Einladung zu einer Reise
Ich blickte stundenlang hinab ins Tal auf den See. Tausend Gedanken schossen mir, wie schon in der Nacht zuvor, durch den Kopf. Tausend Fragen malträtierten mich seit Stunden. Warum musste mir das passieren, was hatte ich getan? Warum musste ich all das verlieren, was ich mir so mühsam aufgebaut hatte? Ich legte mich zurück ins Gras, um mir die Wolken anzusehen, und schlummerte dabei langsam weg. Mir war, als hätte ich gerade erst die Augen geschlossen, als ich schon von Weitem eine sehr vertraute, aber lange nicht mehr gehörte Stimme vernahm.
"Jonaaaa!!! … Jooonnaaaa!!! Weißt du noch, wer ich bin? Weißt du noch, dass du mich alles fragen kannst? Du musst es nur tun!"
Ich war mit einem Schlag hellwach. Konnte es tatsächlich sein, dass er mich gerufen hatte? Ich wusste natürlich genau, wer da rief, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Kann das sein, dachte ich mir, ist es tatsächlich Gott? Wie lange hatte ich mit Gott schon nicht mehr gesprochen? Das musste ja eine Ewigkeit her sein – ich schämte mich – und so stammelte ich sehr verlegen folgende Worte:
"Entschuldige bitte, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe … aber ich …"
"Du wusstest nicht, was du mich fragen solltest, richtig?", entgegnete mir Gott mit der mir wohlbekannten, immer verzeihenden und zugleich verständnisvollen Stimme. Ja, die hatte ich doch tatsächlich vermisst, bemerkte ich, als ich diese sanfte Stimme hörte. Sie gab mir immer das Gefühl, egal was ich machte, tat oder sagte, dass es okay war. Nie ein Ton des Vorwurfs.
"Ja genau!", antwortete ich auf seine Frage,"… ich wusste nicht …".
"Das ist völlig in Ordnung", unterbrach Gott mein verlegenes Gestammel,"außerdem ist das, was für dich ein paar Jahre sind, für mich ein paar Tage, Stunden oder Sekunden. Es ist für mich, als hätten wir gerade eben erst noch gesprochen."
"Wirklich? Das ist gut zu hören." Wie ich schon sagte, Gott antwortet immer so, als habe er für alles Verständnis. Irgendwie ganz anders, als man es üblicherweise gesagt oder gelehrt bekam.
"Kannst du dich noch an meinen Lieblingssatz von unserem letzten Gespräch erinnern?", griff Gott den Faden wieder auf.
"Mhmm … Keine Ahnung!", stutzte ich.
"Alles passiert immer aus einem bestimmten Grund und immer zu deinem Besten!"
"Ach ja, der … Stimmt, damit hast du mich ständig genervt." Gott hatte mich tatsächlich damit genervt, und es hatte lange gedauert, bis ich diesen Satz akzeptieren konnte. Und ehrlich gesagt, auf meine derzeitige Situation bezogen, konnte ich diesen Satz wiederum nicht ganz nachvollziehen. Was sollte denn für mich gut daran sein, dass ich alles verloren hatte?"
"Dieser Satz ist heute noch genauso gültig wie vor 17 Jahren, wie vor 1000 Jahren oder in 100 Jahren", funkte Gott mit barschem Ton dazwischen, bevor ich mich noch tiefer in mein Selbstmitleid hineinsteigern konnte."Dieser Satz ist eines der unumstößlichen Grundgesetze des Lebens auf Erden, auf die du zu 100 Prozent immer vertrauen darfst. Auch wenn d