Mai 2020 erschien unter dem Pseudonym C. A. Hope ihr Debütroman SEELENDORN, eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, Familie und den Wahnsinn, der darin lauert. Außerdem schlägt Angelas Herz für den magischen Realismus und alle Arten der Phantastik. Dem Hauch Magie im Alltag ist sie weiterhin auf der Spur. Folgt ihr gerne auf Facebook, Instagram oder Twitter oder schaut auf ihrer Home­page vorbei: www.angelahoptich.de

Anna Rudy
ZWEI BRÜDER


Es lebten einmal zwei Brüder. Sie waren Waisen und verdienten ihr Brot als Hirten. Die Jungen brachten die Schafe eines reichen Bauern hoch in die Berge, schlugen Pflöcke ein, banden einen selbstgeflochtenen Strick um die Hölzer und ließen die Schafe auf dieser Weide grasen. Sie kümmerten sich gut um die Herde und brachten sie immer vollzählig zurück, dafür wurden sie von den Menschen im Dorf geschätzt.

Eines Tages brachten die Brüder die Schafherde hoch in die Berge auf eine frische Weide, bereiteten eine neue Koppel und begannen, den Weidegrund zu umschreiten, wie sie es immer taten, wobei sie die Schafe nie aus den Augen verloren. Der Ältere lief am unteren Hang des Berges entlang, der Jüngere am oberen. Dieser Hang war gefährlich, aber hier wuchs auch das saftigste Gras. Plötzlich hörte der Jüngere einen leisen Schrei.

„Bruder!“, rief der Jüngere. „Was hast du gerufen?“

„Habe ich nicht!“, antwortete der Ältere und seine Stimme klang laut und deutlich.

Und wieder hörte der Jüngere einen leisen Aufschrei.

„Bruder!“, rief der Jüngere erneut. „Ich höre jemanden.“

„Aber hier ist niemand außer uns“, sagte der Ältere und zeigte umher. Und tatsächlich, wo immer man nur hinschaute, gab es grüne Felder, Berge, Felsen und den unendlichen, blauen Himmel.

„Hilfe!“

Wieder hörte es der Jüngere. Er ging bis zum Rand der Schlucht und spähte nach unten. Der Abgrund war so tief, dass ein Stein, den man hinabwarf, so lange brauchte, den Grund zu erreichen, dass sich derweil ein Gebet sprechen ließ.

Auf einem Felsvorsprung saß ein Greis und streckte die Hände nach oben. „Hilf mir! Rette mich!“

„Wie bist du dorthin gekommen?“, schrie der Jüngere. Was er da sah, das war unmöglich. Niemand konnte eine so steile Klippe hinuntersteigen.

„Hilf mir! Rette mich!“, bat der alte Mann wieder.

Der Jüngere rief den Älteren herbei, sie legten sich auf den Bauch und schoben ihre Köpfe über die Kante zur Schlucht, um sich den Greis genauer anzusehen.

„Wie können wir ihn hochholen?“, fragte der Jüngere. „Wir können nicht in die Schlucht hinunter, selbst wenn wir es schaffen würden, wir werden nie wieder hinaufkommen.“

Der Ältere sagte nur: „Der Strick.“

Die Brüder lösten den Strick von den Pflöcken, befestigten ihn und warfen ihn hinab. Der Strick ba